{"id":7273,"date":"2017-06-24T13:09:40","date_gmt":"2017-06-24T11:09:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=7273"},"modified":"2017-06-24T13:09:40","modified_gmt":"2017-06-24T11:09:40","slug":"gletscher-und-klima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/gletscher-und-klima\/","title":{"rendered":"Gletscher und Klima"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Gletscher und Klima<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDie Wechselwirkung zwischen solarer Strahlung und &#8222;Kryosph\u00e4re&#8220; ist als &#8222;Eis-Albedo-Wechselwirkung&#8220; bekannt und stellt laut Regelungstheorie eine &#8222;Positive R\u00fcckkopplung&#8220; dar. Ein R\u00fcckgang insbesondere des Gletschereises h\u00e4tte im gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab drastische Auswirkungen auf Wetter, Witterung und Klima auch in Mitteleuropa und im kleineren Ma\u00dfstab auf die Wasserversorgung eines Teils der Weltbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#8222;Kryosph\u00e4re&#8220; oder &#8222;Eissph\u00e4re&#8220; der Erde, umfasst als Gesamtheit des auf der Erde vorkommenden Wassers im festen Aggregatzustand, das Meer- und Schelfeis, das Inlandeis, die Hochgebirgsgletscher, das in Eish\u00f6hlen und in Dauerfrostb\u00f6den enthaltene Eis sowie nicht zuletzt im Winter zugefrorene Binnengew\u00e4sser und verschneite Oberfl\u00e4chen als saisonal sehr stark variierende Komponenten. Dabei bildet das Inlandeis, also die ausgedehnten, festes Land bedeckenden Gletscher (&#8222;Festlandsgletscher&#8220;) die bei weitem gr\u00f6\u00dfte Komponente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund der Strahlungseigenschaften des Eises, vor allem bei vorhandener Neuschneedecke ein hohes Reflexionsverm\u00f6gen f\u00fcr kurzwellige solare Strahlung (Albedo) und einen hohen Emissionsgrad f\u00fcr langwellige terrestrische Strahlung zu besitzen, hat die Kryosph\u00e4re eine gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr das Klimasystem der Erde. Insbesondere die ausgedehnten Eisschilde der Antarktis und Gr\u00f6nlands steuern als K\u00e4ltereservoire die &#8222;planetare Zirkulation der Atmosph\u00e4re&#8220; und dar\u00fcber hinaus als S\u00fc\u00dfwasserspeicher auch die &#8222;thermohaline Zirkulation der Ozeane&#8220; (Stichwort Golfstrom). So hat das gr\u00f6nl\u00e4ndische Inlandeis einen entscheidenden Einfluss auf Wetter, Witterung und Klima im nordatlantisch-europ\u00e4ischen Raum. Kleinere Gletscher wirken sich zumindest auf das lokale Klima im Hochgebirge aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entstehung, Wachstum und Verschwinden von Gletschern h\u00e4ngen sowohl von der Umgebungstemperatur als auch von den regionalen Niederschlagsverh\u00e4ltnissen ab. Dabei erfolgt im Falle der &#8222;warmen oder temperierten&#8220; Gletscher die Abnahme des Eises infolge Erw\u00e4rmung der Atmosph\u00e4re zun\u00e4chst wegen der Temperaturerh\u00f6hung selbst, und zwar durch vermehrtes Schmelzen und Verdunsten an der Gletscheroberfl\u00e4che in den Sommermonaten. Dazu k\u00f6nnen nach einer \u00c4nderung des Niederschlagsregimes die Neuschneef\u00e4lle ausbleiben, so wie es bei den s\u00fcdamerikanischen Andengletschern in El-Ni\u00f1o-Jahren der Fall ist. Daraus w\u00fcrde sich ein &#8222;positiver R\u00fcckkopplungsmechanismus&#8220; entwickeln, der die Abnahme der Eismasse entscheidend beschleunigen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neuschnee reflektiert das Sonnenlicht sehr stark, verhindert somit die W\u00e4rme\u00fcbertragung und sch\u00fctzt das darunter liegende Gletschereis vor Erw\u00e4rmung. Fehlender Neuschnee bzw. eine tauende Eisoberfl\u00e4che mit geringerem Reflexionsgrad f\u00fchren zu st\u00e4rkerer Absorption der einfallenden Sonnenstrahlung und zu weiterer Erw\u00e4rmung. Ein zweiter Aspekt ist das entstehende Schmelzwasser. Sammelt es sich in Pf\u00fctzen und T\u00fcmpeln an der Gletscheroberfl\u00e4che, verringert es deren Reflexionsverm\u00f6gen. Frisst sich der Schmelzwasserstrom dagegen in Schloten und Gletscherspalten durch das Eis und gelangt auf diesem Wege auf die Unterseite des Gletschers, k\u00f6nnte er auf dem &#8222;Gletscherbett&#8220; einen Gleitfilm zwischen Gestein und Eis bilden, der die Flie\u00dfgeschwindigkeit des Gletschers