{"id":4691,"date":"2016-08-24T18:32:41","date_gmt":"2016-08-24T16:32:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=4691"},"modified":"2016-08-24T18:32:41","modified_gmt":"2016-08-24T16:32:41","slug":"monsundepression-ueber-bengalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/monsundepression-ueber-bengalen\/","title":{"rendered":"Monsundepression \u00fcber Bengalen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Monsundepression \u00fcber Bengalen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nIn S\u00fcd- und S\u00fcdostasien herrscht im nordhemisph\u00e4rischen Sommer &#8222;Regenzeit&#8220;. Am vergangenen Sonntag verursachte eine Monsundepression, also ein tropisches Tiefdruckgebiet, in der Region Bengalen verheerende Regenf\u00e4lle. Die ausschlie\u00dfliche Betrachtung als gigantisches Land-Seewind-System wird dem komplexen Mechanismus des indischen Sommermonsuns nicht gerecht, vielmehr muss man zum Verst\u00e4ndnis dessen auch die Prozesse in der mittleren und h\u00f6heren Atmosph\u00e4re in Betracht ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Monsune sind gro\u00dfr\u00e4umige, mit best\u00e4ndigen Winden einher gehende Luftstr\u00f6mungen in den Tropen und niederen Subtropen mit halbj\u00e4hrlichem Richtungswechsel. Ihre Ursache sind die unterschiedliche Erw\u00e4rmung von Meer und Land sowie die damit zusammenh\u00e4ngende, jahreszeitliche Verlagerung der innertropischen Konvergenzzone (ITCZ), einem durch Erw\u00e4rmung der bodennahen Luftschichten und Konvektion verursachten, weltumspannenden Tiefdruckg\u00fcrtel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In S\u00fcd- und S\u00fcdostasien, aber auch in Westafrika, findet man klimapr\u00e4gende regionale Monsune, unter denen der &#8222;indische Monsun&#8220; der gewaltigste ist. Im Gegensatz zu den anderen Monsunsystemen, die man vor allem als gro\u00dfr\u00e4umige Land- und Seewind-Zirkulation auffassen kann, spielen beim indischen Monsun auch dynamische Prozesse in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re eine wichtige Rolle, deren Ursache die besondere Lage des indischen Subkontinents und seine nord\u00f6stliche Begrenzung durch den Himalaya und das sich anschlie\u00dfende Hochland von Tibet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr wandert mit zunehmendem Sonnenstand auf der Nordhemisph\u00e4re die innertropische Konvergenzzone (ITCZ) nach Norden und auch das Festland S\u00fcdasiens erw\u00e4rmt sich stark. \u00dcber dem Tiefland des indischen Subkontinents bildet sich ein ausgedehntes thermisches Tiefdruckgebiet (&#8222;Hitzetief&#8220;). Die umgebenden Meere sind dagegen etwas k\u00fchler, dort herrscht im Bodenniveau h\u00f6herer Luftdruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bodennahen Druckunterschiede treiben eine gro\u00dffl\u00e4chige Luftstr\u00f6mung in Richtung des s\u00fcdasiatischen Hitzetiefs an &#8211; den indischen Sommermonsun, der etwa von Ende Mai\/Anfang Juni bis Ende September\/Anfang Oktober dauert. Infolge der Coriolis-Kraft werden gro\u00dfr\u00e4umige Horizontalbewegungen auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der S\u00fcdhalbkugel nach links abgelenkt. Dementsprechend wird der Sommermonsun nach der Passage des \u00c4quators zum S\u00fcdwestmonsun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem kann der indische S\u00fcdwestmonsun durch das im Fr\u00fchjahr entstehende Hitzetief \u00fcber S\u00fcdasien (&#8222;Monsuntief&#8220;) eine markante Ostwindkomponente entwickeln. Dadurch erkl\u00e4rt sich auch das Fortschreiten des in seiner Intensit\u00e4t raum-zeitlich stark variierenden Monsunregengebietes (&#8222;Monsunfront&#8220;) in nordwestlicher Richtung, vom Golf von Bengalen bis zum Aravalli-Gebirge (Rajasthan, Nordwestindien) oder sogar bis zum Indus (Punjab, Pakistan) im Verlaufe der ersten H\u00e4lfte des nordhemisph\u00e4rischen Sommers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da der (in der Vertikalen etwa 3000 m m\u00e4chtige) indische Sommermonsun \u00fcber weite und relativ warme Meeresfl\u00e4chen weht, kann sich die Luft mit Wasser anreichern. Der Sommermonsun ist also feuchtwarm und bringt dem indischen Subkontinent ergiebige Regenf\u00e4lle (&#8222;Monsunregen&#8220;), die durch Staueffekte an den Gebirgen (z.B. Westghats, Assam-Himalaya) ausgel\u00f6st oder verst\u00e4rkt werden. Jedoch bestehen die Niederschl\u00e4ge des indischen Sommermonsuns keinesfalls nur aus orographisch bedingtem &#8222;Steigungsregen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betrachtet man n\u00e4mlich die Vorg\u00e4nge in h\u00f6heren Atmosph\u00e4renschichten, so \u00fcbt das mit einer durchschnittlichen H\u00f6he von ca. 4500 m \u00fcber dem Meeresspiegel gern als &#8222;Dach der Welt&#8220; bezeichnete Hochland von Tibet einen besonderen Einfluss auf den indischen Monsun aus. Seine H\u00f6henz\u00fcge und Hochebenen fungieren im Sommer, bei hohem Sonnenstand und durch Schneeschmelze verringertem Reflexionsverm\u00f6gen, quasi als &#8222;Heizfl\u00e4che&#8220;, so dass dort