{"id":4722,"date":"2016-08-29T13:13:25","date_gmt":"2016-08-29T11:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=4722"},"modified":"2016-08-29T13:13:25","modified_gmt":"2016-08-29T11:13:25","slug":"die-macht-des-wetters-teil-2-die-invasion-am-d-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/die-macht-des-wetters-teil-2-die-invasion-am-d-day\/","title":{"rendered":"Die Macht des Wetters Teil 2 &#8211; &#8222;Die Invasion am D-Day&#8220;"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Macht des Wetters Teil 2 &#8211; &#8222;Die Invasion am D-Day&#8220;<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nEs bestimmt t\u00e4glich unser Leben und ist eines der beliebtesten Themen beim Smalltalk &#8211; das Wetter. Fahren wir mit dem Fahrrad zur Arbeit oder nehmen wir doch lieber den Bus? Bereits bei kleinen Entscheidungen zeigt sich sein Einfluss. Doch wie gro\u00df ist die Macht des Wetters wirklich? K\u00f6nnen Regen, Sturm, Blitz und Donner sogar den Lauf unserer Geschichte \u00e4ndern?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs hofften die Alliierten unter F\u00fchrung des Oberbefehlshabers General Dwight D. Eisenhower Europa von den Nazis zu befreien und planten eine Invasion von S\u00fcdengland aus. Es sollte die weltweit gr\u00f6\u00dfte Milit\u00e4raktion werden und lief unter dem Decknamen &#8222;Overlord&#8220;. Der erste Tag der Invasion, auch als &#8222;D-Day&#8220; bekannt, hatte zum Ziel, deutsche Stellungen an der franz\u00f6sischen Normandiek\u00fcste einzunehmen. Allerdings mussten die Streitkr\u00e4fte, die sich im Mai 1944 in S\u00fcdengland sammelten, den unberechenbaren \u00c4rmelkanal \u00fcberqueren. Stark wechselhaftes Wetter, wie es dort h\u00e4ufiger auftritt, h\u00e4tte zu einem Desaster f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Erfolg der Landung in der Normandie hing also ma\u00dfgeblich vom Wetter ab. Das Milit\u00e4r verlangte deshalb eine 5-Tage Prognose f\u00fcr den D-Day, was auch heute noch in Regionen mit sehr variablem Wetter nur begrenzt m\u00f6glich ist. Im Jahr 1944 war die Wettervorhersage f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag bereits Spekulation. Zwar wurde damals schon sehr wissenschaftlich gearbeitet, allerdings fehlte es an fl\u00e4chendeckenden Messungen sowie moderner Technik wie Wetterradar und Fernerkundungsdaten von Satelliten. Per Fernschreiber wurden Wettermeldungen von Messstationen und Schiffen m\u00fchsam \u00fcbermittelt und h\u00e4ndisch auf Wetterkarten eingetragen. Hauptverantwortlich f\u00fcr die Wettervorhersage war der Chefmeteorologe von Eisenhower, James Martin Stagg, der zusammen mit drei in Gro\u00dfbritannien ans\u00e4ssigen Wetterdiensten diese nahezu unm\u00f6gliche Aufgabe meistern sollte. Kein Wunder also, dass die Vorhersage f\u00fcr den \u00c4rmelkanal am D-Day als die wohl wichtigste Wetterprognose in die Weltgeschichte einging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4ufige Konflikte ergaben sich zwischen Stagg und dem f\u00fchrenden Meteorologen der US-amerikanischen Heeresflieger Irving P. Krick, dem Gr\u00fcnder und damaligen Dekan einer der landesweit ersten meteorologischen Fakult\u00e4ten am Institut f\u00fcr Technologie in Kalifornien. Krick bediente sich des sogenannten &#8222;Analogverfahrens&#8220;, welches er selbst ausgearbeitet hatte. Dieses beruhte auf der statistischen Auswertung historischer Wetterdaten an der Erdoberfl\u00e4che. Dabei fand man heraus, dass sich gewisse Wettermuster zuf\u00e4llig wiederholten. Demnach wurde angenommen, dass das Wetter der n\u00e4chsten f\u00fcnf Tage dem am n\u00e4chsten kommenden historischen Vorbild folgen w\u00fcrde. Auf der Basis dieses Verfahrens lieferten die amerikanischen Heeresflieger pr\u00e4zise formulierte Vorhersagen f\u00fcr die n\u00e4chsten 5 Tage, was zum Unverst\u00e4ndnis der britischen Wetterdienste beitrug. Stagg, der das \u00e4u\u00dferst wechselhafte britische Wetter gut kannte, stand der Langzeitprognose ebenfalls kritisch gegen\u00fcber. Zudem \u00fcbernahm Stagg im meteorlogischen Team die Funktion eines Obersts, dem sich Krick unterzuordnen hatte, was f\u00fcr weitere Spannungen zwischen den beiden Meteorologen sorgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund der Gezeiten entschied man sich im Mai 