erh\u00f6ht und den R\u00fcckgang der Gletschermasse forciert. Auch bringt ein im Unterlauf in seiner Dicke reduzierter Gletscher den vom Hang nachr\u00fcckenden Eismassen einen geringeren Widerstand entgegen, wird also leichter zu Tal geschoben und abgebaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was w\u00e4ren nun die Folgen einer globalen Erw\u00e4rmung auf die Kryosph\u00e4re, insbesondere auf die Gletscher? Wenig verwundbar ist das Inlandeis der Antarktis, denn die S\u00fcdpolregion ist einfach zu kalt, um durch die von den Klimaforschern projektierte Temperaturerh\u00f6hung von einigen Grad Celsius einfach abzuschmelzen. Jedoch k\u00f6nnte das k\u00fcstennahe Eis der Antarktischen Halbinsel dezimiert werden. Das Gr\u00f6nlandeis ist empfindlicher, als \u00dcberbleibsel der letzten Eiszeit konnte es bisher nur \u00fcberdauern, weil es (ebenso wie das antarktische Inlandeis) aufgrund seiner schieren Masse ein eigenes Klima bildet. Es erzeugt ein &#8222;K\u00e4ltehoch&#8220;, das die atlantischen Tiefdruckgebiete abdr\u00e4ngt, die an ihrer Vorderseite Warmluft nordw\u00e4rts f\u00fchren. Ein R\u00fcckgang des gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eises w\u00fcrde also direkt die atmosph\u00e4rische Zirkulation im nordatlantisch-europ\u00e4ischen Raum und damit auch unser Klima in Mitteleuropa beeinflussen. Der mit einem Abtauen des Gr\u00f6nlandeises einher gehende Eintrag von S\u00fc\u00dfwasser in die n\u00f6rdlichen Meere h\u00e4tte Wirkung auf die thermohaline Zirkulation des Nordatlantiks, m\u00f6glicherweise sogar auf St\u00e4rke und Verlauf des Golfstromes. Des Weiteren w\u00fcrde sich beim Abschmelzen des arktischen Inlandeises der Meeresspiegel erh\u00f6hen, allein das Wasser aus dem Gr\u00f6nlandlandeis in fl\u00fcssiger Form k\u00f6nnte den Meeresspiegel weltweit um bis zu sieben Metern ansteigen lassen. Hunderttausende Quadratkilometer Land w\u00fcrden \u00fcberflutet, beispielsweise in Bangladesch, Florida oder den Niederlanden. Eben beschriebene Effekte k\u00f6nnten in einer Zeitspanne von etwa einhundert Jahren auftreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wesentlich zeitnaher sind die Folgen des R\u00fcckganges der Gletscher in den Hochgebirgen. Schon in wenigen Jahrzehnten k\u00f6nnten die meisten Alpengletscher verschwunden sein, mit dem Resultat des Wassermangels, denn Gletscher fungieren als Wasserreservoir. Beispielsweise speichern die Schweizer Gletscher insgesamt so viel Wasser, wie es der Menge des Jahresniederschlages des Landes entspricht. Millionen von Menschen in den Alpenl\u00e4ndern, aber auch in Staaten wie Bolivien, Peru oder Indien ben\u00f6tigen das Schmelzwasser der Gletscher als Trinkwasser, zur Bew\u00e4sserung landwirtschaftlicher Kulturen oder zur Energiegewinnung in Wasserkraftwerken. Sie s\u00e4\u00dfen beim Verschwinden der Gletscher buchst\u00e4blich auf dem Trockenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das unten publizierte Foto von Luca Galuzzi zeigt den Perito-Moreno-Gletscher (&#8222;Kalbungsfront&#8220; bei ca. 50\u00b029&#8217;S, 73\u00b002&#8217;W), einen der gr\u00f6\u00dften &#8222;Auslassgletscher&#8220; im Campo de Hielo Sur, in den s\u00fcdamerikanischen Anden (Patagonien, Provinz Santa Cruz, Argentinien). Er entspringt in 2950 m H\u00f6he nahe des Berges Cerro Pietrobelli und flie\u00dft nach 30 km L\u00e4nge ostw\u00e4rts in den Lago Argentino auf 185 m H\u00f6he. Seine Fl\u00e4chenausdehnung betr\u00e4gt ca. 254 km\u00b2, die Flie\u00dfgeschwindigkeit an der bis zu 77 m m\u00e4chtigen Gletscherfront wird mit knapp 800 m pro Jahr angegeben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gletschern auf der Welt, die sich seit dem Ende der &#8222;Kleinen Eiszeit&#8220; (um 1850) zur\u00fcckziehen, zeigt der Perito-Moreno-Gletscher in seiner Massenbilanz keinen eindeutigen Trend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Thomas Ruppert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 24.06.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gletscher und Klima Die Wechselwirkung zwischen solarer Strahlung und &#8222;Kryosph\u00e4re&#8220; ist als &#8222;Eis-Albedo-Wechselwirkung&#8220; bekannt und stellt laut Regelungstheorie eine &#8222;Positive R\u00fcckkopplung&#8220; dar. 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