{"id":7237,"date":"2017-06-20T18:24:15","date_gmt":"2017-06-20T16:24:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=7237"},"modified":"2017-06-20T18:24:15","modified_gmt":"2017-06-20T16:24:15","slug":"die-zellteilung-in-der-meteorologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/die-zellteilung-in-der-meteorologie\/","title":{"rendered":"Die Zellteilung in der Meteorologie"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Zellteilung in der Meteorologie<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDie genaue Zugbahn von Gewittern ist in der Regel nicht leicht vorherzusagen, ziehen sie doch teils sehr eigenwillig durch die Lande. Einer der Gr\u00fcnde, wieso die Verlagerung von Gewittern so schwer abzusch\u00e4tzen ist, soll im Folgenden n\u00e4her erl\u00e4utert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Vorhersage- und Beratungszentrale erreichen uns besonders w\u00e4hrend der Sommerzeit wiederholt Anfragen von Kunden, die entweder beklagen, dass die Gewitter immer wieder an ihrem jeweiligen Standort vorbeiziehen oder aber, dass ein Gewitter auf einer vollkommen atypischen Zugbahn mit all seinen Begleiterscheinungen \u00fcber ihren Standort hereingebrochen ist. Diese Fragen haben sicherlich schon h\u00e4ufig f\u00fcr Diskussionen gesorgt, denn wer kennt sie nicht, die bevorzugten Gewitterzugbahnen aus seiner Heimat. Mal ziehen die Gewitter immer wieder weit entfernt am Horizont entlang und werden zum Beispiel durch orografische Einfl\u00fcsse wie ein Gebirge am Beobachtungsort vorbeigelenkt. Doch dann gibt es auch die Tage, wo alles anders l\u00e4uft. Dann werden bisher gesch\u00fctzte Regionen auf einmal von einem Unwetter getroffen und nicht selten zieht solch ein Gewitter aus einer f\u00fcr die Region eher ungew\u00f6hnlichen Richtung auf. F\u00fcr all diese Beobachtungen gibt es sicherlich unz\u00e4hlige (lokale) Gr\u00fcnde, die hier gar nicht alle erw\u00e4hnt werden k\u00f6nnen. In der Folge soll aber ein Beispiel gezeigt werden, wieso es zu ungew\u00f6hnlichen Zugbahnen eines Gewitters kommen kann. Dazu wird ein Ereignis vom 19. Mai 2017 betrachtet, das sich vor den Toren M\u00fcnchens abgespielt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stellen Sie sich vor, sie wohnen in M\u00fcnchen und schauen um 14 Uhr kurz vor einem sp\u00e4ten Mittagsschlaf zum Beispiel auf das Radar der Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes. Sie sehen, wie sich s\u00fcd\u00f6stlich der Stadt ein kr\u00e4ftiges Gewitter entwickelt hat, das aber im Radarloop gut erkennbar nach Nord bis Nordost und somit an M\u00fcnchen vorbeizieht. Dabei bedeutet die rote oder blaue Farbe im Radar, dass es sich um ein kr\u00e4ftiges Gewitter handelt und in diesen Bereichen mit heftigem Regen oder gar mit Hagel gerechnet werden muss. Sie sind nun beruhigt, legen sich hin, nur um eine knappe Stunde sp\u00e4ter von lautem Donnerschlag geweckt zu werden. Sie schauen wieder auf das Radar und erkennen, dass sich abgesehen von dem einen Gewitter keine neue Gewitterzelle s\u00fcdlich von M\u00fcnchen entwickelt hat, die auf die Stadt h\u00e4tte zuziehen k\u00f6nnen. Doch was war geschehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewitter entwickeln sich je nach den entsprechenden Zutaten mit unterschiedlichen Intensit\u00e4ten. Eine der Zutaten f\u00fcr Gewitter ist dabei eine feuchte und warme Luftmasse, die sich mit zunehmender H\u00f6he rasch abk\u00fchlt. Dieser Zustand der Troposph\u00e4re wird in der Meteorologie als &#8222;labil&#8220; bezeichnet. Das bedeutet, dass ein Luftpaket sehr schnell sehr hoch aufsteigen kann und sich die Luft dabei rasch abk\u00fchlt. Durch Kondensation entstehen Regen- und Wolkentr\u00f6pfchen und letztendlich eine hochreichende Gewitterwolke. Eine weitere Zutat ist eine hohe Windscherung. Dabei nimmt der Wind mit der H\u00f6he deutlich zu und \u00e4ndert auch seine Richtung. Am 19. Mai nahm der Wind von 10 km\/h in rund 1,5 km \u00fcber Grund auf \u00fcber 90 km\/h in 6 km \u00fcber Grund zu. Das ist eine starke Windscherung. Der kr\u00e4ftige H\u00f6henwind verfrachtet den gebildeten Niederschlag, so dass die regengek\u00fchlte Luft abseits vom Gewitter zu Boden f\u00e4llt. Das erlaubt dem Gewitter weiter feuchte und warme Luftmassen einzubeziehen und das Resultat ist ein sehr langlebiges Gewitter, wie am 19. Mai dieses Jahres.