{"id":1216,"date":"2015-08-09T21:18:50","date_gmt":"2015-08-09T19:18:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=1216"},"modified":"2015-08-10T12:24:56","modified_gmt":"2015-08-10T10:24:56","slug":"el-nino-ein-christkind-beeinflusst-das-weltklima-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/el-nino-ein-christkind-beeinflusst-das-weltklima-teil-1\/","title":{"rendered":"El-Ni\u00f1o &#8211; &#8222;Ein Christkind&#8220; beeinflusst das Weltklima &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"line-height: 24px;\"><b>El-Ni\u00f1o &#8211; &#8222;Ein Christkind&#8220; beeinflusst das Weltklima &#8211; Teil 1<\/b><\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange wurde das &#8222;Christkind&#8220; vorhergesagt, nun ist es mit voller Wucht eingetreten und wird sich voraussichtlich auch noch l\u00e4nger halten. Schon zur Jahresmitte 2014 prognostizierten die Experten ein El-Ni\u00f1o-Ereignis sp\u00e4testens zum Nordwinter 2014\/15. Doch die Oberfl\u00e4chenwassertemperaturen belegen, dass El-Ni\u00f1o erst in diesem Fr\u00fchjahr so richtig Fahrt aufgenommen hat und das Meerwasser bis vor die K\u00fcste Perus und Chiles deutlich erw\u00e4rmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wesentlicher Grund f\u00fcr das El-Ni\u00f1o-Ph\u00e4nomen sind schw\u00e4chelnde Passatwinde. Der Passat ist dabei ein m\u00e4\u00dfig starker und best\u00e4ndiger Wind im Bereich der Tropen oder teilweise auch der Subtropen (bis etwa 30\u00b0 n\u00f6rdlicher oder s\u00fcdlicher geographischer Breite), der rund um den Erdball auftritt und h\u00e4ufig k\u00fcstenparallel an den Westk\u00fcsten der Kontinente weht. Allgemein unterscheidet man zwischen dem Nordost-Passat auf der Nordhalbkugel und dem S\u00fcdost-Passat auf der S\u00fcdhalbkugel (vgl. Abbildung 1. Auf der rechten Seite der Homepage unter &#8222;mehr&#8220; in der Rubrik &#8222;Thema des Tages&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Oberfl\u00e4chenstr\u00f6mungen der Meere im Wesentlichen durch Wind angetrieben werden, sind im tropischen und subtropischen Ozean in erster Linie die beschriebenen Passatwinde f\u00fcr Meeresstr\u00f6mungen verantwortlich. Dabei gibt der Wind durch die Reibung einen Impuls (Bewegungsgr\u00f6\u00dfe, St\u00e4rke einer bewegten Masse) an das Wasser der oberfl\u00e4chennahen Schichten des Ozeans ab. Das Wasser wird entsprechend mit der Windrichtung &#8222;gezogen&#8220;. Durch die Erdrotation wirkt auf bewegte Fl\u00fcssigkeiten oder Gegenst\u00e4nde jedoch eine ablenkende Kraft, die sogenannte Corioliskraft (vgl. unter www.dwd.de\/lexikon, Stichwort &#8222;Corioliskraft&#8220;). Mit der Tiefe nimmt die Abweichung der Wasserstr\u00f6mung von der herrschenden Windrichtung stetig zu, bis der Windimpuls seine Antriebskraft komplett verliert und das Wasser steht. \u00dcber die gesamte Tiefe gemittelt kommt es daher zu dem Effekt, dass sich das Wasser nicht in Windrichtung, sondern in eine Richtung senkrecht zum Wind bewegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch diesen sogenannten &#8222;Ekman-Transport&#8220; wird das k\u00fcstennahe relativ warme Oberfl\u00e4chenwasser westw\u00e4rts von den K\u00fcsten weg auf den Ozean getrieben. Da durch die Kontinente von Osten kein Wasser nachstr\u00f6men kann, quillt aus Massenerhaltungsgr\u00fcnden kaltes, n\u00e4hrstoffreiches Tiefenwasser auf und ersetzt somit das abtransportierte warme Wasser an der Oberfl\u00e4che (vgl. Abbildung 2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies trifft im Normalfall auch auf die Westk\u00fcste S\u00fcdamerikas zu. W\u00e4hrend vor Peru und Kolumbien kaltes Tiefenwasser aufquillt, sammelt sich an den K\u00fcsten Australiens und Indonesiens das warme Oberfl\u00e4chenwasser an. Dieses wiederum erw\u00e4rmt die unteren Luftschichten. Die bodennahe, erw\u00e4rmte Luft ist leichter als die Umgebungsluft und steigt daher auf. Durch die Abk\u00fchlung mit der H\u00f6he bilden sich Wolken sowie schlie\u00dflich starke und teils auch l\u00e4nger anhaltende Regenf\u00e4lle. Es entsteht ein lokales station\u00e4res Tiefdruckgebiet. Gleichzeitig bildet sich \u00fcber dem kalten Wasser vor S\u00fcdamerikas Westk\u00fcste ein Hochdruckgebiet mit absinkender Luft. Nachfolgend entsteht zwischen S\u00fcdamerika und Indonesien eine zum \u00c4quator parallele Luftzirkulation. Der englische Meteorologe Gilbert Walker entdeckte diesen Luftaustausch in den 20er Jahren und benannte ihn als &#8222;Walker Zirkulation&#8220;. Die Schwankungen des Druckunterschieds zwischen dem Hochdruckgebiet im s\u00fcd\u00f6stlichen Pazifik (als Messwert wird der Luftdruck auf Tahiti genommen) und dem asiatisch-australischen Tiefdrucksystem (Luftdruck auf Djakarta, Indonesien) bezeichnete er als &#8222;Southern Oscillation&#8220; (vgl. Abbildung 3 oben).