{"id":5013,"date":"2016-10-13T11:20:43","date_gmt":"2016-10-13T09:20:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=5013"},"modified":"2016-10-13T11:20:43","modified_gmt":"2016-10-13T09:20:43","slug":"monsundepression-in-bengalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/monsundepression-in-bengalen\/","title":{"rendered":"Monsundepression in Bengalen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Monsundepression in Bengalen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nWetter und Klima in S\u00fcdasien und besonders auf dem Indischen Subkontinent werden durch die Monsunzirkulation bestimmt. In den letzten Tagen brachte der in Bengalen zu Ende gehende Sommermonsun dort noch einmal sintflutartige Regenmengen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Monsune sind gro\u00dfr\u00e4umige, mit best\u00e4ndigen Winden einher gehende Luftstr\u00f6mungen in den Tropen und niederen Subtropen mit halbj\u00e4hrlichem Richtungswechsel. Ihre Ursache sind die unterschiedliche Erw\u00e4rmung von Meer und Land sowie die damit zusammenh\u00e4ngende, jahreszeitliche Verlagerung der innertropischen Konvergenzzone (ITCZ), einem durch Erw\u00e4rmung der bodennahen Luftschichten und Konvektion verursachten, weltumspannenden Tiefdruckg\u00fcrtel. In S\u00fcd- und S\u00fcdostasien, aber auch in Westafrika, findet man klimapr\u00e4gende regionale Monsune, unter denen der &#8222;indische Monsun&#8220; der gewaltigste ist. Im Gegensatz zu den anderen Monsunsystemen, die man vor allem als gro\u00dfr\u00e4umige Land- und Seewind-Zirkulation auffassen kann, spielen beim indischen Monsun auch dynamische Prozesse in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re eine wichtige Rolle, deren Ursache die besondere Lage des indischen Subkontinents und seine nord\u00f6stliche Begrenzung durch den Himalaya und das sich anschlie\u00dfende Hochland von Tibet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Oktober ist der letzte Monat des indischen Sommermonsuns in Bengalen. Wie zu dieser Jahreszeit durchaus noch \u00fcblich, verursachte ein Monsuntief in der Region seit Tagen sintflutartige Regenf\u00e4lle, die z. T noch andauern. Dabei fielen verbreitet Regenmengen von mehreren zehn Litern, h\u00e4ufig sogar mehr als einhundert Liter pro Quadratmeter innerhalb eines Tages. Spitzenreiter in der Niederschlagsstatistik am vergangenen Montag, den 10.10.2016, 12:00 UTC, war die Station Rangamati (Bangladesch; 22\u00b038&#8217;N; 92\u00b012&#8217;E; 63 m H\u00f6he) mit unvorstellbaren 446 L\/m\u00b2 innerhalb von 24 Stunden. Ebenfalls in 24 Stunden bis Mittwoch, den 12.10.2016, 00:00 UTC, fielen in Hatiya (Bangladesch, 22\u00b022&#8217;N; 91\u00b07,5\u2032E; 2 m H\u00f6he) noch einmal 403 L\/m\u00b2. Obwohl man in Bengalen auch gegen Ende des Sommermonsuns noch an hohe Regenmengen gew\u00f6hnt ist, stellen die eben zitierten Werte fast das Dreifache der im langj\u00e4hrigen Mittel im Oktober zu erwartenden Niederschlagsmenge dar, die beispielsweise in Rangamati 152 L\/m\u00b2 betr\u00e4gt (mittlerer Jahresniederschlag dort 2549 L\/m\u00b2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unten stehende Karte zeigt den n\u00f6rdlichen Teil des Golfes von Bengalen und seine Anrainer. Eingetragen sind die im letztgenannten Zeitraum haupts\u00e4chlich in Bangladesch registrierten Niederschlagsmengen in ganzen Litern pro Quadratmeter (Ma\u00dfeinheiten: [L\/m\u00b2] = [mm]). Au\u00dferdem finden Sie in der Karte die vom gestrigen 00:00-UTC-Lauf des Vorhersagemodells ICON des Deutschen Wetterdienstes berechnete Analyse der geopotentiellen H\u00f6he der 500-hPa-Hauptdruckfl\u00e4che, welche die mittlere Atmosph\u00e4re repr\u00e4sentiert (rote Linie mit der Ma\u00dfzahl 584). Gemessen wird diese Gr\u00f6\u00dfe in &#8222;geopotentiellen Dekametern&#8220;, einer Ma\u00dfeinheit f\u00fcr die spezifische potentielle Energie der Luftmasse (Einheitenzeichen [gpdam]). Weiterhin sind die von Wetterstationen am Boden beobachteten und auf Meeresniveau reduzierten Luftdruckwerte in [hPa] als schwarze Linien eingetragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Bodenniveau findet man \u00fcber dem Staatsgebiet von Bangladesch ein &#8211; im Vergleich zu den tropischen Wirbelst\u00fcrmen sowie unseren au\u00dfertropischen Zyklonen &#8211; &#8222;flaches&#8220; Tiefdruckgebiet mit drei Kernen von jeweils 1003 hPa. Es entstand an der &#8222;Vorderseite&#8220; eines ausgedehnten, aber ebenfalls eher flachen &#8222;H\u00f6hentroges&#8220;, der sich durch das allm\u00e4hliche, s\u00fcdw\u00e4rts gerichtete Vordringen etwas k\u00fchlerer Luft aus dem Inneren Asiens formte und dessen Achse man etwa \u00fcber dem zu Indien geh\u00f6renden Westbengalen verorten kann. Unter einem H\u00f6hentrog versteht man eine \u00e4quatorw\u00e4rts weisende Ausformung der Isohypsen des Geopotentialfeldes in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re &#8211; man beachte auf der Karte die rote Linie mit 584 gpdam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne an dieser Stelle ins Detail gehen zu wollen, sei daran erinnert, dass die Entstehung und Verlagerung der Hoch- und Tiefdruckgebilde am Boden bisweilen auch in den \u00e4u\u00dferen Tropen bzw. inneren Subtropen durch die &#8222;H\u00f6henstr\u00f6mung&#8220; in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re gesteuert wird. An der Ostflanke des Bodentiefs wird feuchte Luft aus dem Golf von Bengalen (Wassertemperaturen dort knapp 30 \u00b0C) in die Zirkulation einbezogen und empor gehoben, was generell h\u00e4ufiger vorkommt und immer wieder zu extremen Niederschlagsmengen in der Region f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Thomas Ruppert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.10.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monsundepression in Bengalen Wetter und Klima in S\u00fcdasien und besonders auf dem Indischen Subkontinent werden durch die Monsunzirkulation bestimmt. In den letzten Tagen brachte der in Bengalen zu Ende gehende Sommermonsun dort noch einmal sintflutartige Regenmengen. 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