{"id":3049,"date":"2016-03-13T14:15:49","date_gmt":"2016-03-13T12:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=3049"},"modified":"2016-03-13T14:15:49","modified_gmt":"2016-03-13T12:15:49","slug":"neues-aus-der-stratosphaere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/neues-aus-der-stratosphaere\/","title":{"rendered":"Neues aus der Stratosph\u00e4re"},"content":{"rendered":"<h2>Neues aus der Stratosph\u00e4re<\/h2>\n<p>In der Stratosph\u00e4re ist in 20 &#8211; 30 km H\u00f6he eine pl\u00f6tzliche Erw\u00e4rmung eingetreten. Was dies f\u00fcr unser Fr\u00fchlingswetter bedeuten k\u00f6nnte, wird im heutigen Thema des Tages er\u00f6rtert.<\/p>\n<p>Noch Ende Januar diskutierten wir die Verschiebung des stratosph\u00e4rischen Polarwirbels Richtung Mitteleuropa, wobei die Temperaturen Anfang Februar in der Stratosph\u00e4re in etwa 20 km H\u00f6he \u00fcber Nord- und Mitteleuropa auf unter -80 Grad gefallen waren. Es bildeten sich Polare Stratosph\u00e4renwolken, die bis in den Alpenraum beobachtet werden konnten (sieh Thema des Tages vom 21.01.2016). Nun stellt sich dort oben ein anderes Extrem ein. In den vergangenen Tagen gab es eine pl\u00f6tzliche Stratosph\u00e4renerw\u00e4rmung. Seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 war es im M\u00e4rz in dieser H\u00f6he in den n\u00f6rdlichen Bereiten noch nie so warm. Was dies f\u00fcr unser Wetter bedeuten k\u00f6nnte, soll im heutigen Thema des Tages er\u00f6rtert werden.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen der pl\u00f6tzlichen stratosph\u00e4rischen Erw\u00e4rmung wurde von Richard Scherhag entdeckt, der an der Freien Universit\u00e4t Berlin in den 50er Jahren die Stratosph\u00e4re erforschte und regelm\u00e4\u00dfig Temperaturmessungen mittels Radiosonden durchf\u00fchrte. Er entdeckte, dass sich die Winterstratosph\u00e4re auf der Nordhalbkugel in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, im Mittel alle zwei Jahre pl\u00f6tzlich innerhalb von wenigen Tagen stark erw\u00e4rmt. Diese Erw\u00e4rmung wird auch als &#8222;Berliner Ph\u00e4nomen&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p>Die Entstehung dieser pl\u00f6tzlichen Erw\u00e4rmungen ist recht komplex. Die Ursache daf\u00fcr l\u00e4sst sich in der Troposph\u00e4re finden. Etwas vereinfacht dargestellt breiten sich bei bestimmten Wetterlagen auf der Nordhalbkugel Wellen vertikal bis in die Stratosph\u00e4re aus. Dort beginnen sie sich in etwa 30 km H\u00f6he aufzul\u00f6sen und setzen dabei ihre Wellenenergie frei. Diese wird in W\u00e4rmeenergie umgewandelt, sodass es zu einer raschen Erw\u00e4rmung kommt. Diese Erw\u00e4rmung beginnt zun\u00e4chst in etwa 30 km H\u00f6he. Ist diese kr\u00e4ftig genug, &#8222;wandert&#8220; sie bis in eine H\u00f6he von 15 km hinunter.<\/p>\n<p>Man unterscheidet zwei Typen von Erw\u00e4rmungen: Ein sogenanntes Minor Warming, dass nur eine Erw\u00e4rmung um wenige Grad bringt. Minor Warmings treten h\u00e4ufiger w\u00e4hrend eines Winters auf und haben keine wesentlichen Auswirkungen. In unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von im Mittel etwa 2 Jahren kommt es zu sogenannten Major Warmings. Dabei steigt die Temperatur in der Stratosph\u00e4re in wenigen Tagen um \u00fcber 50 Grad an. Dies hat nachhaltige Auswirkungen auf