{"id":9728,"date":"2018-07-23T13:45:25","date_gmt":"2018-07-23T11:45:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/?p=9728"},"modified":"2018-07-23T13:45:25","modified_gmt":"2018-07-23T11:45:25","slug":"meteotsunamis-tsunamis-im-kleinformat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/meteotsunamis-tsunamis-im-kleinformat\/","title":{"rendered":"Meteotsunamis &#8211; Tsunamis im Kleinformat"},"content":{"rendered":"<div class=\"intro\">\n<h1 class=\"isFirstInSlot\" style=\"text-align: justify;\">Meteotsunamis &#8211; Tsunamis im Kleinformat<\/h1>\n<div class=\"docData news\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"abstract\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Vor einer Woche erlebten Einheimische und Urlauber im Hafen des im Norden Mallorcas gelegenen St\u00e4dtchens Alc\u00fadia ein spektakul\u00e4res, aber gar nicht mal so seltenes Ereignis: Ein sogenannter &#8222;Meteotsunami&#8220; \u00fcberschwemmte dort die Strandpromenade, Gesch\u00e4fte und Restaurants.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"body-text\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens seit dem 26. Dezember 2004 ist der Begriff &#8222;Tsunami&#8220; wohl den meisten Menschen bekannt. Damals f\u00fchrte ein Tsunami, der durch ein unterseeisches Erdbeben in der N\u00e4he der indonesischen Insel Sumatra ausgel\u00f6st wurde, zu einem unfassbar gro\u00dfen Verlust an Menschenleben und materiellen Werten. Er beraubte Millionen von Menschen in den betroffenen L\u00e4ndern rund um den Indischen Ozean ihrer Lebensgrundlage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort &#8222;Tsunami&#8220; wurde durch japanische Fischer gepr\u00e4gt. Diese fanden einst bei der R\u00fcckkehr vom Fischfang im Hafen alles verw\u00fcstet vor, obwohl sie auf der offenen See keine Welle bemerkt hatten. Aus diesem Grund nannten sie die mysteri\u00f6sen Wellen tsu-nami, also &#8222;Welle im Hafen&#8220;. Ausgel\u00f6st wird ein Tsunami durch die pl\u00f6tzliche vertikale Verschiebung des Meeresbodens bei einem unterseeischen Erdbeben. Der dadurch an der Oberfl\u00e4che entstehende &#8222;Berg&#8220; (oder auch das entstehende &#8222;Tal&#8220;) breitet sich &#8211; wie wenn man einen Stein ins Wasser wirft &#8211; als sogenannte Flachwasserwelle in horizontaler Richtung aus. Die anf\u00e4ngliche Wellenh\u00f6he liegt dabei typischerweise bei einigen Dezimetern, die Wellenl\u00e4nge bei 100 bis 300 Kilometern. Unter der Annahme, dass sich die Meerestiefe nicht \u00e4ndert, wandert die Welle praktisch ohne Abschw\u00e4chung mit ihrer Ausbreitungsgeschwindigkeit, die sich \u00fcber die Wurzel des Produkts aus Erdbeschleunigung und Meerestiefe berechnen l\u00e4sst, \u00fcber viele hundert oder tausend Kilometer \u00fcber das Meer. Dort wird sie wegen der gro\u00dfen Wellenl\u00e4nge und der geringen Wellenh\u00f6he &#8211; wie oben bereits erw\u00e4hnt &#8211; nicht wahrgenommen. N\u00e4hert sich die Welle jedoch dem Land, wird im Allgemeinen die Wassertiefe geringer. Dies f\u00fchrt dazu, dass sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit verlangsamt und somit aus energetischen Gr\u00fcnden die Wellenl\u00e4nge k\u00fcrzer und die Wellenh\u00f6he gr\u00f6\u00dfer wird. Auf die Herleitung soll jedoch an dieser Stelle verzichtet werden. Die so betr\u00e4chtlich anwachsenden Wellen verursachen dann beim Auftreffen auf das Land teils erhebliche Sch\u00e4den.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wahrscheinlich weit weniger bekanntes Ph\u00e4nomen sind Meteotsunamis, deren Physik der eines &#8222;normalen&#8220; Tsunamis gleicht. Ausl\u00f6ser der Welle sind jedoch keine Erdbeben, sondern kurzperiodische Luftdruckschwankungen. Eine Luftdruck\u00e4nderung an der Meeresoberfl\u00e4che bewirkt ein Anheben (bei geringer werdendem Luftdruck) oder Absenken (bei Luftdruckanstieg) derselben. Dabei entspricht eine Luftdruck\u00e4nderung um ein Hektopascal einer \u00c4nderung der Wassers\u00e4ule um einen Zentimeter. Meteorologische Ph\u00e4nomene wie beispielsweise die B\u00f6enlinien bei Gewittern erzeugen typischerweise Bodendruckschwankungen von 1 bis 4 hPa innerhalb weniger Minuten, was eine \u00c4nderung des Meeresspiegels von 1 bis 4 cm bedingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese geringe \u00c4nderung w\u00fcrde man nat\u00fcrlich an der K\u00fcste \u00fcberhaupt nicht merken. Dazu bedarf es noch anderer Faktoren: So m\u00fcssen die Druckschwankungen \u00fcber einen gr\u00f6\u00dferen Zeitraum auf die gleichen Stellen der wandernden Flachwasserwelle einwirken. Das ist dann m\u00f6glich, wenn die Druckimpulse mit der gleichen Geschwindigkeit wandern wie die durch sie angeregten Wellen. Diese Bedingung nennt man nach dem britischen Ozeanografen Joseph Proudman auch Proudman-Resonanz. Nimmt man an, die Wassertiefe betr\u00e4gt in K\u00fcstenn\u00e4he (wo Meteotsunamis \u00fcblicherweise entstehen) 100 Meter, so betr\u00e4gt die Ausbreitungsgeschwindigkeit der angeregten Welle 31,3 m\/s (etwa 113 km\/h), eine Geschwindigkeit, die bei B\u00f6enlinien durchaus ebenfalls erreicht wird. \u00dcber dem freien, viel tieferen Ozean ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit