{"id":8875,"date":"2018-02-27T14:36:11","date_gmt":"2018-02-27T12:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=8875"},"modified":"2018-02-27T14:36:11","modified_gmt":"2018-02-27T12:36:11","slug":"februar-1956-ein-leben-wie-in-der-tiefkuehltruhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/februar-1956-ein-leben-wie-in-der-tiefkuehltruhe\/","title":{"rendered":"Februar 1956 &#8211; Ein Leben wie in der Tiefk\u00fchltruhe"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Februar 1956 &#8211; Ein Leben wie in der Tiefk\u00fchltruhe<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDer diesj\u00e4hrige meteorologische Winter endet mit der st\u00e4rksten K\u00e4ltewelle des Winters \u00fcberhaupt. Nochmal ein ganz anderes Kaliber war aber die historische K\u00e4lteperiode im Februar 1956, welche im heutigen Thema des Tages betrachtet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem der bisherige Winter 2017\/18 (Monate Dezember bis Februar) relativ mild ausfiel, endet er aktuell mit einem bemerkenswerten Finale. Schon letzte Woche war in den Medien von der &#8222;russischen K\u00e4ltepeitsche&#8220; die Rede und tats\u00e4chlich frieren wir heute und in den kommenden Tagen bei Dauerfrost. Nachts k\u00f6nnen gebietsweise strenge Fr\u00f6ste unter -15 \u00b0C insbesondere in Regionen ohne Schneedecke (sogenannter Kahlfrost) Sch\u00e4den in der Landschaft verursachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine derartige K\u00e4lteperiode ist Ende Februar zwar durchaus ungew\u00f6hnlich, aber verglichen mit den Wetterbedingungen in den historischen Februarmonaten 1929 und 1956 ziemlich harmlos. Diese Februarmonate waren in weiten Teilen Deutschlands von einer verheerenden K\u00e4lte gepr\u00e4gt. Die Durchschnittstemperatur lag mit -9,6\u00b0C jeweils 10 Grad unter dem langj\u00e4hrigen Mittel (1961-1990). Vielleicht k\u00f6nnen Sie sich zum Vergleich noch an den ziemlich kalten Februar 2012 erinnern, in dem bei eisigen Temperaturen zahlreiche Fl\u00fcsse zu Eis erstarrten und uns seit langem mal wieder gezeigt wurde, was der Winter zu bieten hat. Damals lag die durchschnittliche Februartemperatur allerdings gerade einmal bei -2,5\u00b0C, was verdeutlicht, wie au\u00dfergew\u00f6hnlich die Februare 1929 und 1956 waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um in Deutschland derart kalte Temperaturen zu erreichen, m\u00fcssen viele Faktoren gleichzeitig zusammenspielen. Zum einen muss ein andauerndes Hoch \u00fcber dem Atlantik Tiefdruckgebieten den Weg zu uns versperren, welche normalerweise von Westen feuchte und milde Luft im Gep\u00e4ck haben. Zum anderen m\u00fcssen sowohl Hochdruckgebiete \u00fcber Skandinavien oder Nordosteuropa im Zusammenspiel mit tiefem Luftdruck im Mittelmeerraum mit einer \u00f6stlichen bis nord\u00f6stlichen Str\u00f6mung sibirische Kaltluft nach Deutschland transportieren. Au\u00dferdem kann eine Schneedecke die n\u00e4chtliche Abk\u00fchlung in sternenklaren N\u00e4chten unterst\u00fctzen. All dies war 1956 \u00fcber ganze 4 Wochen der Fall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Monat begann mit einem kr\u00e4ftigen Hoch \u00fcber Skandinavien und einem Tief \u00fcber dem Mittelmeer. Zuvor konnte sich \u00fcber Sibirien ein massiver Kaltluftk\u00f6rper bilden, der sich mit einer strammen Oststr\u00f6mung auf dem Weg nach Deutschland machte, ohne sich deutlich zu erw\u00e4rmen. Dadurch verharrten