{"id":4609,"date":"2016-08-08T16:13:01","date_gmt":"2016-08-08T14:13:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=4609"},"modified":"2016-08-08T16:13:01","modified_gmt":"2016-08-08T14:13:01","slug":"wetterlagenklassifikation-ein-anderer-blick-auf-den-bisherigen-sommer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wetterlagenklassifikation-ein-anderer-blick-auf-den-bisherigen-sommer\/","title":{"rendered":"Wetterlagenklassifikation &#8211; ein anderer Blick auf den bisherigen Sommer!"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Wetterlagenklassifikation &#8211; ein anderer Blick auf den bisherigen Sommer!<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nGro\u00dfwetterlagenklassifikation &#8211; wof\u00fcr und wie? Und was k\u00f6nnen uns die Wetterlagen bzw. deren Klassifikation \u00fcber die Witterungsbedingungen in diesem Sommer verraten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder kennt ihn, viele erwarten ihn: den Jahresr\u00fcckblick des Wetters! Im Regelfall behandelt er die drei meteorologischen Parameter Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer. Ob regional aufgeschl\u00fcsselt oder doch deutschlandweit g\u00fcltig werden besondere Ereignisse sowie Mittelwerte und deren Abweichungen detailliert pr\u00e4sentiert. Insgesamt hat diese Art von Klima\u00fcberwachung die Aufgabe die zur\u00fcckliegende Witterungsperiode zu bewerten. Welche atmosph\u00e4rischen Bedingungen f\u00fcr die vorherrschende Witterung ausschlaggebend waren, werden jedoch oftmals in den Berichten nur sehr kurz abgefasst. Doch gerade die Luftdruckverteilung in Meeresh\u00f6he sowie der mittleren Troposph\u00e4re (Gro\u00dfwetterlage) in einem gro\u00dfen Gebiet (z.B. Europa plus Teile des Nordatlantiks) und \u00fcber eine Dauer von mehreren Tagen sind f\u00fcr das Wetter von wesentlicher Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemein bestimmt eine Gro\u00dfwetterlage den wesentlichen Charakter eines Witterungsabschnittes und ist daher nachhaltig f\u00fcr die auftretenden Wetterph\u00e4nomene verantwortlich. Mit der Klassifikation dieser wird versucht, ein gewisses Ma\u00df an Systematik bzw. Nachvollziehbarkeit in der Beschreibung des gro\u00dfr\u00e4umigen atmosph\u00e4rischen Zustands zu schaffen. Schon vor mehr als 100 Jahren begann man hierzu die mittlere Luftdruckverteilung in Meeresh\u00f6he, sp\u00e4ter zus\u00e4tzlich die mittleren atmosph\u00e4rischen Verh\u00e4ltnisse in der Troposph\u00e4re bis etwa 5 Kilometer H\u00f6he, heranzuziehen. Anhand dieser werden wiederkehrende atmosph\u00e4rische Str\u00f6mungsmuster, zum Beispiel \u00fcber Europa, zu Gro\u00dfwetterlagen zusammengefasst. Heute gibt es verschiedene Methoden zur Wetterlagen-Klassifikation. Jede definiert ihre eigenen Merkmale, nach denen die Einteilung erfolgt. Der DWD verwendet derzeit 2 Wetterlagenklassifikationen: die subjektiv bestimmten Gro\u00dfwetterlagen nach Hess und Brezowsky f\u00fcr das gro\u00dfe Gebiet Mitteleuropa und die objektive Wetterlagenklassifikation f\u00fcr ein kleineres Gebiet, das im Wesentlichen Deutschland abdeckt. W\u00e4hrend die subjektive Klassifikation lediglich die Luftdruckverteilung im Bodenniveau sowie die Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse untersucht, werden bei der objektiven Analyse aus den Gitterpunktwerten des Modells t\u00e4glich verschiedene Indizes f\u00fcr Windrichtung, Zyklonalit\u00e4t und Feuchtigkeit berechnet uns nach bestimmten Grenzwerten eingeteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr gro\u00dfr\u00e4umige statistische Untersuchungen sind die H\u00e4ufigkeitsangaben mancher Gro\u00dfwetterlagen nicht repr\u00e4sentativ, da der Umfang der einzelnen Kollektive auch bei der Betrachtung von \u00fcber 100 Jahren zu gering ausf\u00e4llt. Es gibt F\u00e4lle, bei denen die Unterteilung in spezielle, mit R\u00fccksicht auf die Witterungsverh\u00e4ltnisse eng definierte Wetterlagen nicht ben\u00f6tigt wird, ja sogar st\u00f6rend sein kann, so z.B. bei gro\u00dfr\u00e4umigen Zirkulationsuntersuchungen. In diesen F\u00e4llen kann man jeweils mehrere verwandte Gro\u00dfwetterlagen zu Gro\u00dfwettertypen zusammenfassen. Dabei werden schlie\u00dflich nur noch zonale, meridionale sowie gemischte Zirkulationsformen mit antizyklonalen oder zyklonalen Einfluss unterschieden (siehe dazu entsprechende Eintr\u00e4ge im Wetterlexikon auf der Homepage des DWD). Dabei muss ber\u00fccksichtigt werden, dass aus meteorologischer Sicht neben der Str\u00f6mungsrichtung auch die vorwiegende Kr\u00fcmmung der Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse (Zirkulationsmuster) f\u00fcr die Witterungsbedingungen entscheidend ist. W\u00e4hrend antizyklonale Kr\u00fcmmung meist eine Wetterberuhigung bedeutet, steht