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Zutaten stimmen, sich also viel Labilit\u00e4t und hohe Windscherung \u00fcberlappen, k\u00f6nnen sich sogenannte &#8222;Superzellen&#8220; bilden. Das sind Gewitter, die stark rotieren und mit den schlimmsten Begleiterscheinungen wie Gro\u00dfhagel, schweren Sturmb\u00f6en und\/oder heftigen Starkregen einhergehen. Superzellen sind sehr dynamische Gebilde, deren Entstehung, aber auch Entwicklung ein hochkomplexer Prozess sind. Die einen Superzellen tendieren im Verlauf ihres Lebens immer weiter nach &#8222;rechts&#8220; auszuscheren, w\u00e4hrend andere Superzellen sich in eine links ausscherende und eine rechts ausscherende Gewitterzelle teilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letzteres ereignete sich am 19. Mai (siehe a)). Das Gewitter s\u00fcd\u00f6stlich von M\u00fcnchen entwickelte sich in einer Umgebung, die eine in Zugrichtung links und rechts ausscherende Zelle f\u00f6rderte. Dabei traf das links ausscherende Gewitter gegen 14:45 Uhr den Osten M\u00fcnchens und \u00fcberquerte die Stadt mit Hagel von \u00f6rtlich bis zu 3 cm Durchmesser. Im beigef\u00fcgten Bild wurden die Gewitterzellen alle 15 Minuten \u00fcber eine Stunde hinweg \u00fcbereinandergelegt. In b) ist die Verlagerung der beiden Gewitter \u00fcber mehrere Stunden hinweg zu erkennen. Die links ausscherende Zelle zieht nach Nordwest und \u00fcber M\u00fcnchen hinweg, die andere nach Nordost. Ein Gewitteraufzug aus S\u00fcdost ist f\u00fcr M\u00fcnchen nicht allt\u00e4glich, kommen die meisten Gewitter doch eher aus dem westlichen Sektor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht selten der Fall, dass Gewitter, die aus einer eher ungew\u00f6hnlichen Richtung aufziehen auch au\u00dfergew\u00f6hnlich kr\u00e4ftige Begleiterscheinungen hervorrufen, da sie durch Prozesse getrieben werden (wie hier die Zellteilung), die bei sehr starken und langlebigen Gewittern beobachtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Helge Tuschy<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 20.06.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"7238\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/die-zellteilung-in-der-meteorologie\/img_5973\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973.jpg\" data-orig-size=\"986,794\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Die Zellteilung in der Meteorologie\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973-300x242.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973.jpg\" class=\"alignnone size-full wp-image-7238\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973.jpg\" alt=\"Die Zellteilung in der Meteorologie\" width=\"986\" height=\"794\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973.jpg 986w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973-300x242.jpg 300w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_5973-768x618.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 986px) 100vw, 986px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zellteilung in der Meteorologie Die genaue Zugbahn von Gewittern ist in der Regel nicht leicht vorherzusagen, ziehen sie doch teils sehr eigenwillig durch die Lande. 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