Wetterthema des Tages – 02.11.2026
Tau und Reif – wenn die Luftfeuchtigkeit sichtbar wird

Wetterwissen der Wetterstation Brachwitz | Montag, 2. November 2026
An einem klaren Herbstmorgen glitzern unzählige kleine Wassertropfen auf Grashalmen, Blättern und Spinnweben. Die Landschaft wirkt, als hätte es in der Nacht leicht geregnet. Doch der Niederschlagsmesser zeigt keinen einzigen Millimeter an.
An anderen Tagen ist dieselbe Wiese mit einer feinen weißen Schicht überzogen. Blätter tragen winzige Eiskristalle, und auf Autodächern hat sich ein dünner Frostbelag gebildet. Obwohl die Lufttemperatur möglicherweise noch knapp über dem Gefrierpunkt liegt, zeigt sich bereits der erste Reif.
Beide Erscheinungen gehören zu den charakteristischen Begleitern des Herbstes. Sie entstehen durch das Zusammenspiel von Luftfeuchtigkeit, Temperatur, nächtlicher Wärmeabstrahlung und den physikalischen Eigenschaften von Wasser.
Besonders in Flusstälern wie dem Saaletal bei Brachwitz können günstige Bedingungen für Tau- und Reifbildung auftreten. Feuchte Luft, schwacher Wind und die starke nächtliche Abkühlung bodennaher Oberflächen schaffen dort häufig die Voraussetzungen für eindrucksvolle Erscheinungen.
Doch warum bildet sich Tau auf einem Grashalm, während wenige Zentimeter daneben eine andere Oberfläche trocken bleibt? Weshalb kann Reif entstehen, obwohl das Thermometer noch positive Temperaturen anzeigt? Und warum ist eine mit Eiskristallen überzogene Wiese nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die gesamte Luftschicht unter den Gefrierpunkt abgekühlt ist?
Die Antworten liegen in der Energiebilanz einzelner Oberflächen und im Verhalten des Wasserdampfs unmittelbar über ihnen.
Kernaussagen
Tau entsteht, wenn Wasserdampf aus der Umgebungsluft an einer ausreichend kalten Oberfläche zu flüssigem Wasser kondensiert. Dafür muss die Oberfläche so weit abkühlen, dass die unmittelbar angrenzende Luft den Sättigungszustand erreicht.
Der Taupunkt bezeichnet die Temperatur, auf die Luft bei unverändertem Druck und Wasserdampfgehalt abgekühlt werden müsste, damit sie gegenüber flüssigem Wasser gesättigt ist.
Reif entsteht dagegen, wenn Wasserdampf unmittelbar als Eis an einer Oberfläche abgeschieden wird. Diesen direkten Übergang vom gasförmigen in den festen Zustand bezeichnet man als Deposition oder Resublimation.
Auch bereits vorhandener Tau kann bei weiter sinkender Oberflächentemperatur gefrieren. Die dabei entstehende Eisschicht unterscheidet sich in ihrem Bildungsweg von direkt aus Wasserdampf gewachsenem Reif.
Besonders günstig sind klare, windschwache Nächte. Dann können Gräser, Blätter und andere frei liegende Oberflächen durch langwellige Wärmeabstrahlung stärker abkühlen als die Luft in zwei Metern Höhe.
Deshalb kann Bodenfrost auftreten, obwohl die meteorologisch gemessene Lufttemperatur noch oberhalb von null Grad Celsius liegt.
meteorologischer Hintergrund
Die Entstehung von Tau beginnt mit einer grundlegenden Eigenschaft unserer Atmosphäre: Luft enthält nahezu immer Wasserdampf.
Dieser Wasserdampf ist unsichtbar. Er darf nicht mit den sichtbaren Wassertröpfchen von Nebel oder Wolken verwechselt werden.
Wie viel Wasserdampf die Luft enthält, lässt sich beispielsweise durch den Wasserdampfdruck oder die absolute Feuchte beschreiben.
Eine weitere wichtige Größe ist die relative Luftfeuchtigkeit.
Sie gibt an, wie nahe der vorhandene Wasserdampfdruck am Sättigungsdampfdruck bei der jeweiligen Temperatur liegt.
Warme Luft besitzt einen höheren Sättigungsdampfdruck als kalte Luft. Deshalb kann bei gleichbleibendem Wasserdampfgehalt die relative Luftfeuchtigkeit steigen, wenn die Temperatur sinkt.
Erreicht die Luft den Sättigungszustand gegenüber flüssigem Wasser, beträgt ihre relative Luftfeuchtigkeit definitionsgemäß 100 Prozent.
Die entsprechende Temperatur wird als Taupunkttemperatur bezeichnet.