eine zyklonale Kr\u00fcmmung f\u00fcr Hebung, also aufsteigende Luft und entsprechenden Niederschlag. Doch was sagen uns die bisherigen Auswertungen f\u00fcr den derzeitigen meteorologischen Sommer (Juni, Juli, August)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr auff\u00e4llig bei der Betrachtung der subjektiven Wetterlagenklassifikation f\u00fcr die Monate Juni und Juli ist, dass \u00fcberwiegend zyklonale Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse vorlagen. Im Juni traf dies an 27 Tagen (90%) und im Juli an 21 Tagen (68%) zu. \u00dcber den Monat Juni hinweg dominierte gleichzeitig eine meridionale Zirkulation (19 Tage, 63%). W\u00e4hrend in der ersten Monatsdekade die Winde meist aus n\u00f6rdlichen Richtungen wehten, str\u00f6mte die Luft im weiteren Verlauf des Junis meist aus s\u00fcdlichen Richtungen nach Deutschland. Passend zu \u00fcberwiegend zyklonalen Verh\u00e4ltnissen sowie der einstr\u00f6menden feuchten Meeresluft entweder von der Nordsee oder aus dem Mittelmeerraum fiel der erste Sommermonat aus meteorologischer Sicht mit einer positiven Abweichung zum vielj\u00e4hrigen Mittel von \u00fcber 48% auch deutlich zu nass aus. Die gr\u00f6\u00dften Auswirkungen auf das Wetter im Juni hatte die zyklonal gekr\u00fcmmte Str\u00f6mung im Westen und S\u00fcden. Dort f\u00fchrte Tiefdruckeinfluss wiederholt zu teils kr\u00e4ftigen Niederschl\u00e4gen. Selbst etwas zu trockene Verh\u00e4ltnisse traten lediglich in einem Streifen von Mittelfranken \u00fcber Th\u00fcringen und Teile Sachsen-Anhalts und Brandenburgs hinweg bis zur Ostseek\u00fcste auf, konnten jedoch die Einordnung des Juni 2016 als den 8.-feuchtesten in Deutschland seit 1901 nicht verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Juli fiel zwar im Niederschlagsfl\u00e4chenmittel mit einer zum vielj\u00e4hrigen Mittel negativen Abweichung von etwa 19% etwas zu trocken aus und somit auf den ersten Blick nicht wirklich zu den \u00fcberwiegend zyklonalen Verh\u00e4ltnissen passend, jedoch kann beim zweiten, deutlich genaueren Blick durchaus ein Zusammenhang erkannt werden. Denn die Niederschlagsmengen waren \u00fcber den Sommermonat Juli hinweg regional sehr ungleichm\u00e4\u00dfig verteilt. W\u00e4hrend im Westen teilweise weniger als 50% des durchschnittlichen Monatsniederschlags fielen, wurden im S\u00fcden und Osten teils \u00fcber 150% gemessen. Verantwortlich f\u00fcr diese Niederschlagsverteilung war \u00fcberwiegend eine zonale Luftzirkulation (48%). Dabei gelangte die Luft auf der Ost- bzw. Nordostflanke von hohem Luftdruck \u00fcber West. bzw. S\u00fcdwesteuropa mit einer nordwestlichen bis westlichen Str\u00f6mung nach Deutschland. W\u00e4hrend im S\u00fcden und Osten vor allem Stauniederschl\u00e4ge sowie ein Tief mit einer &#8222;Vb&#8220; \u00e4hnlichen Zugbahn regional schlie\u00dflich f\u00fcr teils enorm hohe Regensummen sorgten, setzte sich im Westen und S\u00fcdwesten h\u00e4ufiger Zwischenhocheinfluss samt Wetterberuhigung durch. Zus\u00e4tzlich zu den zonalen Verh\u00e4ltnissen fielen jedoch auch die 13 Tage im Juli (42%) mit einer meridionalen, also n\u00f6rdlichen oder s\u00fcdlichen Str\u00f6mungskomponente, eher unbest\u00e4ndig aus. In diesem Zeitraum dominierten dabei zahlreiche Schauer und Gewitter das Wettergeschehen. Ostwinde, die trockene Festlandsluft nach Deutschland bringen w\u00fcrden, waren im bisherigen Sommerverlauf sehr selten. Gleicherma\u00dfen konnte sich im bisherigen Verlauf auch kein ausgepr\u00e4gtes und stetiges Sommerhoch \u00fcber Mitteleuropa festsetzen, sodass l\u00e4ngere trockene Phasen quasi nicht vorhanden waren. Stattdessen \u00fcberwog der wechselhafte, f\u00fcr die mittleren Breiten jedoch durchaus normale &#8222;JoJo-Sommer&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in den n\u00e4chsten Tagen bleibt sich der Sommer treu. Nachdem zur Wochenmitte der Herbst Deutschland einen Kurzbesuch abstattet und die weiter zyklonalen Bedingungen f\u00fcr einen unbest\u00e4ndigen und k\u00fchlen Wettercharakter sorgen, schl\u00e4gt ab dem Wochenende der Sommer wieder zur\u00fcck. Ein Ausl\u00e4ufer des Azorenhochs l\u00e4sst die Sonnenanteile und auch die Temperaturen von S\u00fcdwesten her wieder auf ein sommerliches Niveau steigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Lars Kirchh\u00fcbel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.08.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wetterlagenklassifikation &#8211; ein anderer Blick auf den bisherigen Sommer! Gro\u00dfwetterlagenklassifikation &#8211; wof\u00fcr und wie? Und was k\u00f6nnen uns die Wetterlagen bzw. deren Klassifikation \u00fcber die Witterungsbedingungen in diesem Sommer verraten? 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