in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re das Geopotential steigt und ein &#8222;thermisches Hochdruckgebiet&#8220; entsteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen diesem tibetanischen Hochdruckr\u00fccken und der weiter s\u00fcdlich bzw. s\u00fcdwestlich \u00fcber dem Tiefland des indischen Subkontinents entstandenen, oftmals hoch reichenden &#8222;Monsundepression&#8220; stellt sich in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re eine \u00f6stliche Str\u00f6mung ein. Die Drehung des Windes mit der H\u00f6he von s\u00fcdwestlichen auf \u00f6stliche Richtungen geht mit einer &#8222;Kaltluftadvektion&#8220; in h\u00f6heren Schichten der Troposph\u00e4re und damit einer Labilisierung der vergleichsweise flachen s\u00fcdwestlichen Monsunstr\u00f6mung einher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So entstehen &#8222;kurzwellige&#8220; tropische St\u00f6rungen, die mit vertikal und horizontal m\u00e4chtigen Gewitterkomplexen verbunden sind und gebietsweise zu einer extremem Intensivierung des Monsunregens beitragen. Dabei spielt nat\u00fcrlich der Tagesgang der Konvektion eine Rolle, d.h. vor allem in der zweiten Tagesh\u00e4lfte und bis in die erste Nachth\u00e4lfte hinein ist der Regen oft schauerartig verst\u00e4rkt bzw. gewittrig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am vergangenen Sonntag verursachte ein Monsuntief in der Region Bengalen einmal mehr sintflutartige Regenf\u00e4lle. Spitzenreiter in der bengalischen Monsunstatistik ist die Station Patuakhali (Bangladesch, 22\u00b021&#8217;N, 90\u00b019&#8217;E, 2 m H\u00f6he) mit 270,8 mm innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis Montag, den 22.08.2016, 03:00 Uhr UTC. Auf den Pl\u00e4tzen folgen Khulna (22\u00b049&#8217;N, 89\u00b031&#8217;E, 3 m H\u00f6he) mit 260,4 mm, Jessore (23\u00b013&#8217;N, 89\u00b010&#8217;E, 6 m H\u00f6he) mit 191,9 mm, Barisal (22\u00b046&#8217;N, 90\u00b022&#8217;E, 3 m H\u00f6he) mit 176,4 mm und nicht zuletzt Bankura (Westbengalen, 23\u00b024&#8217;N, 87\u00b004&#8217;E, 100 m H\u00f6he) mit 173,0 mm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unten stehende Karte zeigt u.a. die Gebiete des indischen Bundesstaates Westbengalen und der Volksrepublik Bangladesch. Eingetragen sind die im selben Zeitraum registrierten Niederschlagsmengen in ganzen Litern pro Quadratmeter (Ma\u00dfeinheiten: [L\/m\u00b2] = [mm]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem finden Sie in der Karte die vom mont\u00e4glichen 00:00-UTC-Lauf des Vorhersagemodells ICON des Deutschen Wetterdienstes berechneten Prognosen der geopotentiellen H\u00f6he der 500-hPa-Hauptdruckfl\u00e4che, welche die mittlere Troposph\u00e4re repr\u00e4sentiert. Gemessen wird diese Gr\u00f6\u00dfe in geopotentiellen Dekametern, einer Ma\u00dfeinheit f\u00fcr die spezifische potentielle Energie der Luftmasse (Einheitenzeichen [gpdam]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin sind die vom selben Modelllauf an den Gitterpunkten kalkulierten Windvektoren, mit dem Betrag der Windgeschwindigkeit in Knoten (Einheitenzeichen [kn], lange Fieder = 10 kn, kurze Fieder = 5 kn, 1 kn = 1,852 km\/h) sowie der Windrichtung, auf der bodennahen 975-hPa- Hauptdruckfl\u00e4che dargestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zentrum des vom Boden (siehe zyklonal orientierte Windpfeile) bis hoch in die mittlere Troposph\u00e4re (siehe geschlossene Isohypse bei 584 gpdam) reichenden Monsuntiefs liegt \u00fcber Westbengalen. An seiner Ostflanke wird feuchte Luft aus dem Golf von Bengalen in die Zirkulation einbezogen, was vor allem im S\u00fcden von Bangladesch verbreitet zu den extremen Niederschlagsmengen f\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Thomas Ruppert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 24.08.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"4692\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/monsundepression-ueber-bengalen\/image-753\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29.png\" data-orig-size=\"1097,907\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Monsundepression \u00fcber Bengalen\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29-300x248.png\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29-1024x847.png\" class=\"alignnone size-full wp-image-4692\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29.png\" alt=\"Monsundepression \u00fcber Bengalen\" width=\"1097\" height=\"907\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29.png 1097w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29-300x248.png 300w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29-768x635.png 768w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/image-29-1024x847.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1097px) 100vw, 1097px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monsundepression \u00fcber Bengalen In S\u00fcd- und S\u00fcdostasien herrscht im nordhemisph\u00e4rischen Sommer &#8222;Regenzeit&#8220;. 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