Wetterthema des Tages – 03.09.2026
Nebel – eine Wolke am Boden und eines der spannendsten Phänomene des Herbstes

Wenn sich Landschaften am Morgen plötzlich in ein milchiges Grau verwandeln, Bäume nur noch schemenhaft zu erkennen sind und selbst vertraute Wege völlig anders wirken, hat sich Nebel gebildet. Meteorologisch betrachtet ist Nebel nichts anderes als eine Wolke, die unmittelbar am Erdboden entsteht oder diesen berührt.
Gerade mit dem Übergang vom Sommer zum Herbst werden die Voraussetzungen für Nebel in Mitteleuropa zunehmend günstiger. Die Nächte werden länger, der Boden besitzt mehr Zeit zum Auskühlen und gleichzeitig kann die bodennahe Luft noch relativ viel Feuchtigkeit enthalten. Besonders in Flussniederungen, Senken und Tälern entstehen dann häufig ausgedehnte Nebelfelder.
Auch die Saale und ihre Auen bieten dafür günstige Voraussetzungen. Wasserflächen und feuchte Böden liefern Wasserdampf, während sich die Luft in klaren und windschwachen Nächten stark abkühlen kann.
Doch Nebel entsteht nicht immer auf dieselbe Weise. Entscheidend ist letztlich nur, dass feuchte Luft ihren Sättigungszustand erreicht. Der Weg dorthin kann jedoch sehr unterschiedlich sein.
Kernaussagen
Luft enthält ständig unsichtbaren Wasserdampf. Wie viel davon sie aufnehmen kann, hängt stark von ihrer Temperatur ab. Warme Luft kann wesentlich mehr Wasserdampf enthalten als kalte.
Kühlt feuchte Luft ab, steigt deshalb ihre relative Luftfeuchtigkeit. Wird schließlich eine relative Feuchte von annähernd 100 Prozent erreicht, liegt die Lufttemperatur am Taupunkt.
Nun beginnt Wasserdampf an mikroskopisch kleinen Schwebeteilchen zu kondensieren. Milliarden winziger Wassertröpfchen entstehen.
Befindet sich dieser Vorgang unmittelbar am Boden, sprechen wir von Nebel.
Eine besonders häufige Form ist der Strahlungsnebel. Er entsteht bevorzugt während klarer und windschwacher Nächte, wenn der Boden durch Wärmeabstrahlung stark auskühlt.
Beim Advektionsnebel wird dagegen warme und feuchte Luft über eine deutlich kältere Oberfläche transportiert. Die untersten Luftschichten kühlen dadurch bis zum Taupunkt ab.
Darüber hinaus können Luftmassen miteinander vermischt oder an Berghängen zum Aufsteigen gezwungen werden. Auch dadurch kann Sättigung erreicht und Nebel erzeugt werden.
Meteorologischer Hintergrund
Für die Entstehung von Nebel ist der Taupunkt eine der wichtigsten meteorologischen Größen.
Angenommen, die Lufttemperatur beträgt am Abend 15 Grad und der Taupunkt 10 Grad. Dann muss sich die Luft noch ungefähr um fünf Grad abkühlen, bevor Sättigung erreicht wird.
Ist der Himmel klar, kann der Boden nach Sonnenuntergang besonders effektiv langwellige Wärmestrahlung in Richtung Atmosphäre und Weltraum abgeben.
Die Erdoberfläche kühlt aus.
Anschließend kühlt sie auch die unmittelbar darüberliegende Luft ab.
Sinkt deren Temperatur bis auf den Taupunkt, beginnt die Kondensation. Zunächst können sich einzelne flache Nebelschwaden bilden. Bei weiterer Abkühlung wächst daraus möglicherweise eine geschlossene Nebeldecke.
Dieser sogenannte Strahlungsnebel tritt besonders häufig in Senken und Tälern auf.
Dafür gibt es einen zusätzlichen Grund: Kalte Luft besitzt eine höhere Dichte als warme Luft und fließt deshalb an Hängen nach unten. In tiefer gelegenen Bereichen sammelt sich diese Kaltluft.
Es entstehen regelrechte Kaltluftseen.
Flussniederungen sind zusätzlich begünstigt, weil dort häufig ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Deshalb können Flüsse, Wiesen und Felder im Tal bereits unter dichtem Nebel liegen, während wenige Dutzend Meter höher noch klarer Himmel herrscht.
Eine völlig andere Entstehung besitzt Advektionsnebel.
Hier wird feuchte Luft durch Wind über eine kältere Oberfläche transportiert. Die Luft wird von unten abgekühlt und kann dadurch ihren Taupunkt erreichen.
Diese Nebelart tritt beispielsweise häufig an Küsten auf, kann aber auch über kalten Landflächen oder größeren Gewässern entstehen.
Noch interessanter ist Mischungsnebel.
Treffen zwei Luftmassen mit unterschiedlichen Temperaturen und hoher Feuchtigkeit aufeinander und vermischen sich, kann die entstehende Mischluft gesättigt sein. Wasserdampf kondensiert und Nebel entsteht.
Auch Berge können Nebel erzeugen. Wird feuchte Luft an einem Hang zum Aufsteigen gezwungen, dehnt sie sich mit abnehmendem Luftdruck aus und kühlt ab. Erreicht sie dabei den Taupunkt, entsteht eine Wolke.
Für einen Beobachter auf dem Berg befindet sich diese Wolke jedoch direkt am Boden – er erlebt sie als Nebel.
Nach Sonnenaufgang beginnt häufig der umgekehrte Prozess.
Die Sonnenstrahlung erwärmt den Boden. Dieser erwärmt wiederum die darüberliegende Luft. Mit steigender Temperatur kann die Luft mehr Wasserdampf aufnehmen und die relative Luftfeuchtigkeit sinkt.
Die Nebeltröpfchen verdunsten.
Deshalb lösen sich viele nächtliche Nebelfelder am Vormittag auf.
Das funktioniert allerdings nicht immer. Ist die Nebelschicht mächtig genug, erreicht nur wenig Sonnenenergie den Boden. Dann kann sich die Erwärmung erheblich verzögern und der Nebel bis zum Mittag oder sogar den ganzen Tag bestehen bleiben.
Schon gewusst?
Meteorologen unterscheiden Nebel und Dunst anhand der Sichtweite.
Liegt die horizontale Sichtweite durch winzige Wassertröpfchen unter einem Kilometer, spricht man meteorologisch von Nebel. Bei größeren Sichtweiten handelt es sich in der Regel um feuchten Dunst.
Besonders dichter Nebel kann die Sicht sogar auf wenige Dutzend Meter reduzieren.
Dabei besteht ein Kubikmeter Nebelluft nur aus einer erstaunlich kleinen Menge flüssigen Wassers. Die Wirkung entsteht vor allem deshalb, weil Milliarden mikroskopischer Tröpfchen das Licht in unterschiedlichste Richtungen streuen.
Und noch etwas macht Nebel besonders interessant:
Wer auf einem Hügel über einem Nebelmeer steht, blickt nicht auf ein grundsätzlich anderes Wetterphänomen als bei einer geschlossenen Wolkendecke.
Er betrachtet lediglich eine Wolke von oben, deren Unterseite zufällig bis zum Boden reicht.

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