{"id":8201,"date":"2017-11-28T17:16:24","date_gmt":"2017-11-28T15:16:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=8201"},"modified":"2017-11-28T17:16:24","modified_gmt":"2017-11-28T15:16:24","slug":"wetterlagenklassifikation-ein-anderer-blick-auf-den-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wetterlagenklassifikation-ein-anderer-blick-auf-den-winter\/","title":{"rendered":"Wetterlagenklassifikation &#8211; ein anderer Blick auf den Winter!"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Wetterlagenklassifikation &#8211; ein anderer Blick auf den Winter!<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDas Wetter ist immer und \u00fcberall in aller Munde. Doch welche Luftdruckverteilungen bestimmen das Wettergeschehen? Je nach Lage der Hoch- und Tiefdruckgebiete ver\u00e4ndern sich Str\u00f6mungen und somit auch die vorherrschenden Luftmassen &#8211; also die Entscheidung \u00fcber kalt und warm oder trocken und nass.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder kennt ihn, viele erwarten ihn: den Jahresr\u00fcckblick des Wetters! Im Regelfall behandelt er die drei meteorologischen Parameter Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer. Ob regional aufgeschl\u00fcsselt oder doch deutschlandweit g\u00fcltig, werden besondere Ereignisse sowie Mittelwerte und deren Abweichungen detailliert pr\u00e4sentiert. Insgesamt hat diese Art von Klima\u00fcberwachung die Aufgabe, die zur\u00fcckliegende Witterungsperiode zu bewerten. Welche atmosph\u00e4rischen Bedingungen f\u00fcr die vorherrschende Witterung ausschlaggebend waren, wird jedoch oftmals in den Berichten nur sehr kurz abgefasst. Doch gerade die Luftdruckverteilung in Meeresh\u00f6he sowie in der mittleren Troposph\u00e4re (Gro\u00dfwetterlage) in einem gro\u00dfen Gebiet (z.B. Europa plus Teile des Nordatlantiks) und \u00fcber eine Dauer von mehreren Tagen sind f\u00fcr das Wetter von wesentlicher Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemein bestimmt eine Gro\u00dfwetterlage den wesentlichen Charakter eines Witterungsabschnittes und ist daher nachhaltig f\u00fcr die auftretenden Wetterph\u00e4nomene verantwortlich. Mit der Klassifikation dieser wird versucht, ein gewisses Ma\u00df an Systematik bzw. Nachvollziehbarkeit in der Beschreibung des gro\u00dfr\u00e4umigen atmosph\u00e4rischen Zustands zu schaffen. Schon vor mehr als 100 Jahren begann man hierzu die mittlere Luftdruckverteilung in Meeresh\u00f6he, sp\u00e4ter zus\u00e4tzlich die mittleren atmosph\u00e4rischen Verh\u00e4ltnisse in der Troposph\u00e4re bis etwa 5 Kilometer H\u00f6he, heranzuziehen. Anhand dieser werden wiederkehrende atmosph\u00e4rische Str\u00f6mungsmuster, zum Beispiel \u00fcber Europa, zu Gro\u00dfwetterlagen zusammengefasst. Heute gibt es verschiedene Methoden zur Wetterlagen-Klassifikation. Jede definiert ihre eigenen Merkmale, nach denen die Einteilung erfolgt. Der DWD verwendet derzeit 2 Wetterlagenklassifikationen: die subjektiv bestimmten Gro\u00dfwetterlagen nach Hess und Brezowsky f\u00fcr das gro\u00dfe Gebiet Mitteleuropa und die objektive Wetterlagenklassifikation f\u00fcr ein kleineres Gebiet, das im Wesentlichen Deutschland abdeckt. W\u00e4hrend die subjektive Klassifikation lediglich die Luftdruckverteilung im Bodenniveau sowie die Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse untersucht, werden bei der objektiven Analyse aus den Gitterpunktwerten des Modells t\u00e4glich verschiedene Indizes f\u00fcr Windrichtung, Zyklonalit\u00e4t und Feuchtigkeit berechnet und nach bestimmten Grenzwerten eingeteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr gro\u00dfr\u00e4umige statistische Untersuchungen sind die H\u00e4ufigkeitsangaben mancher Gro\u00dfwetterlagen nicht repr\u00e4sentativ, da die Anzahl dieser auch bei der Betrachtung von \u00fcber 100 Jahren zu gering ausf\u00e4llt. Es gibt F\u00e4lle, bei denen die Unterteilung in spezielle, mit R\u00fccksicht auf die Witterungsverh\u00e4ltnisse eng definierte Wetterlagen nicht ben\u00f6tigt wird, ja sogar st\u00f6rend sein kann, so z.B. bei gro\u00dfr\u00e4umigen Zirkulationsuntersuchungen. In diesen F\u00e4llen kann man jeweils mehrere verwandte Gro\u00dfwetterlagen zu Gro\u00dfwettertypen zusammenfassen. Dabei werden schlie\u00dflich nur noch zonale, meridionale sowie gemischte Zirkulationsformen mit antizyklonalen oder zyklonalen Einfluss unterschieden (siehe dazu entsprechende Eintr\u00e4ge im Wetterlexikon auf der Homepage des DWD). Dabei muss ber\u00fccksichtigt werden, dass