{"id":6111,"date":"2017-01-13T13:02:06","date_gmt":"2017-01-13T11:02:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=6111"},"modified":"2017-01-13T13:02:48","modified_gmt":"2017-01-13T11:02:48","slug":"es-muss-nicht-immer-ein-zyklon-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/es-muss-nicht-immer-ein-zyklon-sein\/","title":{"rendered":"Es muss nicht immer ein Zyklon sein&#8230;"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Es muss nicht immer ein Zyklon sein&#8230;<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nVor etwa einer Woche wurde der S\u00fcden Thailands von verheerenden Regenf\u00e4llen und katastrophalen \u00dcberschwemmungen heimgesucht. Ursache war nicht etwa ein tropischer Wirbelsturm (dort als Zyklon bezeichnet), sondern ein &#8222;gew\u00f6hnliches&#8220; tropisches Tiefdruckgebiet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend unser Wetter vom Ringen unterschiedlich temperierter Luftmassen an der &#8222;Frontalzone&#8220; um die Vorherrschaft in Europa lebt (&#8222;feucht-warme&#8220; Subtropikluft versus &#8222;trocken-kalte&#8220; Subpolarluft), das sich insbesondere im Winterhalbjahr in starken Tiefdruckgebieten mit markanten Wetterfronten &#8211; wie aktuell Sturmtief EGON &#8211; auspr\u00e4gt, zeigen sich in den Tropen generell geringe Temperatur- und damit Luftdruckgegens\u00e4tze, wenn man von den regional allerdings h\u00e4ufigen, tropischen Wirbelst\u00fcrmen einmal absieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher macht die Einteilung in thermisch bedingte Jahreszeiten, so wie wir sie kennen, keinen Sinn. Dagegen k\u00f6nnen die Niederschl\u00e4ge sehr wohl saisonal unterschiedlich sein, d.h. es gibt in den Tropen und Subtropen mehr oder weniger deutlich ausgepr\u00e4gte &#8222;Regen- und Trockenzeiten&#8220; im Sommer- bzw. im Winterhalbjahr. Sind die \u00e4quatornahen &#8222;inneren Tropen&#8220; in den meisten Gegenden der Welt quasi &#8222;immer-feucht&#8220;, so verk\u00fcrzen sich auf der Nordhemisph\u00e4re die Regenperioden nach Norden hin und die Trockenzeiten werden l\u00e4nger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ursache f\u00fcr das tropische Niederschlagsregime mit Regen- und Trockenzeiten ist die Nord-S\u00fcd-Verlagerung der Innertropischen Konvergenzzone (Innertropical Convergence Zone &#8211; ITCZ) im Jahresverlauf. Die ITCZ bildet einen zonalen, wenige hundert Kilometer breiten, mit Verz\u00f6gerung von etwa einem Monat den Sonnenh\u00f6chstst\u00e4nden folgenden, weltumspannenden Tiefdruckg\u00fcrtel. In seinem Einflussbereich treten, mit Schwerpunkt in der zweiten Tagesh\u00e4lfte, teils gewittrige Starkregenf\u00e4lle auf. Die mit der ITCZ-Verlagerung verbundene gro\u00dfr\u00e4umige Zirkulation nennt man &#8222;Monsun&#8220;. Im Norden Thailands herrscht wintertrockenes, im S\u00fcden meist wechsel-feuchtes Monsunklima.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schaut man sich die auf langj\u00e4hrigen Messungen basierenden Klimadaten an, sollte auch im S\u00fcden Thailands derzeit die &#8222;niederschlagsarme&#8220; Saison im Gange sein. Ganz trocken ist es dort ja nie, was aber etwa seit Mitte vergangener Woche in der Region vom Himmel fiel, ist unvorstellbar. Verbreitet gab es \u00dcberschwemmungen, von denen nach Angaben der einheimischen Katastrophensch\u00fctzer ca. 300 000 Haushalte mit 1 Million Menschen betroffen sind. Bisher sind 25 Todesopfer zu beklagen. Man spricht von den schlimmsten Regenf\u00e4llen seit 30 Jahren. Beispielsweise fielen innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis zum vergangenen Freitag, 06.01.2017, 00:00 Uhr UTC (07:00 Uhr MOZ) an der agrarmeteorologischen Station Nakhon Si Thammarat (08\u00b027&#8217;N, 100\u00b003&#8217;E, 2 m H\u00f6he) unvorstellbare 616 mm Regen, an einer benachbarten Station in derselben Stadt 400 mm und in Phattalung (07\u00b037&#8217;N, 100\u00b010&#8217;E, 2 m H\u00f6he) 228 mm. 616 mm sind etwa das Vierfache der im gesamten Januar \u00fcblichen Niederschlagsmenge! Auch an den Folgetagen gab es nochmals mehrere zehn Liter Regen pro Quadratmeter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derartige Niederschlagsmengen werden gew\u00f6hnlich nur von tropischen Wirbelst\u00fcrmen hervorgebracht, die in dieser Gegend &#8222;Zyklone&#8220; hei\u00dfen und gerne auf gealterte tropische Tiefdruckgebiete, die sich aus der ITCZ heraus gel\u00f6st haben, als Entstehungsursache zur\u00fcckgreifen. Aber zur Entwicklung eines Zyklons reichte es in diesem Falle nicht. Das Tiefdrucksystem wurde vom Joint Typhoon Warning Center der US Navy zun\u00e4chst als &#8222;Tropische St\u00f6rung 90B&#8220; und damit als schw\u00e4chste Form tropischer Tiefdrucksysteme klassifiziert. Obwohl es auf 7\u00b0 n\u00f6rdlicher Breite dank ausreichend warmem Oberfl\u00e4chenwasser (bis zu 30 \u00b0C), leichter bis moderater Windscherung und guten Zirkulationsbedingungen durchaus Entwicklungsperspektiven hatte, wuchs es nicht zu einem Zyklon heran, sondern l\u00f6ste sich stattdessen am n\u00e4chsten Tage auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unten angef\u00fcgte Karte zeigt den s\u00fcdlichen Teil Hinterindiens und Teile des Malaiischen Archipels. Eingetragen sind die bis zum 06.01.2016, 00:00 Uhr UTC registrierten vierundzwanzigst\u00fcndigen Niederschlagsmengen in ganzen Litern pro Quadratmeter (Ma\u00dfeinheiten: [L\/m\u00b2] = [mm]). Au\u00dferdem finden Sie in der Karte die vom freit\u00e4glichen 00:00-UTC-Lauf des amerikanischen Vorhersagemodells GFS analysierte geopotentiellen H\u00f6he der 500-hPa-Hauptdruckfl\u00e4che, welche die mittlere Troposph\u00e4re repr\u00e4sentiert. Gemessen wird diese Gr\u00f6\u00dfe in geopotentiellen Dekametern, einer Ma\u00dfeinheit f\u00fcr die spezifische potentielle Energie der Luftmasse (Einheitenzeichen [gpdam]). Weiterhin sind die vom selben Modelllauf an den Gitterpunkten kalkulierten Windvektoren, mit dem Betrag der Windgeschwindigkeit in Knoten (engl. Einheitenzeichen [kt], lange Fieder = 10 kt, kurze Fieder = 5 kt, 1 kt = 1,852 km\/h) sowie der Windrichtung, auf der bodennahen 1000-hPa-Hauptdruckfl\u00e4che dargestellt. Das Zentrum des vom Boden (siehe zyklonal orientierte Windpfeile) bis hoch in die mittlere Troposph\u00e4re (siehe geschlossene Isohypse bei 584 gpdam) reichenden tropischen Tiefdruckgebietes liegt nordwestlich von Banda Aceh an der Nordwestspitze Sumatras.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Thomas Ruppert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.01.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"6113\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/es-muss-nicht-immer-ein-zyklon-sein\/img_2194\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194.png\" data-orig-size=\"1097,947\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Es muss nicht immer ein Zyklon sein&amp;#8230;\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194-300x259.png\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194-1024x884.png\" class=\"alignnone size-large wp-image-6113\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194-1024x884.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"884\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194-1024x884.png 1024w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194-300x259.png 300w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194-768x663.png 768w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2194.png 1097w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss nicht immer ein Zyklon sein&#8230; Vor etwa einer Woche wurde der S\u00fcden Thailands von verheerenden Regenf\u00e4llen und katastrophalen \u00dcberschwemmungen heimgesucht. 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