{"id":7485,"date":"2017-07-21T12:03:58","date_gmt":"2017-07-21T10:03:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=7485"},"modified":"2017-07-21T12:03:58","modified_gmt":"2017-07-21T10:03:58","slug":"die-hundstage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/die-hundstage\/","title":{"rendered":"Die Hundstage"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Die Hundstage<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nVielen sind die Hundstage ein Begriff f\u00fcr die hei\u00dfesten Tage des Jahres. Woher dieser Ausdruck kommt und warum sie heutzutage eigentlich &#8222;L\u00f6wentage&#8220; hei\u00dfen m\u00fcssten, erfahren Sie im Thema des Tages.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am kommenden Sonntag beginnen sie: die Hundstage. Umgangssprachlich bezeichnet man in vielen L\u00e4ndern Europas die hei\u00dfen Tage in der Zeit vom 23. Juli bis 23. August als &#8222;Hundstage&#8220;. Namensgebend ist dabei nicht der vierbeinige Freund des Menschen, sondern das Sternbild Gro\u00dfer Hund, dessen hellster Stern der Sirius ist. Wie kommt man aber nun vom Sternbild auf das Wetter? Um das zu kl\u00e4ren, m\u00fcssen wir etwa 6000 Jahre in der Zeit zur\u00fcck reisen. Die alten \u00c4gypter erkannten, dass das Anschwellen des Nils mit der Bewegung der Sonne \u00fcber den \u00c4quator nach Norden zusammenhing. Mit dem Sonnenstand wandert auch die sogenannte innertropische Konvergenzzone (ITCZ, siehe DWD-Wetterlexikon) nach Norden. Damit beginnt am Oberlauf des Nils die Regenzeit. In heutigen politischen Grenzen geh\u00f6ren im Wesentlichen der S\u00fcdsudan, \u00c4thiopien, Kenia, Uganda und Tansania zum Einzugsgebiet des l\u00e4ngsten Flusses der Erde. Man stellte damals auch fest, dass der Fr\u00fchaufgang des Sirius mit der Sommersonnenwende und somit mit dem Beginn der fruchtbaren Nilschwemme zusammenfiel. Das war in der auf Landwirtschaft ausgerichteten Gesellschaft ein \u00e4u\u00dferst wichtiges Ereignis. Sowohl Erdrotation als auch Umlauf der Erde um die Sonne (Revolution) geschehen gegen den Uhrzeigersinn. Die Erde dreht sich also in West-Ost-Richtung &#8211; die Sonne geht im Osten auf. In gleicher Weise wandert die Position der Erde auf der Ekliptik (Sonnenbahn-Ebene) nach Osten. Aus diesem Grund gehen die im Jahresverlauf immer wieder neu erscheinenden Sterne und Sternbilder zuerst morgens auf. Man spricht dann auch vom &#8222;heliakischen Aufgang&#8220;. Sie werden zun\u00e4chst in der Morgend\u00e4mmerung sichtbar, dann von Tag zu Tag etwas fr\u00fcher in die Nacht hinein verschoben. Es dauert einen ganzen Monat, bis alle Sterne des Gro\u00dfen Hundes sichtbar sind. Obschon der Fr\u00fchaufgang von Sirius bei den \u00c4gyptern ein positives Ansehen genoss, hatte er etwas weiter n\u00f6rdlich in Mesopotamien ein ganz anderes Image: Denn w\u00e4hrend das damalige Ober\u00e4gypten im Sommer im Einflussbereich der ITCZ lag, wurde das Zweistromland durch den ebenfalls nach Norden wandernden subtropischen Hochdruckg\u00fcrtel von Hitze und D\u00fcrre heimgesucht. Entsprechend wurde Sirius, der bei den Sumerern Kaksisa hie\u00df, als b\u00f6ser Gott angesehen, der es nicht regnen lie\u00df. Dazu passte es auch, dass die Regenzeit einsetzte, nachdem Sirius vom Nachthimmel verschwunden war. Entsprechend schufen sie sich f\u00fcr diese Zeit die Sternbilder Ziegenfisch, Wassermann und Fische. Diese Regenzeit h\u00e4ngt mit einer S\u00fcdverlagerung der Frontalzone im Winter zusammen. Die Griechen \u00fcbernahmen den Hund in ihren G\u00f6tter- und Sternenkult. Ab dem Jahr 432 v. Chr. begann alle 19 Jahre das Kalenderjahr mit dem Fr\u00fchaufgang des Sirius. Allerdings fiel der heliakische Aufgang zu dieser Zeit schon nicht mehr auf den 21. Juni, sondern hatte sich um knapp einen Monat nach hinten auf den 19. Juli verschoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ursache daf\u00fcr ist die