{"id":7793,"date":"2017-08-30T13:33:52","date_gmt":"2017-08-30T11:33:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=7793"},"modified":"2017-08-30T13:33:52","modified_gmt":"2017-08-30T11:33:52","slug":"der-indische-sommermonsun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/der-indische-sommermonsun\/","title":{"rendered":"Der indische Sommermonsun"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Der indische Sommermonsun<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDer Sommer auf dem Indischen Subkontinent wird durch den regnerischen S\u00fcdwestmonsun bestimmt. Nachdem in den vergangenen Tagen sintflutartige Niederschl\u00e4ge am Mittel- und Unterlauf des Ganges verheerende \u00dcberschwemmungen mit mehreren hundert Toten verursachten, legt der Monsunregen seit gestern die indische Millionenmetropole Bombay lahm. Das Ausw\u00e4rtige Amt hat f\u00fcr Teile des Bundesstaates Maharashtra eine Reisewarnung herausgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Monsune sind gro\u00dfr\u00e4umige, mit best\u00e4ndigen Winden einher gehende Luftstr\u00f6mungen in den Tropen und niederen Subtropen mit halbj\u00e4hrlichem Richtungswechsel. Ihre Ursache sind die unterschiedliche Erw\u00e4rmung von Meer und Land sowie die damit zusammenh\u00e4ngende, jahreszeitliche Verlagerung der innertropischen Konvergenzzone (ITCZ), einem durch Erw\u00e4rmung der bodennahen Luftschichten und Konvektion verursachten, weltumspannenden Tiefdruckg\u00fcrtel. In S\u00fcd- und S\u00fcdostasien, aber auch in Westafrika, findet man klimapr\u00e4gende regionale Monsune, unter denen der &#8222;indische Monsun&#8220; der gewaltigste ist. Im Gegensatz zu den anderen Monsunsystemen, die man vor allem als gro\u00dfr\u00e4umige Land- und Seewind-Zirkulation auffassen kann, spielen beim indischen Monsun auch dynamische Prozesse in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re eine wichtige Rolle, deren Ursache die besondere Lage des indischen Subkontinents und seine nord\u00f6stliche Begrenzung durch den Himalaya und das sich anschlie\u00dfende Hochland von Tibet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr wandert mit zunehmendem Sonnenstand auf der Nordhemisph\u00e4re die innertropische Konvergenzzone (ITCZ) nach Norden und auch das Festland S\u00fcdasiens erw\u00e4rmt sich stark. \u00dcber dem Tiefland des indischen Subkontinents bildet sich ein ausgedehntes thermisches Tiefdruckgebiet (&#8222;Hitzetief&#8220;). Die umgebenden Meere sind dagegen etwas k\u00fchler, dort herrscht im Bodenniveau h\u00f6herer Luftdruck. Diese bodennahen Druckunterschiede treiben eine gro\u00dffl\u00e4chige Luftstr\u00f6mung in Richtung des s\u00fcdasiatischen Hitzetiefs an &#8211; den indischen Sommermonsun, der etwa von Ende Mai\/Anfang Juni bis Ende September\/Anfang Oktober dauert. Infolge der Coriolis-Kraft werden gro\u00dfr\u00e4umige Horizontalbewegungen auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der S\u00fcdhalbkugel nach links abgelenkt. Dementsprechend wird der Sommermonsun nach der Passage des \u00c4quators zum S\u00fcdwestmonsun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem kann der indische S\u00fcdwestmonsun durch das im Fr\u00fchjahr entstandene Hitzetief \u00fcber S\u00fcdasien (&#8222;Monsuntief&#8220;) eine markante Ostwindkomponente entwickeln (&#8222;bengalischer Ast&#8220; des Monsuns). Dadurch erkl\u00e4rt sich auch das Fortschreiten des in seiner Intensit\u00e4t raum-zeitlich stark variierenden Monsunregengebietes (&#8222;Monsunfront&#8220;) in nordwestlicher Richtung, vom Golf von Bengalen bis zum Aravalli-Gebirge (Rajasthan, Nordwestindien) oder sogar bis zum Indus (Punjab, Pakistan) im Verlaufe der ersten H\u00e4lfte des nordhemisph\u00e4rischen Sommers. Da der (in der Vertikalen etwa 3000 m m\u00e4chtige) indische Sommermonsun \u00fcber weite und relativ warme Meeresfl\u00e4chen weht, kann sich die Luft mit Wasser anreichern. Der Sommermonsun ist also feuchtwarm und bringt dem indischen Subkontinent ergiebige Regenf\u00e4lle (&#8222;Monsunregen&#8220;), die durch Staueffekte an den Gebirgen (z.B. Westghats, Assam-Himalaya) ausgel\u00f6st oder verst\u00e4rkt werden. Jedoch bestehen die Niederschl\u00e4ge des indischen Sommermonsuns keinesfalls nur aus orographisch bedingtem &#8222;Steigungsregen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Betrachtet man n\u00e4mlich die Vorg\u00e4nge in h\u00f6heren