Bei weiterer Abkühlung kann überschüssiger Wasserdampf kondensieren, sofern geeignete Bedingungen für die Tröpfchenbildung vorliegen.
Für die Tauentstehung muss jedoch nicht die gesamte Luftschicht bis zum Taupunkt abkühlen.
Häufig genügt es, wenn eine einzelne Oberfläche deutlich kälter wird als die Umgebungsluft.
Genau das geschieht in klaren Herbstnächten.
Nach Sonnenuntergang nimmt die kurzwellige Energiezufuhr durch die Sonne stark ab. Gleichzeitig geben Boden, Pflanzen, Gebäude und andere Oberflächen weiterhin langwellige Wärmestrahlung ab.
Ein Teil dieser Strahlung wird von der Atmosphäre aufgenommen. Gleichzeitig erhält die Oberfläche langwellige Gegenstrahlung aus ihrer Umgebung.
Entscheidend ist die gesamte Energiebilanz.
Bei wolkenlosem Himmel kann die Strahlungsbilanz besonders stark negativ werden, sodass Oberflächen deutlich abkühlen.
Gräser und dünne Blätter reagieren darauf besonders empfindlich.
Sie besitzen eine vergleichsweise geringe Wärmespeicherfähigkeit und können sich deshalb rasch abkühlen.
Hinzu kommt, dass ihre Oberflächen häufig weitgehend frei zum Himmel ausgerichtet sind.
Dadurch können sie nachts mehr Energie durch Strahlung verlieren, als ihnen durch Wärmeleitung und Luftbewegung zugeführt wird.
Die Temperatur eines Grashalms kann deshalb mehrere Grad unter der Lufttemperatur liegen, die eine Wetterstation in zwei Metern Höhe misst.
Ein Beispiel verdeutlicht diesen Zusammenhang.
Angenommen, die Lufttemperatur beträgt am späten Abend sechs Grad Celsius und der Taupunkt liegt bei vier Grad Celsius.
Kühlt ein Grashalm durch Wärmeabstrahlung auf drei Grad Celsius ab, kann die unmittelbar angrenzende Luft an seiner Oberfläche den Sättigungszustand erreichen.
Wasserdampf kondensiert dann auf dem Grashalm.
Es entstehen kleine Wassertropfen.
Diese Tropfen wachsen durch weitere Kondensation und können sich mit benachbarten Tropfen vereinigen.
Am Morgen erscheinen sie als glitzernder Tau.
Die Umgebungsluft in zwei Metern Höhe muss dabei keineswegs eine relative Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent besitzen.
Entscheidend sind die Bedingungen unmittelbar an der Oberfläche.
Dieser Unterschied erklärt, warum Tau häufig auf Pflanzen auftritt, während andere Gegenstände noch trocken bleiben.
Die Materialeigenschaften spielen ebenfalls eine Rolle.
Ein massiver Stein oder eine dicke Mauer speichert mehr Wärme als ein dünnes Blatt. Solche Oberflächen kühlen sich unter vergleichbaren Bedingungen häufig langsamer ab.
Auch die Wärmeleitung aus dem Untergrund kann die Oberflächentemperatur beeinflussen.
Ein Grashalm ist dagegen nur begrenzt mit einem größeren Wärmespeicher verbunden.
Deshalb können sich Pflanzenoberflächen in klaren Nächten besonders stark abkühlen.
Die Oberflächenbeschaffenheit beeinflusst außerdem, wie sich kondensiertes Wasser verteilt.
Auf wasserabweisenden Oberflächen bilden sich häufig deutlich erkennbare Tropfen.
Auf stärker benetzbaren Oberflächen kann sich das Wasser eher als dünner Film ausbreiten.
Das erklärt, warum Tautropfen auf bestimmten Blättern besonders rund erscheinen.
Sinken die Temperaturen weiter, kann sich anstelle von Tau Reif bilden.
Hier kommt eine weitere physikalische Besonderheit des Wassers ins Spiel.
Wasser kann zwischen seinen drei Aggregatzuständen wechseln: gasförmig, flüssig und fest.
Beim Kondensieren geht Wasserdampf in flüssiges Wasser über.
Beim Gefrieren wird flüssiges Wasser zu Eis.
Bei der Deposition geht Wasserdampf dagegen unmittelbar in Eis über, ohne zuvor eine flüssige Phase zu durchlaufen.
Dieser Vorgang ist für die Bildung von Reif besonders wichtig.
Dazu muss die Oberfläche ausreichend kalt sein und die angrenzende Luft gegenüber Eis einen entsprechenden Sättigungszustand erreichen.
Unterhalb von null Grad Celsius unterscheidet sich der Sättigungsdampfdruck über Eis vom Sättigungsdampfdruck über flüssigem Wasser.
