{"id":4479,"date":"2016-07-27T12:31:41","date_gmt":"2016-07-27T10:31:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=4479"},"modified":"2016-07-27T12:31:41","modified_gmt":"2016-07-27T10:31:41","slug":"ein-hoch-auf-die-azoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/ein-hoch-auf-die-azoren\/","title":{"rendered":"Ein Hoch auf die Azoren"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Ein Hoch auf die Azoren<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nAktuell erscheint es auf den Wetterkarten s\u00e4mtlicher digitaler und Printmedien wieder in voller Pracht &#8211; ein kr\u00e4ftiges Hochdruckgebiet im Bereich der Azoren, kurz: das Azorenhoch. Doch wie entsteht es \u00fcberhaupt und warum gerade dort?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff &#8222;Azorenhoch&#8220; ist inzwischen in der Allgemeinheit fast schon zu einem gefl\u00fcgelten Wort geworden. Egal ob beim Radiowetterbericht, in Fernsehsendungen oder den sozialen Netzwerken, der Name des ber\u00fchmten Hochs macht h\u00e4ufig die Runde und jeder halbwegs Wetterinteressierte wei\u00df damit etwas anzufangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entstanden ist der Begriff aufgrund eines im klimatologischen Mittel stark ausgepr\u00e4gten Luftdruckmaximums im Bereich der Inselgruppe der Azoren \u00fcber dem Nordatlantik. Der Kerndruck variiert dabei in der Regel zwischen 1015 und 1035 Hektopascal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch wodurch genau wird dieses Druckmaximum erzeugt? Und warum gerade dort? Um diese Fragen zu kl\u00e4ren, m\u00fcssen wir uns die gro\u00dfr\u00e4umige Luftzirkulation in \u00c4quatorn\u00e4he anschauen. Dort, im Bereich der st\u00e4rksten Sonneneinstrahlung (Sonnenstand zum meteorologischen Fr\u00fchlings- und Herbstbeginn im Zenit &#8211; also senkrecht zur Erdoberfl\u00e4che), erw\u00e4rmen sich die Luftmassen sehr stark und werden so zum Aufstieg gezwungen, da warme Luft eine geringere Dichte als kalte Luft besitzt und damit leichter ist. Diesen Bereich bezeichnet man als &#8222;Innertropische Konvergenzzone&#8220; (ITCZ). Der Aufstieg endet h\u00e4ufig unter stetiger Temperaturabnahme erst an der Grenze von der Troposph\u00e4re zur Stratosph\u00e4re (Tropopause) in 15 bis 18 Kilometern H\u00f6he, wo die Temperatur der Umgebungsluft wieder ansteigt und somit die Schichtung stabilisiert. Die Luft str\u00f6mt nun an dieser Sperrschicht in der H\u00f6he auseinander und sinkt in den Subtropen wieder ab. Der resultierende Massenzufluss bewirkt einen Druckanstieg am Boden und es entsteht der &#8222;Subtropische Hochdruckg\u00fcrtel&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedingt durch die Verschiebung des Sonnenh\u00f6chststandes zwischen den beiden Wendekreisen variiert auch die Lage des Azorenhochs zwischen 33 Grad Nord in den Wintermonaten (Sonne am s\u00fcdlichen Wendekreis) und 34,5 Grad Nord in den Sommermonaten (Sonne am n\u00f6rdlichen Wendekreis). Nun liegt die Inselgruppe der Azoren bei rund 38 Grad Nord und damit noch etwas n\u00f6rdlicher, durch die h\u00e4ufig jedoch gro\u00dfr\u00e4umige horizontale Ausdehnung des Hochs von mehr als 1000 Kilometern ist die unmittelbare N\u00e4he zum Zentrum und damit die Namensgebung trotzdem mehr als gerechtfertigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn es sich aber um einen G\u00fcrtel handelt, der an eine geographische Breite gekoppelt ist, wieso setzt sich die Hochdruckzone aktuell zum Beispiel nicht \u00fcber dem Mittelmeerraum fort (siehe Bodendruckanalyse von heute 0 UTC im Anhang)? Das liegt an der Verteilung von Landmassen und Seegebieten im stark gegliederten Mittelmeerraum. Dabei spielt erneut die starke Sonneneinstrahlung in den Sommermonaten eine Rolle, bei der sich die Land- st\u00e4rker als die Wasseroberfl\u00e4chen erw\u00e4rmen. Hierdurch steigen wiederum die Luftmassen \u00fcber dem Festland auf, der Druck am Boden f\u00e4llt und es bilden sich sogenannte &#8222;Hitzetiefs&#8220;, klassischerweise \u00fcber dem spanischen Hochland oder auch \u00fcber Anatolien, wodurch die Hochdruckbr\u00fccke zum Azorenhoch unterbrochen wird. In den Wintermonaten schlie\u00dft sie sich bei abnehmender Einstrahlung aber h\u00e4ufig wieder, da der Temperaturkontrast zwischen Land und See in mediterranen Regionen deutlich abnimmt. Dann sind Druckmaxima auch h\u00e4ufig \u00fcber dem Mittelmeerraum zu finden. Die St\u00e4rke dieser thermisch induzierten Hochdruckgebiete wie zum Beispiel das winterliche &#8222;Sibirienhoch&#8220; mit einem Rekordwert von 1083,8 hPa (f\u00fcr Stationen unter 750 Metern gemessen am 31.12.1968 in Agata, Russische F\u00f6deration) werden im subtropischen Hochdruckg\u00fcrtel allerdings bei weitem nicht erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleibt abschlie\u00dfend noch zu hoffen, dass wir in der n\u00e4chsten Zeit das Azorenhoch nicht nur aus der Ferne betrachten m\u00fcssen, sondern dass ein Ableger (Hochkeil) auch Mitteleuropa bald mal wieder beehrt. \u00dcber zarte Vorst\u00f6\u00dfe nach S\u00fcddeutschland kommt es zumindest in naher Zukunft nicht hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Robert Hausen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 27.07.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/image.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"4480\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/ein-hoch-auf-die-azoren\/image-702\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/image.gif\" data-orig-size=\"1024,727\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Ein Hoch auf die Azoren\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/image-300x213.gif\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/image-1024x727.gif\" class=\"alignnone size-full wp-image-4480\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/image.gif\" alt=\"Ein Hoch auf die Azoren\" width=\"1024\" height=\"727\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Hoch auf die Azoren Aktuell erscheint es auf den Wetterkarten s\u00e4mtlicher digitaler und Printmedien wieder in voller Pracht &#8211; ein kr\u00e4ftiges Hochdruckgebiet im Bereich der Azoren, kurz: das Azorenhoch. 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