{"id":7423,"date":"2017-07-16T12:47:02","date_gmt":"2017-07-16T10:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=7423"},"modified":"2017-07-16T12:47:02","modified_gmt":"2017-07-16T10:47:02","slug":"stadt-land-wald-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/stadt-land-wald-see\/","title":{"rendered":"Stadt &#8211; Land &#8211; Wald &#8211; See"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Stadt &#8211; Land &#8211; Wald &#8211; See<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nIm heutigen Thema des Tages wird ein kleiner Einblick in das Mikroklima gegeben und die Frage beantwortet, warum es manchmal gr\u00f6\u00dfere Temperaturunterschiede auf kleinem Raum geben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Fahrt von der Stadt aufs Land an einem sonnigen Sommertag kann zum Teil mit gr\u00f6\u00dferen Temperaturschwankungen einhergehen. Unterschiede auf kleinstem Raum ergeben sich immer wieder und finden oft bei den Wetterberichten keine explizite Ber\u00fccksichtigung, da sie schlicht in ihrer Detailliertheit nicht erfassbar sind. Au\u00dferdem w\u00e4ren die Wetterberichte sonst ein Vielfaches l\u00e4nger, womit nat\u00fcrlich auch Niemanden geholfen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Interpretation der Wetterberichte tut man also gut daran das eigene Mikroklima mit zu ber\u00fccksichtigen. Einige wenige Dinge werden dabei in den Wetterberichten manchmal bereits angesprochen. Formulierungen wie: &#8222;In h\u00f6heren Lagen bleibt es etwas k\u00e4lter&#8230;&#8220;, oder &#8222;Bei auflandigem Wind an der See wird es in der Nacht nicht ganz so kalt&#8220;, deuten darauf hin, dass man sich bei der angegebenen Temperaturspanne eher am oberen oder am unteren Ende befindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4ufig sind es lokale Windsysteme oder eben der orographische H\u00f6henunterschied, die f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Temperaturunterschiede sorgen, oft hat aber auch die Bebauung einen wesentlichen Einfluss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Werfen wir zun\u00e4chst einen Blick auf die K\u00fcstenregionen. Gr\u00f6\u00dfere Gew\u00e4sser wie Nord-und Ostsee sind in ihrem Temperaturverlauf nur sehr tr\u00e4ge und brauchen im Sommer l\u00e4ngere Zeit um sich zu erw\u00e4rmen bzw. im Winter lange um sich abzuk\u00fchlen. Weht der Wind nun in den K\u00fcstenregionen vornehmlich vom Meer, so wird das Temperaturniveau dort wesentlich von der W\u00e4rme der Wasserfl\u00e4chen beeinflusst. Im Sommer f\u00fchrt dies h\u00e4ufig dazu, dass es entlang der K\u00fcsten trotz eitlem Sonnenschein eher etwas k\u00fchler bleibt, w\u00e4hrend in den Wintermonaten die Minima deutlich milder sind, als im Binnenland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Hochdrucktagen stellt zudem das Land-See-Windsystem ein. Tags\u00fcber erw\u00e4rmt sich das Land rasch, w\u00e4hrend das Wasser nur wenig oder gar nicht w\u00e4rmer wird. Die w\u00e4rmere Luft steigt auf und um diesen Verlust auszugleichen, muss der Wind vom Wasser her wehen. Das f\u00fchrt wiederrum dazu, dass sich gerade im Sommer h\u00e4ufig im Tagesverlauf eine k\u00fchlende Brise einstellt. Nachts kehren sich die Verh\u00e4ltnisse um. Die Landfl\u00e4chen k\u00fchlen ab, sodass das Wasser w\u00e4rmer ist. Nun steigt dort die Luft auf und als Ausgleich weht der Wind vom Lande her. Das Seeklima f\u00fchrt \u00fcbrigens auch dazu, dass es am Meer im Allgemeinen sonniger ist. Die Ostseeinseln sind die sonnigste Region in ganz Deutschland. Die eher k\u00fchleren Meeresfl\u00e4chen verhindern den Temperaturunterschied zwischen Boden und Luft und unterdr\u00fccken damit die Wolkenbildung. Im Winter stellt sich bei Kaltluftausbr\u00fcchen dann das gegenteilige Ph\u00e4nomen ein, wenn sich gest\u00fctzt durch das warme Wasser \u00fcber dem Meer h\u00e4ufiger Schauer und Gewitter ausbilden oder station\u00e4re Schauerstra\u00dfen manchmal f\u00fcr reichlich Neuschnee in den K\u00fcstenregionen sorgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d6rtliche Schwankungen ergeben sich aber auch zwischen Land und Stadt. In den urbanen Regionen dienen die H\u00e4user und die vielen Betonfl\u00e4chen als W\u00e4rmspeicher. Das f\u00fchrt vor allem dazu, dass nach hei\u00dfen Sommertagen die Temperatur dort in den N\u00e4chten nur langsam zur\u00fcckgeht, was die W\u00e4rmebelastung noch verst\u00e4rkt. Im Extremfall k\u00f6nnen sich vor allem eingangs der Nacht bis zu 10 Grad Unterschied zwischen Stadt und Land ergeben. Durch die Versiegelung fehlt es auch an nat\u00fcrlicher Abk\u00fchlung durch Verdunstungseffekte und au\u00dferdem erhitzen sich Materialien wie Stein, Stahl und Asphalt in der Sonne viel st\u00e4rker, als die Vegetation. Die vielen Glasfl\u00e4chen, die das Sonnenlicht reflektieren f\u00fchren zus\u00e4tzlich zu einer Belastung. Die starke \u00dcberhitzung der St\u00e4dte f\u00fchrt im \u00dcbrigen auch zu dem Effekt, dass sich im Vergleich zum Umland bei ruhigen Hochdrucklagen im Mittel mehr Wolken bilden und die Niederschlagsmenge erh\u00f6ht ist. Das liegt ganz einfach daran, dass sich \u00fcber den Ballungszentren ein lokales Hitzetief bilden kann und die hei\u00dfen Luftmassen dort verst\u00e4rkt aufsteigen. Denn hei\u00dfere Luftmassen haben eine geringere Dichte und sind damit leichter als k\u00e4ltere Luft. Nicht ungew\u00f6hnlich ist in diesem Zusammenhang auch der Effekt, dass ein urspr\u00fcnglicher Schauer direkt bei der \u00dcberquerung der Stadt zu blitzen beginnt oder ein zun\u00e4chst harmloses Gewitter sich deutlich verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Wochenmitte wird es in Deutschland wieder hochsommerlich warm, sodass man bei Interesse das Mikroklima f\u00fcr den eigenen Wohnort und die Umgebung mal genauer unter die Lupe nehmen und nach den oben beschriebenen Unterschieden suchen kann. Was gibt es bei Ihnen f\u00fcr besondere lokale Ph\u00e4nomene? F\u00fcr die Nicht-Hitzefreunde sei im \u00dcbrigen ein Ausflug vom Stadt- in das Waldklima empfohlen. Wenn man mal von den M\u00fccken absieht, l\u00e4sst sich eine Hitzewelle dort deutlich besser aushalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Marcus Beyer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 16.07.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stadt &#8211; Land &#8211; Wald &#8211; See Im heutigen Thema des Tages wird ein kleiner Einblick in das Mikroklima gegeben und die Frage beantwortet, warum es manchmal gr\u00f6\u00dfere Temperaturunterschiede auf kleinem Raum geben kann. 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