{"id":6261,"date":"2017-01-27T15:29:22","date_gmt":"2017-01-27T13:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=6261"},"modified":"2017-01-27T15:29:22","modified_gmt":"2017-01-27T13:29:22","slug":"das-berliner-phaenomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/das-berliner-phaenomen\/","title":{"rendered":"Das Berliner Ph\u00e4nomen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Das Berliner Ph\u00e4nomen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nIn den 50er Jahren entdeckte der Meteorologe Richard Scherhag, dass sich die winterliche Stratosph\u00e4re in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, im Mittel alle 2 Jahre, in kurzer Zeit pl\u00f6tzlich sehr stark erw\u00e4rmt. Welche Auswirkungen dieses Ph\u00e4nomen auf unser Winterwetter hat und warum uns am Wochenende eventuell ein besonders farbenpr\u00e4chtiger Sonnenuntergang bevorsteht, soll heute das Thema sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im heutigen Thema des Tages soll es um Ph\u00e4nomene in der Stratosph\u00e4re gehen. Die Stratosph\u00e4re ist die zweitunterste Schicht der Erdatmosph\u00e4re (zwischen etwa 13 &#8211; 50 km). In dieser H\u00f6he nimmt die Temperatur, anders als in der darunter liegenden Troposph\u00e4re, durch die Absorption von UV-Strahlung an Ozon mit der H\u00f6he sogar zu. Durch diese inverse Temperaturschichtung ist die Stratosph\u00e4re gr\u00f6\u00dftenteils entkoppelt von der Troposph\u00e4re und hat ihre eigenen Ph\u00e4nomene. Eines davon ist das sogenannte &#8222;Berliner Ph\u00e4nomen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dieses Ph\u00e4nomen zu verstehen, betrachten wir zun\u00e4chst einmal die winterliche Stratosph\u00e4re auf der Nordhalbkugel. \u00dcber dem Pol, wo im Winter kein Sonnenlicht einstrahlt, kann sich die Stratosph\u00e4re nicht mehr durch die UV-Absorption am Ozon erw\u00e4rmen. Somit k\u00fchlt die Stratosph\u00e4re dort bis auf Temperaturen unter -80 \u00b0C aus. In Folge dieser Kaltluftansammlung bildet sich ein kr\u00e4ftiges H\u00f6hentief, das auf der Nordhalbkugel st\u00e4rkere westliche Winde erzeugt. Dieses H\u00f6hentief ist der sogenannte Polarwirbel, der sich bis in die Troposph\u00e4re reicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 50er Jahren entdeckte Richard Scherhag bei der Auswertung von Wetterballondaten, dass sich die winterliche Stratosph\u00e4re in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, im Mittel alle 2 Jahre in kurzer Zeit pl\u00f6tzlich sehr stark erw\u00e4rmt. Da der Stratosph\u00e4renwissenschaftler Scherhag an der Freien Universit\u00e4t Berlin forschte, wird diese Erw\u00e4rmung auch als &#8222;Berliner Ph\u00e4nomen&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch was hat es damit auf sich? Die Entstehung dieser pl\u00f6tzlichen Erw\u00e4rmung ist recht komplex. Die Ursache daf\u00fcr l\u00e4sst sich in der Troposph\u00e4re finden. Etwas vereinfacht dargestellt, breiten sich bei bestimmten Wetterlagen auf der Nordhalbkugel Wellen vertikal bis in die Stratosph\u00e4re aus. Dort beginnen sie sich in etwa 30 km H\u00f6he aufzul\u00f6sen und setzen dabei ihre Wellenenergie frei. Diese wird in W\u00e4rmeenergie umgewandelt, sodass es zu einer raschen Erw\u00e4rmung kommt. Diese Erw\u00e4rmung beginnt zun\u00e4chst in etwa 30 km H\u00f6he. Ist diese kr\u00e4ftig genug, &#8222;wandert&#8220; sie bis in eine H\u00f6he von 15 km hinunter. Bei sehr kr\u00e4ftigen Erw\u00e4rmungen wird der bereits beschriebene Polarwirbel zerst\u00f6rt und zerf\u00e4llt in mehrere Teilwirbel oder wird weit nach S\u00fcden abgedr\u00e4ngt. Die winterlichen Westwinde schw\u00e4chen sich infolgedessen ab und kehren sich sogar zu Ostwinden um. Man spricht dann auch von einem &#8222;Major Warming&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies hat dann sogar Auswirkungen auf unser Wetter. In der Troposph\u00e4re schw\u00e4cht sich n\u00e4mlich der Jetstream (Starkwindband in der oberen Troposph\u00e4re und unteren Stratosph\u00e4re) ab. Dadurch sto\u00dfen Hochdruckgebiete weit nach Norden vor und f\u00fchren an ihrer Westflanke warme Luft