Atmosph\u00e4renschichten, so \u00fcbt das mit einer durchschnittlichen H\u00f6he von ca. 4500 m \u00fcber dem Meeresspiegel oft als &#8222;Dach der Welt&#8220; bezeichnete Hochland von Tibet einen besonderen Einfluss auf den indischen Monsun aus. Seine H\u00f6henz\u00fcge und Hochebenen fungieren im Sommer, bei hohem Sonnenstand und durch Schneeschmelze verringertem Reflexionsverm\u00f6gen, quasi als &#8222;Heizfl\u00e4che&#8220;, so dass dort in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re das Geopotential steigt und ein &#8222;thermisches Hochdruckgebiet&#8220; entsteht. Zwischen diesem tibetanischen Hochdruckr\u00fccken und der weiter s\u00fcdlich bzw. s\u00fcdwestlich \u00fcber dem Tiefland des indischen Subkontinents entstandenen, oftmals hoch reichenden &#8222;Monsundepression&#8220; stellt sich in der mittleren und h\u00f6heren Troposph\u00e4re eine \u00f6stliche Str\u00f6mung ein. Die Drehung des Windes mit der H\u00f6he von s\u00fcdwestlichen auf \u00f6stliche Richtungen geht mit einer &#8222;Kaltluftadvektion&#8220; in h\u00f6heren Schichten der Troposph\u00e4re und damit einer Labilisierung der vergleichsweise flachen s\u00fcdwestlichen Monsunstr\u00f6mung einher. So entstehen &#8222;kurzwellige&#8220; tropische St\u00f6rungen, die mit vertikal und horizontal m\u00e4chtigen Gewitterkomplexen verbunden sind und gebietsweise zu einer extremen Intensivierung des Monsunregens beitragen. Dabei spielt nat\u00fcrlich der Tagesgang der Konvektion eine Rolle, d.h. vor allem in der zweiten Tagesh\u00e4lfte und bis in die erste Nachth\u00e4lfte hinein ist der Regen oft schauerartig verst\u00e4rkt bzw. gewittrig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem gestrigen Dienstag verursacht ein Monsuntief \u00fcber Nordindien einmal mehr sintflutartige Regenf\u00e4lle. Dabei registrierte man in der Millionenmetropole Bombay an der Wetterstation Santa Cruz innerhalb von vierundzwanzig Stunden, bis heute 00:00 Uhr UTC, 328 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist auch f\u00fcr die dortigen Verh\u00e4ltnisse viel, betr\u00e4gt doch die langj\u00e4hrige mittlere Niederschlagsmenge f\u00fcr den Monat August 553 L\/m\u00b3 (= mm). Die unten stehende Karte des indischen Subkontinents, unterlegt mit einem infraroten Satellitenbild (10,8 \u00b5m), zeigt das bis in die mittlere Troposph\u00e4re gut ausgepr\u00e4gte Monsuntief am gestrigen Dienstag, den 29.08.2017, um 06:00 Uhr UTC. Dargestellt werden die vom gestrigen 00:00-UTC-Lauf des Vorhersagemodells des ECMWF berechneten Prognosen der geopotentiellen H\u00f6he der 500-hPa-Hauptdruckfl\u00e4che (rote Isolinie, hier 584 gpdam), welche die mittlere Troposph\u00e4re repr\u00e4sentiert, sowie die Isobaren des Bodendruckfeldes (gelbe, gr\u00fcne und blaue Isobaren in hPa). Weiterhin sind die vom selben Modelllauf an den Gitterpunkten kalkulierten Windvektoren, mit dem Betrag der Windgeschwindigkeit in Knoten (engl. Einheitenzeichen [kt], lange Fieder = 10 kt, kurze Fieder = 5 kt, 1 kt = 1,852 km\/h) sowie der Windrichtung, auf der bodennahen 1000-hPa- Hauptdruckfl\u00e4che eingezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Thomas Ruppert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.08.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"7794\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/der-indische-sommermonsun\/img_7690\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690.png\" data-orig-size=\"1097,907\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Der indische Sommermonsun\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690-300x248.png\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690-1024x847.png\" class=\"alignnone size-full wp-image-7794\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690.png\" alt=\"Der indische Sommermonsun\" width=\"1097\" height=\"907\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690.png 1097w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690-300x248.png 300w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690-768x635.png 768w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_7690-1024x847.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1097px) 100vw, 1097px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der indische Sommermonsun Der Sommer auf dem Indischen Subkontinent wird durch den regnerischen S\u00fcdwestmonsun bestimmt. 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