{"id":1697,"date":"2015-10-14T14:55:09","date_gmt":"2015-10-14T12:55:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=1697"},"modified":"2015-10-14T14:55:09","modified_gmt":"2015-10-14T12:55:09","slug":"hoehentief-ueber-westdeutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/hoehentief-ueber-westdeutschland\/","title":{"rendered":"H\u00f6hentief \u00fcber Westdeutschland"},"content":{"rendered":"<h2>H\u00f6hentief \u00fcber Westdeutschland<\/h2>\n<div style=\"text-align: justify;\">Bodenwetterkarten sind Darstellungen der zur gleichen Beobachtungszeit an vielen Wetterstationen gewonnenen meteorologischen Variablen, die nach einem standardisierten Schema, dem sog. Stationsmodell, in Landkarten mit Meeren, Kontinenten, Staatsgrenzen und ggf. dem kartografischen Relief eingetragen werden. Au\u00dfer den Wetterfronten zur Abgrenzung verschiedener Luftmassen, zeigen ausgewertete Bodenwetterkarten Linien gleichen, auf Meeresniveau reduzierten Luftdruckes, n\u00e4mlich Isobaren, denn der Luftdruck (Ma\u00dfeinheit Hektopascal [hPa]) ist mit allen wetterrelevanten Parametern eng korreliert. Allerdings ist die Atmosph\u00e4re dreidimensional, so gen\u00fcgt es oftmals nicht, sich bei der Beschreibung meteorologischer Prozesse auf die Bodenwetterkarte zu beschr\u00e4nken. Man braucht au\u00dferdem Darstellungen weiterer Atmosph\u00e4renschichten, sog. H\u00f6henwetterkarten. Manchmal zeigen sich meteorologische Entwicklungen sogar ausschlie\u00dflich in der H\u00f6henwetterkarte und hinterlassen im Bodenniveau nur relativ geringe oder gar keine &#8222;Spuren&#8220;. In H\u00f6henwetterkarten wird jedoch nicht etwa das in einer bestimmten geometrischen H\u00f6he anzutreffende, zweidimensionale Luftdruckfeld gezeichnet, sondern es wird die &#8222;geopotentielle H\u00f6he&#8220; eines bestimmten Druckniveaus, z. B. der 500-hPa-Fl\u00e4che, mittels sog. Isohypsen dargestellt. Sowohl f\u00fcr das Bodendruckfeld als auch f\u00fcr verschiedene Druckfl\u00e4chen erstellt man &#8222;Analysekarten&#8220; zur Beschreibung des atmosph\u00e4rischen Ist-Zustandes sowie &#8222;Vorhersagekarten&#8220; f\u00fcr kurz- und sogar mittelfristige Zeitpunkte in der Zukunft.<\/p>\n<p>Mit der geopotentiellen H\u00f6he (Ma\u00dfeinheit ist meist der geopotentielle Dekameter [gpdam]) als Vertikalkoordinate eliminiert man die Abh\u00e4ngigkeit der irdischen Schwerebeschleunigung von der geographischen Breite und filtert die meteorologisch relevanten Luftdruck- bzw. Geopotentialunterschiede heraus. Gleichzeitig ist die geopotentielle H\u00f6he, oder einfach &#8222;das Geopotential&#8220;, ein Ausdruck f\u00fcr die Lageenergie einer Luftmasse. In warmer Luft f\u00e4llt der Druck mit zunehmender Vertikale langsamer als in kalter Luft, daher herrscht bei einer bestimmten geometrischen H\u00f6he in der Warmluft ein h\u00f6herer Druck als in der Kaltluft. Andererseits liegt beispielsweise die 500-hPa-Fl\u00e4che in einer Warmluftmasse geometrisch h\u00f6her als in einer Kaltluftmasse. Warme Luft hat also eine h\u00f6here potentielle Energie als kalte Luft. In den H\u00f6henwetterkarten erscheinen Warmluftmassen quasi als Berge (im Meteorologen-Jargon Geopotential- oder H\u00f6henr\u00fccken), Kaltluftmassen als T\u00e4ler (Geopotential- oder H\u00f6hentrog). Druck- bzw. Geopotentialgebilde mit geschlossenen Isolinien bezeichnet man als H\u00f6henhoch bzw. H\u00f6hentief. \u00dcbrigens beziehen die Tiefdruckgebiete unserer mittleren Breiten, die an der \u00dcbergangszone zwischen Warm- und Kaltluftmassen (Stichwort &#8222;Polarfront&#8220;) entstehen, ihre &#8222;Kraft&#8220; aus der potentiellen Energie der Warmluft.