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausbildung bzw. Auspr\u00e4gung der Walker-Zirkulation ist direkt an die Subtropenhochs und somit an die St\u00e4rke der Passatwinde gekn\u00fcpft. Schw\u00e4cht sich das pazifische Hochdruckgebiet ab, lassen auch die Passatwinde nach oder flauen sogar fast v\u00f6llig ab. Resultierend wird auch weniger warmes Oberfl\u00e4chenwasser von den K\u00fcsten S\u00fcdamerikas ostw\u00e4rts Richtung Australien und Indonesien transportiert, sodass das kalte Tiefenwasser kaum oder gar nicht aufquillt. Dadurch befindet sich das w\u00e4rmste Wasser nicht mehr \u00fcber S\u00fcdostasien, sondern weiter \u00f6stlich in Richtung der Westk\u00fcste S\u00fcdamerikas. Entsprechend verlagert sich auch das Tiefdruckgebiet von Indonesien auf den Pazifik hinaus. Zeitweise kann sich die Zirkulation sogar komplett umdrehen, sodass dann \u00fcber S\u00fcdostasien hoher und im \u00f6stlichen Pazifik tiefer Luftdruck dominiert. Die Erh\u00f6hung des Luftdrucks \u00fcber S\u00fcdostasien und dem westlichen Pazifik sowie der Druckfall im \u00f6stlichen Pazifik (Westk\u00fcste S\u00fcdamerikas) kommen aus bisher ungekl\u00e4rten Gr\u00fcnden in Intervallen von etwa 3 bis 8 Jahren vor. Weil diese Phase der &#8222;Southern Oscillation&#8220; meistens um Weihnachten auftritt, wird sie auch als El-Ni\u00f1o (das Christkind, vgl. www.dwd.de\/lexikon, Stichwort: El-Ni\u00f1o) bezeichnet (vgl. Abbildung 3 unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Folge kommt es \u00fcber dem Pazifik und an den Westk\u00fcsten S\u00fcdamerikas zu starken Niederschl\u00e4gen, w\u00e4hrend es in S\u00fcdostasien und Australien trocken bleibt und D\u00fcrren auftreten. Die Wirkungen eines El-Ni\u00f1o Ereignisses sind jedoch wesentlich weitreichender und nicht nur auf die pazifische Region beschr\u00e4nkt. Als Fernfolge von El-Ni\u00f1o \u00fcberwiegen z.B. im Bereich des Amazonas, wo normalerweise typisch tropisch-feuchte Verh\u00e4ltnisse herrschen, nun l\u00e4ngere trockene Phasen. Dagegen ist das &#8222;Christkind&#8220; in S\u00fcdafrika durch eine \u00fcberdurchschnittlich warme und sehr trockene Witterung sp\u00fcrbar. Im s\u00fcdlichen Teil von Nordamerika zieht die El-Ni\u00f1o-Phase dagegen meist ein feuchtes und k\u00fchles Wetter nach sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das letzte El-Ni\u00f1o Ereignis liegt nun schon \u00fcber f\u00fcnf Jahre zur\u00fcck. Zwischen Juni 2009 und Mai 2010 wurden letztmals signifikant positive Abweichungen der Oberfl\u00e4chenwassertemperaturen (&gt;0,5\u00b0C)im tropischen Pazifik gemessen. Seitdem wechseln sich der &#8222;Normalfall&#8220; und &#8222;La-Ni\u00f1a&#8220;, die eine Phase mit einer besonders stark ausgepr\u00e4gten Walker-Zirkulation beschreibt (vgl. www.dwd.de\/lexikon, Stichwort: El-Ni\u00f1o), ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem der US-amerikanische Wetterdienst NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration), der bei der Beobachtung und Vorhersage des El Ni\u00f1o-Ph\u00e4nomens federf\u00fchrend ist, das Auftreten eines El Ni\u00f1o-Ereignisses schon w\u00e4hrend des Nordwinters 2014\/15 mit einer Wahrscheinlichkeit von 58% bezifferte, braute sich in diesem Fr\u00fchjahr versp\u00e4tet nun doch etwas zusammen! F\u00fcr weiterf\u00fchrende Informationen \u00fcber das derzeitige El-Ni\u00f1o-Ereignis lesen sie das Thema des Tages am Dienstag, den 11. August.<br \/>\nDipl.-Met. Lars Kirchh\u00fcbel Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.08.2015 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG_8029-0.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/IMG_8029-0.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>El-Ni\u00f1o &#8211; &#8222;Ein Christkind&#8220; beeinflusst das Weltklima &#8211; Teil 1 Lange wurde das &#8222;Christkind&#8220; vorhergesagt, nun ist es mit voller Wucht eingetreten und wird sich voraussichtlich auch noch l\u00e4nger halten. 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