{"id":1687,"date":"2015-10-13T10:53:42","date_gmt":"2015-10-13T08:53:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=1687"},"modified":"2015-10-13T10:53:42","modified_gmt":"2015-10-13T08:53:42","slug":"dvorak-technik-die-intensitaetsbestimmung-tropischer-stuerme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/dvorak-technik-die-intensitaetsbestimmung-tropischer-stuerme\/","title":{"rendered":"Dvorak-Technik: Die Intensit\u00e4tsbestimmung tropischer St\u00fcrme"},"content":{"rendered":"<h2>Dvorak-Technik: Die Intensit\u00e4tsbestimmung tropischer St\u00fcrme<\/h2>\n<div style=\"text-align: justify;\">Im Zuge des in diesem Jahr auftretenden El Nino-Ereignisses konnten in den Themen des Tages der vergangenen Wochen wiederholt Berichte \u00fcber die erh\u00f6hte Tropensturmaktivit\u00e4t im West-\/Zentral- und Ostpazifik nachgelesen werden. Dabei wurde immer wieder auf die jeweilige Intensit\u00e4t der tropischen St\u00fcrme hingewiesen. Doch wie genau findet diese Intensit\u00e4tsabsch\u00e4tzung statt, da sich die St\u00fcrme meist \u00fcber dem offenen Meer und abseits jeglicher Messstationen befinden?<\/p>\n<p>Vor dem Zeitalter der Satelliten war die Vorhersage tropischer Wirbelst\u00fcrme nur sehr schwer bis gar nicht m\u00f6glich. Daher konnten sich auch Katastrophen wie die vom &#8222;Galveston-Hurrikan&#8220; im Jahr 1900 ereignen, wo ein Hurrikan die texanische Stadt Galveston \u00fcberraschte und binnen weniger Stunden zerst\u00f6rte. Diesem Sturm alleine fielen mehrere Tausend Menschen zum Opfer.Mit viel Gl\u00fcck konnten per Telegramm Informationen so schnell \u00fcbermittelt werden, dass eine geringe Vorwarnzeit m\u00f6glich war. F\u00fcr eine Evakuierung ganzer Landstriche, wie es in der heutigen Zeit durchgef\u00fchrt wird, reichte die Vorwarnzeit damals aber bei Weitem nicht aus. Erst mithilfe der ersten Satelliten in den sp\u00e4ten 60-iger Jahren stand den operationellen Meteorologen eine neue M\u00f6glichkeit zur Verf\u00fcgung, die Vorhersagen entsprechend zu verbessern. Und hier trat ein Vorhersager und Wissenschaftler in den Fokus, der in Washington, D.C. gearbeitet hat: Vernon Dvorak, der heute in Ojai, Kalifornien lebt.<\/p>\n<p>Seine Herangehensweise, erstmals 1972 und 1973 in der Fachliteratur ver\u00f6ffentlicht, ist auf den ersten Blick eine einfache und es muss ausdr\u00fccklich betont werden, dass hier der \u00dcbersicht halber nur ein kleiner Teil der gesamten Vorhersagetechnik erkl\u00e4rt werden kann.<\/p>\n<p>An Hand intensiver Beobachtungen unter anderem durch Herrn Dvorak wurde eine sogenannte &#8222;Wolkenmustererkennungstechnik&#8220; mit Hilfe von Satellitenbildern erstellt. Dabei stehen bestimmte Wolkenmuster f\u00fcr eine entsprechende Intensit\u00e4t eines tropischen Sturms. Die Intensit\u00e4t wiederum wurde zun\u00e4chst anhand der mittleren maximalen Windgeschwindigkeit (1-min. Mittelwert), sp\u00e4ter anhand des Luftdrucks bestimmt.Man fragt sich nun sicherlich, wieso vom Satelliten abgebildete Wolkenstrukturen etwas \u00fcber die Intensit\u00e4t eines Sturmes aussagen k\u00f6nnen. Dazu betrachten wir mal die &#8222;Grundpfeiler&#8220;, auf denen sich diese Einteilung st\u00fctzt:<\/p>\n<p>Da w\u00e4re zun\u00e4chst einmal der kinematische Ansatz, der sich aus dem Erscheinungsbild des eigentlichen Wirbels und der vertikalen Windscherung, also der Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der H\u00f6he, zusammensetzt. Je symmetrischer so ein Wirbel aussieht, umso organisierter ist er. Auch sein Durchmesser l\u00e4sst auf Intensit\u00e4tsentwicklungen R\u00fcckschl\u00fcsse zu, denn eine breite Zirkulation ben\u00f6tigt mehr Zeit um sich zu verst\u00e4rken und zu organisieren verglichen mit einer kleinr\u00e4umigen und kompakten Zirkulation. Ist zudem die Konvektion vom Zentrum versetzt, dann deutet dies auf eine starke Windscherung hin, die daf\u00fcr sorgt, dass sich die Konvektion nicht zentrumsnah halten kann. Sie m\u00fcssen sich das so vorstellen, dass der Motor f\u00fcr einen tropischen Sturm in der Konvektion zu finden ist, die den Wirbel durch zentrumsnah auftretende Wolkenbildung (Kondensation) und die dabei frei werdende Energie antreibt. Verblasen die Winde diese Wolken, dann schw\u00e4cht sich der Sturm ab und entsprechend kann dies an Hand von Satellitendaten erkannt werden.