in Richtung Pol. Die normalerweise vorherrschende West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete wird in Folge dessen unterbrochen, sodass sie mit Kaltluft aus polaren Breiten weit nach S\u00fcden ausscheren k\u00f6nnen. Diese Blockade-Wetterlagen sorgen im Winter h\u00e4ufig f\u00fcr l\u00e4ngere k\u00e4ltere Phasen in Mitteleuropa. Einfacher ausgedr\u00fcckt: Der Druckunterschied zwischen Islandtief und Azorenhoch wird im Mittel verringert, sodass sich der Zustrom milder Atlantikluft nach Mitteleuropa h\u00e4ufig abschw\u00e4cht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Major Warmings erh\u00f6hen also die Chance auf kalte Witterungsphasen in den mitteleurop\u00e4ischen Wintern. Das letzte Major Warming trat im Februar 2013 auf und war wahrscheinlich hauptverantwortlich f\u00fcr den 3 Grad zu kalten M\u00e4rz. Damals gab es sogar im Tiefland \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit noch eine geschlossene Schneedecke. Die diesj\u00e4hrige K\u00e4lteperiode in Mitteleuropa hat andere Ursachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit wird von den Modellen wieder eine pl\u00f6tzliche Stratosph\u00e4renerw\u00e4rmung simuliert. Ob diese wirklich Auswirkungen auf unser Wetter hat, ist noch ziemlich unsicher. Nach derzeitigem Stand wird sich die Windumkehr nicht bis in tiefere Lagen durchsetzen. So stehen die Wettermodelle f\u00fcr die n\u00e4chste Woche weiterhin auf fr\u00fchlingshaft mild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem, ein Effekt wird sich wahrscheinlich beobachten lassen: Am Wochenende kann man vorwiegend in Norddeutschland mit besonders farbintensiven purpurnen Sonnenunterg\u00e4ngen rechnen. Durch die Erw\u00e4rmung am Pol wird der stratosph\u00e4rische Polarwirbel nach Nordeuropa verdr\u00e4ngt (siehe Abbildung), wobei \u00fcber Norddeutschland die Temperatur in 23 km H\u00f6he auf unter -80 \u00b0C sinkt. Dann k\u00f6nnen sich sogenannte &#8222;Polarstratosph\u00e4rische Wolken&#8220;(Perlmuttwolken) bilden. Sie entstehen in einer Aerosolschicht in 22 bis 29 km H\u00f6he (die sogenannte &#8222;Jungschicht&#8220;), die winzige Schwefels\u00e4uretr\u00f6pfchen enth\u00e4lt. Die Hauptquelle f\u00fcr diese Schwefels\u00e4uretr\u00f6pfchen sind Vulkanausbr\u00fcche. Bei Temperaturen unter -78 \u00b0C gefrieren diese und es lagern sich Wasser- und Salpeters\u00e4uremolek\u00fcle an. Es entstehen Kristalle, die aus einer Mischung aus Schwefels\u00e4ure- und Salpeters\u00e4uretetrahydrat bestehen. An diesen Kristallen wird das einfallende Sonnenlicht gebrochen und es entstehen perlmuttartig erscheinende Wolken. Durch Mehrfachstreuung des Sonnenlichts an diesen Wolken k\u00f6nnte es zu sehr intensiven roten bis purpurnen Sonnenunterg\u00e4ngen (Purpurlicht) kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Christian Herold<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 27.01.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"6262\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/das-berliner-phaenomen\/img_2669\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669.png\" data-orig-size=\"1886,909\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Das Berliner Ph\u00e4nomen\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669-300x145.png\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669-1024x494.png\" class=\"alignnone size-large wp-image-6262\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669-1024x494.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669-1024x494.png 1024w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669-300x145.png 300w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669-768x370.png 768w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/IMG_2669.png 1886w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Berliner Ph\u00e4nomen In den 50er Jahren entdeckte der Meteorologe Richard Scherhag, dass sich die winterliche Stratosph\u00e4re in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, im Mittel alle 2 Jahre, in kurzer Zeit pl\u00f6tzlich sehr stark erw\u00e4rmt. 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