die Zirkulationsverh\u00e4ltnisse in der Stratosph\u00e4re. Im Winter bildet sich \u00fcber der Arktis ein Polarwirbel. Er ist ein H\u00f6hentief, das sich aufgrund der Kaltluftansammlung im Winter \u00fcber den Polargebieten bildet und sich von der oberen Troposph\u00e4re bis in die Stratosph\u00e4re erstreckt. In ihm lassen sich besonders tiefe Temperaturen antreffen. Der Polarwirbel erzeugt westliche Winde in der Stratosph\u00e4re. Durch ein Major Warming wird dieser zerst\u00f6rt und zerf\u00e4llt in mehrere Teilwirbel. Die winterlichen Westwinde schw\u00e4chen sich ab und kehren sich sogar zu Ostwinden um. Dies hat dann sogar Auswirkung auf unser Wetter. Denn in der Troposph\u00e4re schw\u00e4cht sich dadurch der Jetstream (Starkwindband in der oberen Troposph\u00e4re und unteren Stratosph\u00e4re) ab. Somit werden dann sogenannten Blockadelagen beg\u00fcnstigt. Dabei sto\u00dfen Hochdruckgebiete weit nach Norden vor und f\u00fchren an ihrer Westflanke warme Luft in Richtung Pol. Die normalerweise vorherrschende West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete wird dadurch unterbrochen, sodass die Tiefdruckgebiete mit Kaltluft aus polaren Breiten weit nach S\u00fcden ausscheren k\u00f6nnen. Diese Blockadelagen sorgen im Winter h\u00e4ufig f\u00fcr l\u00e4nger k\u00e4ltere Phasen in Mitteleuropa. Major Warmings erh\u00f6hen also die Chance auf kalte Witterungsphasen in den mitteleurop\u00e4ischen Wintern. Das letzte Major Warming trat im Februar 2013 auf und war wahrscheinlich hauptverantwortlich f\u00fcr den 3 Grad zu kalten M\u00e4rz. Damals gab es sogar im Tiefland \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit noch eine geschlossene Schneedecke. So eine Witterungsphase wie im M\u00e4rz 2013 ist ein Extrembeispiel und erwartet uns dieses Jahr allerdings nicht, da die Erw\u00e4rmung in der Stratosph\u00e4re in diesem Jahr im Vergleich zu 2013 auch ziemlich sp\u00e4t aufgetreten ist.<\/p>\n<p>Die aktuelle blockierende Lage mit einem kr\u00e4ftigen Nordseehoch, an dessen S\u00fcdostflanke gealterte Kontinentalluft zu uns gef\u00fchrt wird, k\u00f6nnte eventuell durch die Stratosph\u00e4renerw\u00e4rmung forciert worden sein. Doch da dieses Jahr auch weite Teile Osteuropas schneefrei sind, hat sich die Kontinentalluft bereits erw\u00e4rmt. Des Weiteren sind viele Blockadelagen in der schon fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr so kalt wie im Winter. Bei richtiger Lage des Hochs k\u00f6nnte es durchaus fr\u00fchlingshaft werden. Schaut man sich die Entwicklung im Mittelfristzeitraum an, so setzt sich die aktuelle Blockadelage fort. Es herrscht weiterhin recht ruhiges Hochdruckwetter. Dennoch wird besonders der Osten Deutschland immer mal wieder von m\u00e4\u00dfig kalter Luft gestreift. Ein richtig starker Wintereinbruch steht nach derzeitigem Stand der Modelle nicht auf dem Plan, allerdings ist auch kein richtiges Fr\u00fchlingswetter in Sicht.<\/p>\n<p>Dipl.-Met. Christian Herold<\/p>\n<p>Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.03.2016<\/p>\n<p>Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neues aus der Stratosph\u00e4re In der Stratosph\u00e4re ist in 20 &#8211; 30 km H\u00f6he eine pl\u00f6tzliche Erw\u00e4rmung eingetreten. 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