<\/p>\n<p>Dann gibt es aber noch eine thermodynamische Herangehensweise, wo entsprechend die Auspr\u00e4gung der Konvektion direkt ums Zentrum betrachtet wird. Mal besteht diese nur aus kurzlebigen Ausbr\u00fcchen von hochreichender Konvektion (dies wird als &#8222;pulsierende&#8220; Konvektion bezeichnet), mal verschwindet das Zentrum unter einem massiven Konvektionsschirm, wobei Letzteres auf stetige Verst\u00e4rkung hindeutet. Sollte sich ein Auge ausgebildet haben, dann kann auch die Temperaturdifferenz zwischen dem warmen Auge, in dem die Luft absinkt und sich erw\u00e4rmt, und der niedrigen Temperatur der das Auge umgebenden Konvektion auf die Intensit\u00e4t hindeuten. Je st\u00e4rker diese Temperaturgegens\u00e4tze ausfallen, desto intensiver ist der Sturm. Ein Beispiel vom 29. August 2015 finden Sie unter www.dwd.de\/tagesthema.<\/p>\n<p>All diese Informationen flie\u00dfen letztendlich in die Mustererkennung ein. Diese Erkennung beginnt bei einem schwachen, unorganisiert ausschauenden Gewittergebiet und endet bei einem intensiven Hurrikan\/Taifun\/Zyklon mit einem symmetrischen und sehr kalten Konvektionsbereich um das sehr warme Auge herum. Jedem dieser Muster wird eine bestimmte Nummer, eine sogenannte tropische (T) Nummer, zugewiesen, die wiederum f\u00fcr eine entsprechende St\u00e4rke des mittleren Windes und des Kerndrucks des Tropensturms steht. T1 ist sehr schwach, T8 sehr stark.<\/p>\n<p>Es gibt gewisse Grenzen f\u00fcr diese Technik.Sehr \u00e4hnlich erscheinende Wolkenmuster k\u00f6nnen bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten auftreten, da noch weitere atmosph\u00e4rische Faktoren einen Einfluss auf die St\u00e4rke des Sturmes aus\u00fcben. Zudem ist dies eine subjektive Mustererkennung, sodass unterschiedliche Vorhersager die Satellitenbilder unterschiedlich interpretieren, was sich in der Intensit\u00e4tseinstufung auswirkt. Tropische Wirbelst\u00fcrme treten auch nicht immer direkt unter einem Satelliten auf, sondern k\u00f6nnen sich so entwickeln, dass der Satellit von der Seite auf diese schaut. Dadurch kann zum Beispiel ein Auge mit einem geringen Durchmesser teils gar nicht oder nur sehr ungenau aufgel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Dennoch muss gesagt werden, dass diese Technik seit 30 Jahren sehr erfolgreich im Vorhersagedienst in den Tropen rund um den Globus angewandt und fortw\u00e4hrend angepasst wird. Mittlerweile finden auch regionale Anpassungen statt, sodass die urspr\u00fcngliche Dvorak-Technik mit teils unterschiedlichen Regeln weltweit angewandt wird. Verifikationen mit Hilfe von Messfl\u00fcgen (Nordatlantik und Ostpazifik) zeigen, dass diese Technik bei den meisten St\u00fcrmen ziemlich genau die Windgeschwindigkeit vorhersagt und man darf erwarten, dass sie sich noch bis weit in das 21. Jahrhundert halten wird. Entsprechend k\u00f6nnen auch in Zukunft dank dieser Technik Evakuierungen fr\u00fchzeitig durchgef\u00fchrt und unz\u00e4hlige Menschenleben gerettet werden!<\/p>\n<p>Dipl.-Met. Helge Tuschy Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.10.2015 Copyright (c) <a href=\"http:\/\/www.dwd.de\" target=\"_blank\">Deutscher Wetterdienst<\/a><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/13_Bild_pngjsessionidCB687C61170A353281EDD25390BE56A4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1688\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/dvorak-technik-die-intensitaetsbestimmung-tropischer-stuerme\/13_bild_pngjsessionidcb687c61170a353281edd25390be56a4\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/13_Bild_pngjsessionidCB687C61170A353281EDD25390BE56A4.png\" data-orig-size=\"999,746\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Dvorak-Technik: Die Intensit\u00e4tsbestimmung tropischer St\u00fcrme\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/13_Bild_pngjsessionidCB687C61170A353281EDD25390BE56A4-300x224.png\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/13_Bild_pngjsessionidCB687C61170A353281EDD25390BE56A4.png\" class=\"alignnone size-full wp-image-1688\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/13_Bild_pngjsessionidCB687C61170A353281EDD25390BE56A4.png\" alt=\"Dvorak-Technik: Die Intensit\u00e4tsbestimmung tropischer St\u00fcrme\" width=\"999\" height=\"746\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/13_Bild_pngjsessionidCB687C61170A353281EDD25390BE56A4.png 999w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/13_Bild_pngjsessionidCB687C61170A353281EDD25390BE56A4-300x224.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 999px) 100vw, 999px\" \/><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dvorak-Technik: Die Intensit\u00e4tsbestimmung tropischer St\u00fcrme Im Zuge des in diesem Jahr auftretenden El Nino-Ereignisses konnten in den Themen des Tages der vergangenen Wochen wiederholt Berichte \u00fcber die erh\u00f6hte Tropensturmaktivit\u00e4t im West-\/Zentral- und Ostpazifik nachgelesen werden. 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