{"id":644,"date":"2015-06-18T11:57:34","date_gmt":"2015-06-18T09:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=644"},"modified":"2015-06-18T11:57:34","modified_gmt":"2015-06-18T09:57:34","slug":"wenn-wolken-nachts-erstrahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wenn-wolken-nachts-erstrahlen\/","title":{"rendered":"Wenn Wolken nachts erstrahlen"},"content":{"rendered":"<h2>Wenn Wolken nachts erstrahlen<\/h2>\n<div>&#8222;Eine sichtbare Ansammlung winziger Wassertr\u00f6pfchen und\/oder Eispartikel in der Atmosph\u00e4re \u00fcber der Erdoberfl\u00e4che&#8220;. So lautet die schlichte Wolkendefinition im Glossar des Deutschen Wetterdienstes oder der American Meteorological Society. Dies ist jedoch eine rein wissenschaftliche Betrachtungsweise der Bew\u00f6lkung in der Troposph\u00e4re (die unterste Schicht der Atmosph\u00e4re). Die Bev\u00f6lkerung sieht dieses Ph\u00e4nomen h\u00e4ufig mit anderen Augen, nicht selten fasziniert von der Vielfalt an Strukturen mit einem teils drohenden oder gar romantischen Erscheinungsbild. Mal hat man den Eindruck, man k\u00f6nne die regentr\u00e4chtigen Wolken mit der Hand erreichen, mal erscheinen sie uns in H\u00f6hen von bis zu 12 km in unerreichbarer Ferne. Wolken begleiten uns meist tagt\u00e4glich durch unser Leben, scheinen teils bewegungslos am Himmel zu verharren, oder brausen \u00fcber die Landschaft und nicht selten fallen sie nach Sonnenuntergang mit nachlassender Kraft der einfallenden Sonnenstrahlen wieder in sich zusammen und geben den Blick auf den n\u00e4chtlichen Sternenhimmel frei. Doch zu einer bestimmten Jahreszeit und zu n\u00e4chtlicher Stunde k\u00f6nnen Wolken auftreten, die sich dem bisher beschriebenen Verhalten entziehen. Sie bilden sich in einem g\u00e4nzlich anderen Bereich unserer Atmosph\u00e4re und erlangen ihre leuchtende Wirkung auch erst nach Einfall der Nacht: die sogenannten &#8222;leuchtenden Nachtwolken (engl.: &#8222;noctilucent clouds&#8220;). Die Kollegin Julia Fruntke konnte dieses Ph\u00e4nomen im Sommer des letzten Jahres beobachten, zu sehen unter www.dwd.de\/tagesthema. Doch in welcher Umgebung und wieso genau entwickeln sich solche Wolken?Eisig! Dieses Wort umschreibt wohl die &#8222;Wohlf\u00fchltemperatur&#8220; der leuchtenden Nachtwolken am besten, denn sie treten in einem H\u00f6henbereich von 80 bis 85 km auf, wo die Temperaturen im Mittel bei -90 Grad, teils jedoch deutlich unter -120 Grad verharren. Dabei befinden wir uns bereits weit jenseits der wetteraktiven Zone unserer Atmosph\u00e4re, der uns allen bekannten Troposph\u00e4re. Nein, wir sprechen \u00fcber die oberen Bereiche der sogenannten Mesosph\u00e4re, die durch die Mesopause von der dar\u00fcber liegenden Thermosph\u00e4re abgegrenzt wird, welche wiederum bereits flie\u00dfend in den Weltraum \u00fcbergeht. Solch eisige Temperaturen sind auch von N\u00f6ten, denn dieser Bereich der Atmosph\u00e4re weist nur einen sehr geringen Wasserdampfanteil auf. Damit sich solche Wolken entwickeln k\u00f6nnen, bedarf es der extrem kalten Temperaturen von unter -120 Grad, die jedoch zeitlich und r\u00e4umlich nur sehr begrenzt auftreten, n\u00e4mlich dank komplexer thermodynamischer Vorg\u00e4nge von Mai bis August.