die Temperaturen selbst tags\u00fcber verbreitet bei -15\u00b0C und bitterkalte N\u00e4chte von teils weit unter -20\u00b0C waren die Folge. Zu dieser Zeit lagen im Flachland nur wenige Zentimeter Schnee, in Teilen Ostdeutschlands war es sogar schneefrei, sodass Kahlfr\u00f6ste dort besonders schlimm zuschlugen. Um den 3. Februar wurde es vor\u00fcbergehend im Nordwesten Deutschlands mit Temperaturen tags\u00fcber knapp \u00fcber dem Gefrierpunkt etwas milder, im S\u00fcden blieb es weiterhin frostig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in den Folgetagen baute sich \u00fcber dem Atlantik ein neues kr\u00e4ftiges Hochdruckgebiet auf, das bis ins Nordmeer vordrang. An dessen Ostflanke zog am 8. Februar ein kleines Schneetief von Norden kommend \u00fcber die Osth\u00e4lfte Deutschlands und lud dort verbreitet satte 10 bis 20 cm Schnee ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab dem 9. Februar kam, verursacht durch ein Hoch \u00fcber Gro\u00dfbritannien und dem Nordatlantik zusammen mit einem Tief \u00fcber dem zentralen Mittelmeer, eine kr\u00e4ftige Nordoststr\u00f6mung in Gang, die erneut extrem kalte Luft nach Deutschland f\u00fchrte. Au\u00dfer im Nordwesten sank die Temperatur \u00fcber der Schneedecke verbreitet auf -20 bis -30\u00b0C. Das f\u00fchrte sogar dazu, dass selbst der Rhein zufror und man in K\u00f6ln trockenen Fu\u00dfes &#8222;\u00fcber Wasser gehen&#8220; konnte, was seither nie mehr m\u00f6glich war. Auch tags\u00fcber herrschten Temperaturen wie in der Tiefk\u00fchltruhe. Beispielsweise betrug am 9. Februar die H\u00f6chsttemperatur (!) in G\u00f6rlitz -21\u00b0C und in der darauf folgenden Nacht wurden in Wasserburg am Inn kaum vorstellbare -35\u00b0C gemessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen dem 13. und 16. Februar kreisten mehrere kleine Tiefs \u00fcber Mitteleuropa und brachten nun auch dem Westen Deutschlands eine ordentliche Packung Schnee (20 bis 40 cm Neuschnee im Flachland). Somit lag nun mit Ausnahme des Nordwestens fast fl\u00e4chendeckend im Tiefland eine 15 bis 30, gebietsweise sogar 50 cm m\u00e4chtige Schneedecke. Zu allem \u00dcberfluss erneuerte sich danach nochmals die Oststr\u00f6mung und es dominierte in weiten Teilen Europas Hochdruckeinfluss. Dauerfrost um -5\u00b0C und eisige N\u00e4chte von -10 bis unter -20\u00b0C waren die Folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst ab dem 25. Februar setzte eine leichte Milderung ein und erste Wetterstationen meldeten positive Temperaturen. Danach stellte sich die Wetterlage grundlegend um und ab dem 27. Februar setzte mit einer sich formierenden Weststr\u00f6mung Tauwetter ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob wir selbst nochmals einen \u00e4hnlich kalten Wintermonat erleben, bleibt abzuwarten. Auch in Zeiten der Klimaerw\u00e4rmung kann es bei \u00e4hnlichen Wetterkonstellationen extreme K\u00e4ltewellen geben. Allerdings kommen solche &#8222;Ausrei\u00dfer&#8220; nur alle 50 bis 100 Jahre einmal vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dipl.-Met. Dr. Markus \u00dcbel<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 27.02.2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Februar 1956 &#8211; Ein Leben wie in der Tiefk\u00fchltruhe Der diesj\u00e4hrige meteorologische Winter endet mit der st\u00e4rksten K\u00e4ltewelle des Winters \u00fcberhaupt. 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