Deshalb ist für die genaue Beschreibung der Reifbildung neben dem Taupunkt auch der sogenannte Frostpunkt beziehungsweise Reifpunkt von Bedeutung.
Er bezeichnet die Temperatur, bei der Luft gegenüber einer Eisoberfläche gesättigt wäre.
Unter geeigneten Bedingungen lagern sich Wassermoleküle direkt an einer kalten Oberfläche an und bilden kleine Eiskristalle.
Diese Kristalle können unterschiedliche Formen annehmen.
Ihre Gestalt hängt unter anderem von der Temperatur, der Feuchtigkeit und den Wachstumsbedingungen ab.
Manchmal entstehen feine Nadeln, manchmal flache Kristallstrukturen oder verzweigte Formen.
Die weiße Erscheinung von Reif entsteht durch die Streuung des Lichts an den zahlreichen kleinen Eisflächen und Grenzflächen.
Besonders eindrucksvoll ist Reif auf Gräsern, Blättern, Zweigen und Spinnweben.
Dort können die Kristalle frei wachsen und werden durch den dunkleren Hintergrund gut sichtbar.
Allerdings muss zwischen direkt entstandenem Reif und gefrorenem Tau unterschieden werden.
Wenn sich zunächst flüssiger Tau bildet und die Oberfläche später unter null Grad Celsius abkühlt, kann dieser Tau gefrieren.
Dabei entsteht ebenfalls eine Eisschicht.
Der physikalische Entstehungsweg ist jedoch ein anderer als bei der direkten Deposition von Wasserdampf.
Auch Raureif beziehungsweise Raueis sollte nicht ohne Weiteres mit gewöhnlichem Reif gleichgesetzt werden.
Bei solchen Ablagerungen können unterkühlte Nebel- oder Wolkentröpfchen eine wichtige Rolle spielen.
Treffen diese flüssigen Tröpfchen auf eine kalte Oberfläche, können sie dort gefrieren und ausgeprägte Eisstrukturen aufbauen.
Besonders an windzugewandten Ästen, Masten oder anderen freistehenden Gegenständen können dadurch auffällige weiße Eisansätze entstehen.
Ein weiterer interessanter Zusammenhang betrifft die Lufttemperatur.
Die meteorologische Standardmessung erfolgt ungefähr zwei Meter über dem Boden.
Diese Temperatur beschreibt jedoch nicht die Temperatur jedes einzelnen Gegenstands in der Umgebung.
Eine Wiese kann sich in einer klaren Nacht so stark abkühlen, dass ihre Oberfläche unter null Grad Celsius fällt, obwohl die Luft in zwei Metern Höhe noch zwei oder drei Grad Celsius warm ist.
In diesem Fall kann Bodenfrost auftreten, ohne dass gleichzeitig Luftfrost gemessen wird.
Gerade im Herbst ist diese Unterscheidung für Gartenbau und Landwirtschaft wichtig.
Empfindliche Pflanzen können Frostschäden erleiden, obwohl die Wetterstation keinen negativen Lufttemperaturwert registriert hat.
Auch die Geländeform beeinflusst die Frostgefahr.
Kalte Luft kann bei schwachem Wind entlang von Hängen abfließen und sich in Senken oder Tälern sammeln.
Dadurch können in tiefer gelegenen Bereichen niedrigere Temperaturen auftreten als auf benachbarten Anhöhen.
Für das Saaletal bei Brachwitz ist dieser Zusammenhang grundsätzlich von Bedeutung.
Die Nähe zum Fluss kann einerseits das Feuchteangebot erhöhen. Andererseits kann die Ansammlung kalter Luft in tiefer gelegenen Bereichen die nächtliche Abkühlung verstärken.
Welche Wirkung im Einzelfall überwiegt, hängt von den jeweiligen Wetterbedingungen ab.
Eine pauschale Aussage, dass es unmittelbar am Fluss immer feuchter oder kälter sein müsse, wäre deshalb nicht richtig.
Auch der Wind besitzt einen erheblichen Einfluss.
Bei schwachem Wind können sich direkt an der Oberfläche ausgeprägte Temperaturunterschiede zur Umgebungsluft entwickeln.
Frischt der Wind auf, wird die bodennahe Luft stärker durchmischt.
Dabei gelangt häufig wärmere Luft aus höheren Schichten an die abgekühlten Oberflächen.
Das kann die weitere Abkühlung begrenzen und die Bildung von Tau oder Reif abschwächen.
Gleichzeitig beeinflusst die Luftbewegung den Transport von Wasserdampf zur Oberfläche.
Die tatsächliche Tau- oder Reifbildung ergibt sich deshalb aus mehreren gleichzeitig ablaufenden Wärme- und Stofftransportprozessen.
