{"id":950,"date":"2015-07-14T14:35:13","date_gmt":"2015-07-14T12:35:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=950"},"modified":"2015-07-14T14:35:13","modified_gmt":"2015-07-14T12:35:13","slug":"juli-2015-eine-klimatologische-zwischenbilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/juli-2015-eine-klimatologische-zwischenbilanz\/","title":{"rendered":"Juli 2015 &#8211; eine klimatologische Zwischenbilanz"},"content":{"rendered":"<h2>Juli 2015 &#8211; eine klimatologische Zwischenbilanz<\/h2>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<p>Keine Frage, der Juli 2015 hat es in sich, so oder so. Sei es das omnipr\u00e4sente, offensichtlich nicht enden wollende Thema &#8222;Griechenland&#8220; oder die Tour de France mit ihren zum Teil schweren St\u00fcrzen, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. V\u00f6llig klar, dass das Wetter da nicht hinten anstehen kann. Auch aus meteorologischer Perspektive hat die Atmosph\u00e4re bisher schon dicke Spuren im laufenden Monat hinterlassen, die f\u00fcr mehr als nur ein paar Schlagzeilen gut waren. Los ging es bei uns in Deutschland mit einer Bullenhitze, die es locker mit den zu dieser Jahreszeit eher in S\u00fcdeuropa auftretenden hohen Temperaturen aufnehmen konnte und schlie\u00dflich in einen Temperaturrekord (auf Basis der Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes DWD) m\u00fcndete: 40,3\u00b0C wurden am Sonntag, den 5. Juli, im unterfr\u00e4nkischen Kitzingen gemessen.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich die Hitze zur\u00fcckgezogen und atlantischen Luftmassen Platz gemacht, die f\u00fcr wechselhaftes und eigentlich typisch mitteleurop\u00e4isches Sommerwetter sorgen. Allerdings &#8211; so viel sei an dieser Stelle schon verraten &#8211; arbeitet die Hitze mit Hochdruck an einem Comeback, was ihr im Laufe der Woche von S\u00fcden her sehr wahrscheinlich auch gelingen wird. Wann es wo wie hei\u00df wird und wie lange das Ganze andauert, dazu in den n\u00e4chsten Tagen mehr. Im heutigen Thema des Tages m\u00f6chte der Verfasser eher r\u00fcckblickend agieren und eine erste klimatologische Zwischenbilanz des laufenden Monats vorstellen. Als Datenbasis dienen dabei knapp 500 Wetterstationen des DWD, wobei sowohl der gestrige Montag (13.07.) als auch der heutige Dienstag (14.07.) noch nicht ber\u00fccksichtigt sind.<\/p>\n<p>Starten wir mit dem Parameter &#8222;Temperatur&#8220;. Da verwundert es nicht, dass die ersten 12 Tage des Julis im Mittel zum Teil deutlich zu warm ausgefallen sind, auch wenn die anf\u00e4nglich markant nach oben schie\u00dfenden Spitzen inzwischen etwas gestutzt wurden. Gemittelt \u00fcber alle Stationen betr\u00e4gt die Abweichung derzeit noch etwa 4,0 Grad gegen\u00fcber dem vielj\u00e4hrigen Mittel von 1961 bis 1990 (20,9\u00b0C vs. 16,9\u00b0C). Die geringsten Abweichungen mit lediglich 1,0 Grad gab es an der k\u00fchlenden Ostsee in Sch\u00f6nhagen (Schleswig-Holstein) sowie am Kap Arkona auf R\u00fcgen. Gleich 7,0 Grad zu warm war es hingegen im rheinland-pf\u00e4lzischen Pirmasens (23,4\u00b0C vs. 16,4\u00b0C), wobei dieser Wert aufgrund seines Alleinstellungsmerkmals noch einer genaueren Pr\u00fcfung bedarf und mit Vorsicht zu betrachten ist. Meist lagen die Abweichungen im S\u00fcdwesten n\u00e4mlich &#8222;nur&#8220; zwischen 5 und 6 Grad, ganz vereinzelt auch mal etwas dar\u00fcber. Der Ort mit dem bisher h\u00f6chsten Monatsmittel jedenfalls liegt ebenfalls in Rheinland-Pfalz und zwar an der s\u00fcdlichen Weinstra\u00dfe. Auf satte 24,9\u00b0C kommt Bad Bergzabern, das entspricht einer Differenz von 5,9 Grad. W\u00e4hrend die Mittelwerte der Temperatur vergleichsweise unspektakul\u00e4r daherkommen (was an der Ber\u00fccksichtigung der n\u00e4chtlichen Temperaturen liegt), zeigt sich die Betrachtung der Tagesh\u00f6chsttemperaturen deutlich interessanter. Dabei ist nicht nur bemerkenswert, dass an diversen Stationen ein Allzeitrekord f\u00fcr den Monat Juli aufgestellt wurde, sondern auch die Tatsache, dass an vielen Orten \u00fcber mehrere Tage hinweg Tagesmaxima von weit \u00fcber 30\u00b0C registriert wurden.