{"id":7714,"date":"2017-08-23T14:23:47","date_gmt":"2017-08-23T12:23:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=7714"},"modified":"2017-08-23T14:23:47","modified_gmt":"2017-08-23T12:23:47","slug":"schwierige-wochen-fuer-die-alpengletscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/schwierige-wochen-fuer-die-alpengletscher\/","title":{"rendered":"Schwierige Wochen f\u00fcr die Alpengletscher"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Schwierige Wochen f\u00fcr die Alpengletscher<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nMit dem Sp\u00e4tsommer erreicht die Leidenszeit der Gletscher in den Alpen nun den j\u00e4hrlichen H\u00f6hepunkt. Von Tag zu Tag kann beobachtet werden, dass die Altschneedecke des vergangenen Winters weiter schwindet und das Gletschereis schutzlos der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend sich ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die aktuellen sp\u00e4tsommerlich warmen Tage freuen wird, bekommen Gletscherforscher (Glaziologen) die mittlerweile allj\u00e4hrlich wiederkehrenden Sorgenfalten. Die Witterung in den Sommermonaten ist n\u00e4mlich von entscheidender Bedeutung, wie die Massenbilanz eines Gletschers am Ende des Bilanzjahres am 30. September ausschauen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein idealisierter Gletscher besteht aus zwei unterschiedlich definierten Bereichen. Der obere Abschnitt des Eisk\u00f6rpers wird als &#8222;Akkumulationsgebiet&#8220; bezeichnet, in der deutschen Sprache wird daf\u00fcr auch das Wort &#8222;N\u00e4hrgebiet&#8220; verwendet. Dort f\u00e4llt im Mittel im Winter und Fr\u00fchling mehr Schnee, als in den w\u00e4rmeren Monaten abschmelzen kann. Besonders gut f\u00fcr ein Akkumulationsgebiet eignen sich Mulden und Senken, da sich dort in der Regel durch Windverfrachtung und Lawineneinfl\u00fcsse am meisten Schnee halten kann. \u00dcberdauert die Winterschneedecke schlie\u00dflich den Sommer, wird der \u00fcbriggebliebene Altschnee fortan als Firn bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Jahren wird dieser Firn durch Komprimierung und Reduzierung der Lufteinschl\u00fcsse immer dichter und geht nach l\u00e4ngerer Zeit in Eis \u00fcber. Dieses &#8222;flie\u00dft&#8220; aufgrund der Schwerkraft langsam ins Tal hinab. Dabei erreicht der Eisstrom aber irgendwann eine H\u00f6henzone, in der die klimatischen Randbedingungen zu einem st\u00e4rkeren Abschmelzen f\u00fchren. Dieser Bereich wird als &#8222;Ablations-&#8220; oder &#8222;Zehrgebiet&#8220; bezeichnet. Zwischen Akkumulations- und Ablationsgebiet befindet sich die sogenannte &#8222;Gleichgewichtslinie&#8220;, an dieser der Schneezuwachs (Akkumulation) das Abschmelzen (Ablation) ausgleicht. Die Differenz aus Akkumulation und Ablation des gesamten Gletschers wird Massenbilanz (Massenzufluss-Massenverlust) genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt diese Massenbilanz zum einen entscheidend von der M\u00e4chtigkeit der Winterschneedecke ab. Besonders Kaltlufteinbr\u00fcche im Sp\u00e4twinter oder Fr\u00fchling k\u00f6nnen in den hochalpinen Lagen f\u00fcr eine ordentliche Menge Neuschnee sorgen. Zum anderen ist die Temperatur- und Niederschlagsentwicklung im Sommer f\u00fcr die Ablation von gro\u00dfer Bedeutung. Ein wichtiger Indikator f\u00fcr das Abschmelzpotential ist daher in erster Linie die mittlere Lufttemperatur. Das Klimadiagramm der Zugspitze (2964 m) zeigt zum Beispiel, dass der August bisher deutlich w\u00e4rmer war, als nach dem vielj\u00e4hrigen Mittel der Referenzperiode (1961-1990) erwartet wird. Zudem macht der Verlauf der Tagestiefsttemperaturen deutlich, dass nur in wenigen N\u00e4chten die Frostmarke unterschritten wurde. Es kann also angenommen werden, dass es zu einem starken Abschmelzen der Schneedecke sowie des Eises kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei muss allerdings noch ein weiterer, sehr bedeutender Effekt beachtet werden: Mit dem Abschmelzen des wei\u00dfen Schnees kommt die meist durch Staub, Sand und Ger\u00f6ll deutlich schmutzigere und damit dunklere Eisoberfl\u00e4che zum Vorschein. Aufgrund des physikalischen Grundprinzips, dass eine dunkle Oberfl\u00e4che deutlich mehr Sonnenstrahlung aufnimmt als ein heller Untergrund, wird das Abschmelzen des Eises stark beschleunigt. Durch das nun fehlende Eis ist aber in weiterer Folge auch die unmittelbare Umgebung des Gletschers von st\u00e4rkerer Erw\u00e4rmung betroffen. Dieser W\u00e4rme\u00fcberschuss steigert aber seinerseits wieder das Abschmelzen des Gletschers. In der Klimaforschung wird ein solcher, sich selbst verst\u00e4rkender Vorgang, als positive R\u00fcckkopplung bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine starke Kaltfront, die f\u00fcr Schneef\u00e4lle im Hochgebirge sorgen w\u00fcrde, w\u00e4re demnach f\u00fcr die Gletscher zu dieser Jahreszeit Gold wert. Eine frische und damit wei\u00dfe Neuschneeauflage k\u00f6nnte zumindest eine Unterbrechung der diesj\u00e4hrigen Abschmelzperiode bewirken. Allerdings zeigen die aktuellen kurz- und mittelfristigen Wetterprognosen f\u00fcr die letzten Augusttage einen ganz anderen Trend. In den s\u00fcddeutschen Bundesl\u00e4ndern sowie im Ostalpenraum bleibt es sommerlich warm, wobei die Temperatur \u00f6rtlich auch die Marke von 30 Grad \u00fcberschreiten kann. Allerdings sind auch ein paar Schauer und Gewitter dabei. Im Norden Deutschlands wird es zwar nicht ganz so warm, vor\u00fcbergehend stehen am Samstag aber auch dort sommerliche Temperaturen in Aussicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mag.rer.nat. Florian Bilgeri<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.08.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwierige Wochen f\u00fcr die Alpengletscher Mit dem Sp\u00e4tsommer erreicht die Leidenszeit der Gletscher in den Alpen nun den j\u00e4hrlichen H\u00f6hepunkt. 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