<\/p>\n<p>Seit vergangenem Sonntag (11.10.2015) formte ein erneuter Kaltluftausbruch aus der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Arktis einen schmalen Trog, der sich schlie\u00dflich bis nach Mitteleuropa erstreckte. Dabei kam es in der mittleren und h\u00f6heren Atmosph\u00e4re \u00fcber der Nordsee zur Abschn\u00fcrung eines Kaltluftk\u00f6rpers und zur Entstehung eines H\u00f6hentiefs. Im Bodendruckfeld zeigte sich im Zusammenwirken mit einem Tiefdruckgebiet \u00fcber dem Golf von Genua eine nordw\u00e4rts gerichtete &#8222;zyklonale&#8220; Ausbuchtung der Isobaren. Das H\u00f6hentief zog s\u00fcdostw\u00e4rts entlang der Ostk\u00fcste Englands \u00fcber die Benelux-Staaten hinweg, vergr\u00f6\u00dferte seinen Umfang und liegt derzeit mit seinem Kern \u00fcber Westdeutschland und Nordostfrankreich. In seinem Einflussbereich kam es in Mitteleuropa zu teils ergiebigen Niederschl\u00e4gen, die in Deutschland oberhalb von etwa 300 bis 400 m als Schnee fielen und gebietsweise noch andauern. In den Mittelgebirgen gab es einen fr\u00fchen &#8222;Wintereinbruch&#8220; mit einigen Zentimetern Neuschnee, der vielerorts zu Verkehrsbehinderungen bis hin zu Streckensperrungen f\u00fchrte. Spitzenreiter innerhalb des DWD-Messnetzes bei den vierundzwanzigst\u00fcndigen Neuschneeh\u00f6hen bis heute fr\u00fch 06:00 UTC war die Station Zugspitze (2964 m H\u00f6he) mit 28 cm, auf dem zweiten Platz folgt der Fichtelberg (Stationsh\u00f6he 1213 m) mit 11 cm. Eindrucksvoller sind jedoch die in der Finne, einem maximal 370 m aufragenden H\u00f6henzug zwischen Unstrut und Ilm (Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen), an zwei Stationen jeweils beobachteten 10 cm. In den westdeutschen Mittelgebirgen blieben die Neuschneeh\u00f6hen dagegen einstellig.<\/p>\n<p>Zur Illustration finden Sie unten eine Karte der dreist\u00fcndigen Niederschlagsmengen [l\/m\u00b2 = mm] von gestern Nachmittag, 13.10.2015, 15:00 UTC, unterlegt mit einem Satellitenbild und erg\u00e4nzt durch Radarinformationen. Die geschlossene wei\u00dfe Kurve charakterisiert das Zentrum des H\u00f6hentiefs innerhalb der 500-hPa-Hauptdruckfl\u00e4che mit einer geopotentiellen H\u00f6he von 552 gpdam.<\/p>\n<p>Dipl.-Met. Thomas Ruppert Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.10.2015 Copyright (c) <a href=\"http:\/\/www.dwd.de\" target=\"_blank\">Deutscher Wetterdienst<\/a><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1698\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/hoehentief-ueber-westdeutschland\/hoehentief\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief.png\" data-orig-size=\"1097,910\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"H\u00f6hentief\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief-300x249.png\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief-1024x849.png\" class=\"alignnone size-large wp-image-1698\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief-1024x849.png\" alt=\"H\u00f6hentief\" width=\"604\" height=\"501\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief-1024x849.png 1024w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief-300x249.png 300w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/H\u00f6hentief.png 1097w\" sizes=\"auto, (max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.dwd.de\" target=\"_blank\"><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00f6hentief \u00fcber Westdeutschland Bodenwetterkarten sind Darstellungen der zur gleichen Beobachtungszeit an vielen Wetterstationen gewonnenen meteorologischen Variablen, die nach einem standardisierten Schema, dem sog. 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