deutlich gr\u00f6\u00dfer, die Wasserwellen laufen den Druckst\u00f6rungen also davon. Nach MONSERRAT et al. (2006, Link 2) bewirkt die Resonanz ein Ansteigen der Wellenh\u00f6he um ein Zehnfaches, also bspw. von 4 auf 40 cm. Also braucht man &#8211; zus\u00e4tzlich zum ohnehin immer flacher werdenden Wasser &#8211; noch eine weitere Erscheinung, um einen deutlich erkennbaren Meteotsunami zu generieren: die Hafenresonanz. Dabei muss die in den Hafen, Fjord oder in eine enge Bucht einlaufende Welle die gleiche Schwingungsfrequenz haben wie die Eigenfrequenz des hin und her schwappenden Wassers im Hafenbecken (diese bezeichnet man auch als Seiches (frz.)). Dann kann es insgesamt zu einer deutlichen Amplitudenverst\u00e4rkung kommen, wobei das Wasser im Hafenbecken mitunter erst zur\u00fcckweicht, bevor die Welle kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Bucht von Nagasaki kam es am 31. M\u00e4rz 1979 mit einer Wellenh\u00f6he von 4,78 Metern zu einem ausgesprochen starken Meteotsunami, der auch drei Menschenleben kostete. In Japan werden Meteotsunamis &#8222;abiki&#8220; oder &#8222;yota&#8220; genannt. Ebenfalls besonders heftig traf es am 21. Juni 1978 den kroatischen Hafenort Vela Luka, wo die Welle des &#8222;sciga&#8220; nach Augenzeugenberichten sogar ca. sechs Meter erreicht haben soll! Aber auch in anderen Gegenden der Erde kommt es immer wieder mal zu mehr oder weniger starken Meteotsunamis. Auf Sizilien hei\u00dfen sie &#8222;marrobbio&#8220;, in Malta &#8222;milghuba&#8220; oder eben &#8222;rissaga&#8220; auf den Balearen. Dort gab es vor einer Woche einen Meteotsunami, der in der Bucht von Ciutadella (Menorca) und im nordmallorcinischen St\u00e4dtchen Alc\u00fadia beobachtet wurde. Dort hat die eineinhalb Meter hohe Welle u.a. die Strandpromenade \u00fcberschwemmt (siehe Video unter Link 1). Selbst an Nord- und Ostsee k\u00f6nnen sogenannte &#8222;Seeb\u00e4ren&#8220; auftreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stellt sich nat\u00fcrlich noch die Frage nach der Vorhersagbarkeit solcher Ereignisse. Bei den &#8222;gro\u00dfen&#8220; Tsunamis besteht die Schwierigkeit darin, das Auftreten von Erdbeben vorauszusagen. Kommt es aber zu einem Erdbeben, kann mithilfe einer Kombination von seismischen und ozeanischen Messungen und Vorhersagemodellen die Bev\u00f6lkerung fr\u00fchzeitig gewarnt werden. Bei Meteotsunamis lassen sich zwar die Ursachen &#8211; wie Gewitter mit ihren B\u00f6enlinien &#8211; einigerma\u00dfen gut vorhersagen, allerdings m\u00fcssten zus\u00e4tzlich kleinr\u00e4umige Luftdruck- und Meerespegelschwankungen gemessen werden. Einen Ansatz f\u00fcr ein solches Warnsystem f\u00fcr die Adria liefern SEPIC und VILIBIC (2011, Link 3). Der spanische Wetterdienst (Agencia Estatal de Meteorolog\u00eda) gibt bereits seit 1984 &#8222;Rissaga-Warnungen&#8220; heraus, dies aber eher als Potenzialabsch\u00e4tzung auf Basis der reinen Wettervorhersage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M.Sc. Met. Stefan Bach<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.07.2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright (c) Deutscher Wetterdienst<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meteotsunamis &#8211; Tsunamis im Kleinformat Vor einer Woche erlebten Einheimische und Urlauber im Hafen des im Norden Mallorcas gelegenen St\u00e4dtchens Alc\u00fadia ein spektakul\u00e4res, aber gar nicht mal so seltenes Ereignis: Ein sogenannter &#8222;Meteotsunami&#8220; \u00fcberschwemmte dort die Strandpromenade, Gesch\u00e4fte und Restaurants. <span class=\"excerpt-dots\">&hellip;<\/span> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/meteotsunamis-tsunamis-im-kleinformat\/\"><span class=\"more-msg\">Weiterlesen &rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9729,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[37],"tags":[10073,10075,10074,10077,10076],"yst_prominent_words":[2356,10069,10067,10070,10072,1216,10063,10064,5644,10071,10065,10062,6835,10066,10068,1577,4326,3685,6457,4331],"class_list":["post-9728","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wetterblog","tag-meteotsunami","tag-meteotsunamis","tag-tsunami","tag-tsunamis","tag-tsunamis-im-kleinformat"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/B3225A1F-6D7A-4F64-BED2-50F4FECA3FC6.jpeg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p5DnIb-2wU","jetpack-related-posts":[],"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9728","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9728"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9728\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9730,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9728\/revisions\/9730"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9729"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9728"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9728"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9728"},{"taxonomy":"yst_prominent_words","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hossi-im-netz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/yst_prominent_words?post=9728"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}