Kreiselbewegung der Erdachse auf ihrer Ekliptik. Dieses Ph\u00e4nomen nennt man Pr\u00e4zession. Es handelt sich dabei um eine Achsenkreiselbewegung mit dem Neigungswinkel der Erdachse von 23,44\u00b0 gegen die Himmelsachse. Diese Bewegung verl\u00e4uft im Uhrzeigersinn, also der Revolution entgegengerichtet. Daher kommt es zu einer R\u00fcckverlagerung des Punktes der Fr\u00fchlings-Tag-und-Nacht-Gleiche auf der Erdbahn und somit zu einer &#8222;Fr\u00fchlingsverfr\u00fchung&#8220;. Alle etwa 25700 bis 25800 Jahre hat der sogenannte Fr\u00fchlingspunkt dann alle Tierkreiszeichen durchwandert. Die Folge dieser Bewegung ist, dass alle Sterne und Sternbilder etwa alle 2150 Jahre um ein Tierkreiszeichen gegen\u00fcber dem Fr\u00fchlingspunkt vorr\u00fccken. Die Sonne steht also alle 2150 Jahre einen Monat sp\u00e4ter im selben Sternbild. Nun k\u00f6nnte man nachrechnen und zu dem Schluss kommen, dass zwischen \u00e4gyptischem und griechischem Kalender doch ungef\u00e4hr 3000 Jahre liegen und somit der Sirius-Fr\u00fchaufgang bei den alten Griechen etwa eineinhalb Monate statt nur einem Monat sp\u00e4ter liegen m\u00fcsste. Diese Differenz l\u00e4sst sich zum einem damit erkl\u00e4ren, dass sich zum einen die Neigung der Erdachse gegen\u00fcber der Ekliptik ebenfalls \u00e4ndert. Zum anderen sind Fixsterne wie Sirius trotz ihres Namens keine hundertprozentig festen Sterne und bilden im Laufe der Zeit v\u00f6llig neue Sternbilder. Die hei\u00dfeste Zeit des Jahres in Griechenland lag vor nunmehr fast 2500 Jahren und liegt auch noch heute im Mittel im Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte August. Dann ist zwar der Sonnenh\u00f6chststand schon um einen Monat \u00fcberschritten, jedoch h\u00e4ngt die Meteorologie der Astronomie aus energetischen Gr\u00fcnden etwas hinterher. So konnten die alten Griechen also den Beginn der Hitze mit dem Fr\u00fchaufgang von Sirius im Sternbild des Gro\u00dfen Hundes in Verbindung bringen. Dass die Griechen diese Zeit nicht gerade sch\u00e4tzen, kommt auch schon im griechischen Ursprung des Namens Sirius (Seirios) zum Tragen, was man mit &#8222;glei\u00dfend hei\u00df&#8220; \u00fcbersetzen k\u00f6nnte. Auch wenn seit dieser Zeit viele Jahre ins Land gegangen sind, hat sich die Bezeichnung &#8222;Hundstage&#8220; f\u00fcr die hei\u00dfesten Tage in vielen Gegenden Europas bis heute gehalten. Jedoch hat sich der Fr\u00fchaufgang von Sirius und der anderen Sterne des Gro\u00dfen Hundes aufgrund der Pr\u00e4zession inzwischen weiter nach hinten verlagert. So kann man diesen in Griechenland heutzutage am Morgenhimmel um den 10. August herum beobachten, in Deutschland je nach geografischer Lage sogar erst Ende August\/Anfang September. Die gr\u00f6\u00dfte Hitze ist da aber in der Regel schon vorbei und der Herbst steht so langsam vor der T\u00fcr. Vielmehr steht die Sonne w\u00e4hrend der Hundstage im Tierkreiszeichen L\u00f6we, weswegen sie eigentlich &#8222;L\u00f6wentage&#8220; hei\u00dfen m\u00fcssten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Zeitraum vom 28. Juli bis 7. August &#8211; also mitten w\u00e4hrend der Hundstage &#8211; weisen die Statistiken f\u00fcr Mitteleuropa oftmals eine S\u00fcdwestwetterlage aus. Die dabei herangef\u00fchrten Luftmassen sind zwar auch mit warm bis hei\u00df zu charakterisieren, jedoch neigen sie h\u00e4ufig auch zur Gewitterbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M.Sc. Met. Stefan Bach<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 21.07.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hundstage Vielen sind die Hundstage ein Begriff f\u00fcr die hei\u00dfesten Tage des Jahres. Woher dieser Ausdruck kommt und warum sie heutzutage eigentlich &#8222;L\u00f6wentage&#8220; hei\u00dfen m\u00fcssten, erfahren Sie im Thema des Tages. Am kommenden Sonntag beginnen sie: die Hundstage. 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