Nach Sonnenaufgang verändert sich die Situation erneut.
Die Oberfläche nimmt kurzwellige Sonnenstrahlung auf und erwärmt sich.
Reif kann zunächst schmelzen oder unter geeigneten Bedingungen direkt in Wasserdampf übergehen.
Tau beginnt zu verdunsten, sobald die Energiebilanz und die Feuchtebedingungen dies ermöglichen.
Auf sonnigen Flächen verschwinden die Tropfen deshalb häufig schneller als in schattigen Bereichen.
Besonders an windgeschützten, schattigen Stellen können Tau und Reif dagegen noch lange erhalten bleiben.
Für die Wetterstation Brachwitz bietet dieses Thema interessante Beobachtungsmöglichkeiten.
Aus Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit lässt sich die Taupunkttemperatur berechnen.
Der Vergleich zwischen Lufttemperatur und Taupunkt zeigt, wie nahe die Luft dem Sättigungszustand ist.
Eine geringe Differenz zwischen beiden Werten kann auf günstige Bedingungen für Tau- oder Nebelbildung hinweisen.
Allerdings genügt diese Differenz allein nicht für eine sichere Vorhersage.
Entscheidend sind auch die Oberflächentemperatur, die Strahlungsbilanz, der Wind und die Entwicklung der bodennahen Luftschicht.
Besonders aufschlussreich wäre deshalb eine zusätzliche Temperaturmessung unmittelbar über einer Wiese oder direkt an einer geeigneten Oberfläche.
So ließe sich untersuchen, wie groß der Unterschied zwischen der üblichen Lufttemperaturmessung und der tatsächlichen Temperatur von Pflanzenoberflächen in klaren Herbstnächten ausfällt.
Schon gewusst?
Tau kann sich auch bilden, wenn der Niederschlagsmesser über die gesamte Nacht keinen Regen registriert.
Das liegt daran, dass Tau kein Niederschlag ist, der aus einer Wolke zum Boden fällt.
Das Wasser stammt vielmehr aus dem Wasserdampf der unmittelbar angrenzenden Luft und wird direkt an der Oberfläche abgeschieden.
Für Pflanzen kann diese Feuchtigkeit unter bestimmten Bedingungen durchaus von Bedeutung sein.
Besonders in trockenen Regionen oder während längerer niederschlagsarmer Perioden kann Tau einen zusätzlichen Beitrag zur oberflächennahen Wasserversorgung leisten.
Die tatsächliche Menge ist jedoch meist wesentlich geringer als bei einem ergiebigen Regenereignis.
Ein weiterer interessanter Effekt betrifft Autos.
An klaren Herbstmorgen sind die Dächer und Scheiben abgestellter Fahrzeuge häufig stark beschlagen oder mit Reif überzogen.
Das hängt unter anderem damit zusammen, dass diese Oberflächen durch Wärmeabstrahlung zum Himmel deutlich abkühlen können.
Bei einer überdachten Parkfläche fällt dieser Effekt häufig schwächer aus, weil das Dach die Strahlungsbilanz des Fahrzeugs verändert.
Deshalb kann ein Auto unter einem Carport trocken bleiben, während ein unmittelbar daneben abgestelltes Fahrzeug vollständig mit Tau bedeckt ist.
Auch Spinnweben machen die Vorgänge der nächtlichen Feuchteablagerung besonders sichtbar.
Die feinen Fäden bieten zahlreiche Oberflächen, an denen sich kleine Wassertröpfchen bilden können.
Durch die regelmäßige Struktur des Netzes entstehen dann eindrucksvolle Reihen glitzernder Tropfen.
Bei Reifbildung können sich die Fäden sogar mit winzigen Eiskristallen überziehen.
Besonders bemerkenswert ist schließlich, dass Tau und Reif keine großräumigen Wetterereignisse benötigen.
Sie entstehen häufig durch Prozesse, die sich unmittelbar über dem Boden und auf kleinsten räumlichen Skalen abspielen.
Schon wenige Zentimeter Höhenunterschied oder eine andere Oberflächenbeschaffenheit können darüber entscheiden, ob sich Wassertröpfchen, Eiskristalle oder überhaupt keine sichtbare Feuchtigkeit bilden.
Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Wiesen und Gärten rund um Brachwitz.
Ein glitzernder Grashalm am Morgen erzählt von der nächtlichen Strahlungsbilanz, vom Wasserdampfgehalt der Luft und von der Temperatur einer winzigen Oberfläche.
Tau und Reif machen damit Vorgänge sichtbar, die wir normalerweise nicht unmittelbar wahrnehmen können – den ständigen Austausch von Wasser und Energie zwischen der Atmosphäre und unserer Umwelt.

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