aus meteorologischer Sicht neben der Str\u00f6mungsrichtung auch die vorwiegende Kr\u00fcmmung der Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnisse (Zirkulationsmuster) f\u00fcr die Witterungsbedingungen entscheidend ist. W\u00e4hrend antizyklonale Kr\u00fcmmung meist eine Wetterberuhigung bedeutet, steht eine zyklonale Kr\u00fcmmung f\u00fcr Hebung, also aufsteigende Luft und entsprechenden Niederschlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit den 90er Jahren dominiert im deutschen bzw. europ\u00e4ischen Winter mehr oder weniger stark ausgepr\u00e4gt eine zyklonale Westlage. Besonders h\u00e4ufig fiel diese in den Wintern 1993\/1994 und 1994\/1995 aus. In beiden Jahren konnte sich analog zur Definition f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit bei relativ milden Temperaturen regenreiches und windiges Wetter in Deutschland festsetzen. Noch w\u00e4rmer war es beispielsweise im Winter 2000\/2001 in dem im Vergleich aller m\u00f6glichen Zirkulationsmuster nach Hess und Brezowsky \u00fcberwiegend S\u00fcdwestlagen auftraten. Bei dieser wird warme Luft aus dem Bereich der Iberischen Halbinsel nach Deutschland gepumpt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kalte und schneereiche Winter bilden seit 1990 dagegen eher die Ausnahme. Zwischen 1990 und 1999 f\u00e4llt lediglich der Winter 1995\/1996 auf, in dem es vor allem in der Nordh\u00e4lfte winterlich zuging. Verantwortlich daf\u00fcr waren die dominierenden Wetterlagen Hoch Nordmeer-Island zyklonal und antizyklonal, sowie Hoch Fennoskandien, antizyklonal. Ab dem Jahre 2009 stehen vor allem die Winter 2009\/2010 und 2010\/2011 f\u00fcr kalte und schneereiche Verh\u00e4ltnisse. Auch in diesen waren analog zum Winter 1995\/1996 Hochdruckgebiete \u00fcber dem Nordmeer oder \u00fcber Fennoskandien wetterbestimmend. Mit Abstrichen kann auch der Winter 2012\/2013 noch dazu gez\u00e4hlt werden. Auff\u00e4llig ist zudem, dass seit 2000 die Wetterlage Trog Mitteleuropa, bei dem ein H\u00f6hentief sowie dessen korrelierende Bodentiefs unser Wetter beherrschten, besonders h\u00e4ufig auftrat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch derzeit dominiert die Wetterlage Trog Mitteleuropa das Wettergeschehen. Dabei erstreckt sich vom Nordmeer \u00fcber Skandinavien und Mitteleuropa hinweg bis in den Mittelmeerraum ein umfangreicher Trog (tiefer Luftdruck in h\u00f6heren Luftschichten). Dieser st\u00fctzt als Konterpart auf dem Atlantik einen R\u00fccken (hoher Luftdruck in h\u00f6heren Luftschichten), der sich bis nach Island ausbreitet. Somit k\u00f6nnen polare Luftmassen angezapft und \u00fcber Skandinavien und die Nordsee s\u00fcdw\u00e4rts bis nach Mitteleuropa gef\u00fchrt werden. Da wir uns noch am Winterbeginn befinden und die Nordsee noch vergleichsweise hohe Temperaturen aufweist, kann die Polarluft zumindest noch etwas erw\u00e4rmt werden. Gleichzeitig saugt sie sich jedoch mit Feuchte voll, die sie \u00fcber Land in Form von schauerartigen Niederschl\u00e4gen abl\u00e4dt. W\u00e4hrend diese aktuell, also ausgangs des Herbstes, in tiefen Lagen meist noch als Regen oder Schneeregen fallen, w\u00fcrde eine solche Wetterlage im Januar oder Februar wohl eine volle Ladung Winter mit Schnee zur Folge haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach derzeitigem Stand soll uns der Fr\u00fchwinter mindestens bis Sonntag erhalten bleiben. Ab Sonntag nehmen die Modellunsicherheiten deutlich zu. Grunds\u00e4tzlich soll sich jedoch allm\u00e4hlich wieder etwas mildere Luft in Deutschland durchsetzen, die den Winter ins h\u00f6here Bergland zur\u00fcckdr\u00e4ngen w\u00fcrde. In der Prognose bzw. Vorhersage der Zirkulationsmuster h\u00e4ufen sich entsprechend ab dem Wochenende wieder West- oder S\u00fcdwestwetterlagen, die Mitte n\u00e4chster Woche mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50% eintreten. Allerdings sind auch die k\u00fchleren Nordwest- oder Nordwetterlagen mit h\u00f6heren Wahrscheinlichkeiten vertreten. Es wird also spannend. Bleibt der Fr\u00fchwinter oder kommt nochmal der Herbst zur\u00fcck?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Lars Kirchh\u00fcbel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.11.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wetterlagenklassifikation &#8211; ein anderer Blick auf den Winter! Das Wetter ist immer und \u00fcberall in aller Munde. Doch welche Luftdruckverteilungen bestimmen das Wettergeschehen? 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