<\/p>\n<p>Doch niedrige Temperaturen alleine k\u00f6nnen die Bildung dieser Wolken noch nicht erkl\u00e4ren, denn es bedarf ja auch gewisser Kondensationskerne, die daf\u00fcr sorgen, dass sich die Eispartikel an diesen ablagern k\u00f6nnen. Hierzu hat die Wissenschaft mehrere Antworten parat. Weiterhin gilt die Vermutung, dass nach besonders intensiven Vulkanausbr\u00fcchen die Asche ausreichend hoch in diesen Bereich der Atmosph\u00e4re geschleudert werden kann, wurden doch die ersten leuchtenden Nachtwolken nach dem Ausbruch des Krakatau (Indonesien) im Jahr 1885 beobachtet. Die Hauptverursacher jedoch scheinen vor allem vergl\u00fchende Meteoroide zu sein, die entsprechende Kondensationskerne in Form von Staubpartikeln in diesen Atmosph\u00e4renbereich einbringen. Ist das nicht eine faszinierende Vorstellung, dass die aus den Tiefen des Weltraums und nach einer aus unserer Zeiterfassung nicht rational erfassbaren Reisezeit eintreffenden und rasch zerfallenden\/vergl\u00fchenden Gesteinsbrocken die Grundlage f\u00fcr die Bildung dieser mystisch ausschauenden Wolken bilden?<\/p>\n<p>Untersucht werden diese Wolken \u00fcbrigens zum Beispiel am Leibniz-Institut f\u00fcr Atmosph\u00e4renphysik (IAP) inK\u00fchlungsborn, wo dieses Ph\u00e4nomen entweder aktiv mit Hilfe von LIDARs (Light Detecting and Ranging, wo Laserimpulse ausgesandt werden und das aus der Atmosph\u00e4re zur\u00fcckgestreute Licht detektiert wird) oder passiv mit Kameras beobachtet und untersucht wird.<\/p>\n<p>Die Eiswolken sind nat\u00fcrlich auch tags\u00fcber vorhanden, jedoch kann man sie aufgrund des Sonnenlichtes nicht erkennen, sodass man abwarten muss, bis die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist. Der Literatur entsprechend reicht dabei bereits ein Sonnenstand von 6\u00b0 unter dem Horizont aus, dass man die Wolken erkennen kann, wobei die besten Bedingungen, sprich die strahlendsten Wolken, bei einem Sonnenstand von 10-12\u00b0 unterhalb des Horizonts auftreten.Dann ist der Himmel bereits dunkel genug um die Wolken zu erkennen, die jedoch noch von der Sonne angestrahlt werden. Die bl\u00e4uliche Farbgebung erkl\u00e4rt sich daraus, dass die Eispartikel den gr\u00fcnen, blauen und violetten Anteil streuen, wobei der bevorzugte blaue Anteil letztendlich den f\u00fcr den Betrachter &#8222;bl\u00e4ulichen Stich&#8220; ergibt. Derweilen wurden die Farbanteile rot und vor allem orange bereits beim Durchqueren der Stratosph\u00e4re mithilfe des Ozons absorbiert. Somit kann man in den genannten Sommermonaten zwischen dem 50. und 65. Breitengrad immer wieder diese m\u00e4rchenhaft anmutenden zarten, bl\u00e4ulichen Schleier erkennen. Diese k\u00f6nnen in Norddeutschland von Anfang Juni bis Mitte Juli auch die gesamte Nacht \u00fcber sichtbar sein, da die Nachtwolken nie in den Erdschatten gelangen. N\u00f6rdlich des 65. bis 70. Breitengrads wiederum sinkt die Sonne nicht tief genug, um den Blick auf diese Wolken freizugeben.<\/p>\n<p>Auch in diesem Jahr gab es bereits die ersten Sichtungen, wie z.B. vom 6. auf den 7. Juni 2015 im Norddeutschen Tiefland. Leider spielt das Wetter die kommenden Tage deutschlandweit nur bedingt mit, denn wiederholt durchziehende Tiefausl\u00e4ufer sorgen mit dichten Wolken f\u00fcr geringe Chancen, dass man die Nachtwolken erblicken kann. Doch sollten Sie mal nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang unterwegs sein, dann lohnt sich gewiss ein Blick in Richtung Himmel und vielleicht werden Sie ja Zeuge dieses Naturschauspiels. Ich dr\u00fccke Ihnen die Daumen!<\/p>\n<p>Dipl.-Met. Helge Tuschy Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.06.2015 Copyright (c) <a href=\"http:\/\/www.dwd.de\" target=\"_blank\">Deutscher Wetterdienst<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Wolken nachts erstrahlen &#8222;Eine sichtbare Ansammlung winziger Wassertr\u00f6pfchen und\/oder Eispartikel in der Atmosph\u00e4re \u00fcber der Erdoberfl\u00e4che&#8220;. So lautet die schlichte Wolkendefinition im Glossar des Deutschen Wetterdienstes oder der American Meteorological Society. 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