1944, den D-Day auf den Morgen des 5. Juni zu legen. Ebbe war eine der Grundvoraussetzungen des Milit\u00e4rs f\u00fcr eine erfolgreiche Landung, da so vom Feind installierte Unterwasserhindernisse am exponiertesten lagen. Zus\u00e4tzlich hatte jede Waffengattung in den Reihen der Alliierten ihre eigene Vorstellung vom &#8222;optimalen&#8220; D-Day-Wetter: Das Heer w\u00fcnschte sich f\u00fcr die schweren Fahrzeuge einen tragf\u00e4higen, trockenen Untergrund, was Regen in den Tagen vor der Invasion zum Problem machte. Morgennebel w\u00fcrde die Sicht der Fallschirmj\u00e4ger behindern, die Sichtweite sollte mindestens 5 Kilometer betragen. F\u00fcr die Marine durfte der m\u00e4\u00dfige auflandige Wind 20 km\/h nicht \u00fcberschreiten, Windstille barg dagegen die Gefahr von Nebelbildung und Gasangriffen, zudem durfte es wegen der Anfahrt der Landungsschiffe wenige Tage vor dem Einmarsch keinen Sturm geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Tagen vor der Gro\u00dfoffensive wichen die Vorhersagen der drei Wetterdienste f\u00fcr den D-Day stark voneinander ab. Aufgrund einer Reihe von Tiefdruckgebieten \u00fcber dem Atlantik, die Kurs auf die britischen Inseln nahmen, ging einer der britischen Wetterdienste von st\u00fcrmischem und regnerischem Wetter aus, ein anderer warnte vor Gewittern. Krick hingegen prognostizierte mit seinem Analogverfahren, dass sich das Azorenhoch nach Norden ausweiten und so die St\u00fcrme nach Norden ablenken w\u00fcrde. Entsprechend sagte sein Team ruhiges Wetter f\u00fcr die gesamte erste Juniwoche vorher. Da sich die Aussichten immer weiter verschlechterten, je n\u00e4her der D-Day r\u00fcckte, gab Stagg Eisenhower letztlich die Empfehlung, den Tag der Landung zu verschieben. Da das \u00dcberraschungsmoment beim Angriff auf die Normandie von grundlegender Bedeutung war und die massiven Truppenbewegungen durch eine l\u00e4ngere Verschiebung Gefahr liefen, von deutschen Aufkl\u00e4rungsflugzeugen entdeckt zu werden, wurde der D-Day um nur einen Tag verschoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 5. Juni bewahrheitete sich Staggs Vorhersage. Eine Kaltfront griff auf den \u00c4rmelkanal \u00fcber und sorgte neben starkem auflandigem Wind f\u00fcr hohe Wellen und Regen mit schlechten Sichtbedingungen, was die Landung mit gro\u00dfer Sicherheit h\u00e4tte scheitern lassen. Hinter dieser Kaltfront bahnte sich ein vor\u00fcbergehender Zwischenhocheinfluss und somit eine kurzzeitige Wetterberuhigung an, die auch die Meteorologen registrierten, sodass am 6. Juni ein kurzes Zeitfenster f\u00fcr eine Invasion offen stand. Deutsche Meteorologen, denen, wie sich im Nachhinein herausstellte, deutlich weniger Wetterinformationen zur Verf\u00fcgung standen, prognostizierten hingegen f\u00fcr den 6. Juni Sturmb\u00f6en. Somit rechnete niemand im besetzten Frankreich mit dem Einmarsch der Alliierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Start der Invasion um Mitternacht am D-Day verlief alles andere als nach Plan. Schlechte Sichtweiten und ein aufgew\u00fchltes Meer sorgten f\u00fcr ung\u00fcnstige Landebedingungen. Sowohl die Fallschirmspringer als auch die Flugzeugbomber verfehlten ihre Ziele aufgrund geringer Sichtweiten um mehrere Kilometer, viele Soldaten mussten bereits bei der Landung in den K\u00fcstenregionen ihr Leben lassen. Zur Mittagszeit klarte der Himmel dann endlich auf und das Wetter beruhigte sich, sodass der D-Day trotz tragischer Verluste ein erster Erfolg f\u00fcr die Alliierten im Kampf gegen die Nazis werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stagg sollte mit seiner Wetterprognose Recht behalten. Am Ende wissen sowohl er als auch Eisenhower, dass es richtig war, den Befehl zur Invasion zu geben. Wer wei\u00df, welchen Lauf unsere Geschichte genommen h\u00e4tte, wenn der Chefmeteorologe mit seiner Vorhersage danebengelegen h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">MSc.-Met. Sebastian Schappert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 29.08.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Macht des Wetters Teil 2 &#8211; &#8222;Die Invasion am D-Day&#8220; Es bestimmt t\u00e4glich unser Leben und ist eines der beliebtesten Themen beim Smalltalk &#8211; das Wetter. 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