<\/p>\n<p>Kommen wir zum heiklen Thema &#8222;Niederschlag&#8220;, der &#8211; wie so oft im Sommer &#8211; ein \u00e4u\u00dferst heterogenes Bild liefert. Das \u00e4ndert aber nichts an der Grundaussage, dass es in weiten Teilen des Landes weiterhin deutlich zu trocken ist, womit die Natur erheblich zu k\u00e4mpfen hat. Betrachtet man nur ein paar n\u00fcchterne Zahlen, sieht die Sache folgenderma\u00dfen aus: Den meisten Regen gab es bisher im kleinen \u00d6rtchen Demker unweit von Stendal (Sachsen-Anhalt). Dort wurden knapp 148 Liter pro Quadratmeter (l\/qm) registriert, das sind fast 300% des vielj\u00e4hrigen Monatsmittels. Offensichtlich wurde Demker von einem oder mehreren, teils kr\u00e4ftigen Gewitterg\u00fcssen getroffen, die zu einer so hohen Menge gef\u00fchrt haben. Abweichungen von mehr als 100% findet man sonst nur sehr selten, so z.B. in Quedlinburg (ebenfalls Sachsen-Anhalt) und Dachwig (Th\u00fcringen), wo jeweils etwa 60 l\/qm gefallen sind (entsprechend 130 bzw. 120%). Die meisten Stationen k\u00f6nnen von solchen Regenmengen nur &#8222;tr\u00e4umen&#8220;, kommen doch nicht wenige noch nicht mal auf zweistellige Niederschlagswerte. Ganz bitter sieht es in Sigmaringen-Laiz an der oberen Donau in Baden-W\u00fcrttemberg aus, wo bisher &#8222;Null-Komma-Nix&#8220; an Regen gefallen ist. Dar\u00fcber hinaus lie\u00dfen sich quasi in allen Bundesl\u00e4ndern Orte finden, die es bisher auch nur auf wenige (einstellige) Liter pro Quadratmeter gebracht haben und somit h\u00e4ufig unter der 10%-Marke gemessen am Monatssoll liegen.<\/p>\n<p>Bliebe abschlie\u00dfend noch der Blick auf die Aktivit\u00e4ten der Sonne, die &#8211; wobei noch nicht mal die H\u00e4lfte des Monats rum ist &#8211; schon \u00fcberdurchschnittlich hohe Pr\u00e4senzzeiten aufzuweisen hat. Am h\u00e4ufigsten war sie im niederbayerischen Straubing zu sehen, wo der Sonnenscheinschreiber auf 149 Stunden kommt, was knapp zwei Drittel des Solls ausmacht. Prozentual noch besser steht das s\u00e4chsische Bad Elster-Sohl mit 145 Stunden da. Dies entspricht knapp 80% des Monatsmittels. Da kann man im kleinen \u00d6rtchen Buchenbach im S\u00fcdschwarzwald nur staunen, belegt dieser Ort mit etwa 78 Stunden nicht nur in der absoluten Betrachtung das Tabellenende, auch prozentual sind gerade mal 31% der niedrigste Wert. Da besteht noch reichlich Luft nach oben, was in den n\u00e4chsten Tagen aber nachhaltig &#8222;in die Hand&#8220; genommen wird.<\/p>\n<p>Ohnehin darf man sehr gespannt sein, was der Juli 2015 wettertechnisch noch so zu bieten hat und wie die Bilanz am Monatsende dann wirklich ausf\u00e4llt. W\u00fcnschenswert w\u00e4ren im Sinne der Natur noch einige (am besten nicht-gewittrige) Regenf\u00e4lle, auch wenn viele Urlauber und die Tourismusbranche das nicht so gerne h\u00f6ren. Wir Meteorologen haben es nicht in der Hand, am Ende entscheidet die Atmosph\u00e4re und somit die Natur selbst.<\/p>\n<p>Dipl.-Met. Jens Hoffmann Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.07.2015<\/p>\n<p>Copyright (c) <a href=\"http:\/\/www.dwd.de\" target=\"_blank\">Deutscher Wetterdienst<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">\u00a0Auswertung Wetterstation Brachwitz Juli 2015<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Eine Hitzewelle mit neuen Rekorden von bis zu 39,9\u00b0C und der Down Burst vom 07.07.2015 machte den Juli 2015 f\u00fcr die Bewohner von Brachwitz nicht leicht, aber unvergesslich.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_866\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_75631.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-866\" data-attachment-id=\"866\" data-permalink=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/juli-2015-eine-klimatologische-zwischenbilanz\/img_7563-jpg-2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_75631.jpg\" data-orig-size=\"2720,1532\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.2&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;iPhone 6&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1436299211&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.15&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;40&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.025&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"IMG_7563.JPG\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Fallb\u00f6e Tornado&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Tornado&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_75631-300x169.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_75631-1024x577.jpg\" class=\"size-large wp-image-866\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_75631-1024x577.jpg\" alt=\"Fallb\u00f6e\" width=\"1024\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_75631-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_75631-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-866\" class=\"wp-caption-text\">Down Burst<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><\/h5>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wetter\/2015\/minmax201507.htm\" width=\"1100\" height=\"900\" frameborder=\"0\" scrolling=\"auto\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juli 2015 &#8211; eine klimatologische Zwischenbilanz Keine Frage, der Juli 2015 hat es in sich, so oder so. 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