Wetterthema des Tages – 05.09.2026
Auf dem Weg in den Herbst – warum die Tage jetzt so schnell kürzer werden

Anfang September ist eine Veränderung besonders deutlich zu spüren: Das verfügbare Tageslicht nimmt inzwischen merklich ab. Morgens wird es später hell und am Abend verschwindet die Sonne immer früher hinter dem Horizont. Noch kann die Sonne an freundlichen Tagen für spätsommerliche Wärme sorgen, doch die Voraussetzungen für längere kühle Nächte, Tau und Nebel werden zunehmend günstiger.
Hinter dieser Entwicklung steckt keine Veränderung des Abstandes zwischen Erde und Sonne, sondern vor allem die Neigung der Erdachse. Auf der Nordhalbkugel wandert die scheinbare Sonnenbahn seit der Sommersonnenwende im Juni immer weiter nach Süden. Dadurch werden die Tage kürzer und der Sonnenstand zur Mittagszeit niedriger.
Für unser Wetter ist das wesentlich wichtiger, als es zunächst klingt. Denn weniger Sonnenenergie bedeutet langfristig auch weniger Erwärmung der Erdoberfläche – und damit beginnt eine grundlegende jahreszeitliche Umstellung der Atmosphäre.
Kernaussagen
Seit der Sommersonnenwende nimmt die Tageslänge auf der Nordhalbkugel kontinuierlich ab. Anfang September geschieht das in unseren Breiten besonders auffällig: Von einem Tag zum nächsten gehen mehrere Minuten Tageslicht verloren.
Gleichzeitig steht die Sonne mittags bereits deutlich tiefer als noch im Juni oder Juli. Ihre Strahlen treffen dadurch in einem flacheren Winkel auf den Boden und verteilen ihre Energie auf eine größere Fläche.
Die länger werdenden Nächte geben dem Boden außerdem mehr Zeit, Wärme abzustrahlen. Besonders bei klarem Himmel und schwachem Wind können die Temperaturen deshalb nachts bereits deutlich absinken.
Damit beginnt auch die klassische Zeit für morgendlichen Tau und erste häufiger auftretende Nebelfelder in Flussniederungen und Senken.
Meteorologischer Hintergrund
Die Ursache für unsere Jahreszeiten ist die um ungefähr 23,4 Grad geneigte Erdachse.
Während die Erde innerhalb eines Jahres die Sonne umrundet, bleibt die Orientierung dieser Achse im Raum annähernd erhalten. Dadurch ist im Sommer die Nordhalbkugel stärker zur Sonne geneigt, im Winter dagegen von ihr weg.
Zur Sommersonnenwende erreicht die Sonne bei uns ihren höchsten Mittagsstand und beschreibt gleichzeitig ihren längsten Tagesbogen über dem Horizont.
Danach verändert sich die Situation jeden Tag ein wenig.
Der Sonnenaufgangspunkt wandert am Horizont weiter nach Süden und auch der Sonnenuntergangspunkt verschiebt sich entsprechend. Der Weg der Sonne über den Himmel wird dadurch immer kürzer.
Gleichzeitig sinkt ihre maximale Höhe über dem Horizont.
Das hat unmittelbare Folgen für die Energiebilanz der Erdoberfläche.
Steht die Sonne hoch, trifft ihre Strahlung relativ steil auf den Boden. Dieselbe Energiemenge verteilt sich dann auf eine vergleichsweise kleine Fläche.
Bei niedrigem Sonnenstand trifft das Licht dagegen flacher auf die Oberfläche. Die Energie verteilt sich über eine größere Fläche und die Erwärmungswirkung nimmt ab.
Zusätzlich muss die Sonnenstrahlung bei niedrigem Sonnenstand einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen.
Der entscheidende jahreszeitliche Effekt entsteht deshalb aus zwei Entwicklungen: Die Sonne scheint täglich kürzer und gleichzeitig weniger intensiv auf unsere Breiten.
Trotzdem kann es im September noch ausgesprochen warme Tage geben.
Das liegt unter anderem an der thermischen Trägheit unseres Klimasystems. Böden, Gewässer und besonders die großen Meere haben während des Sommers erhebliche Wärmemengen gespeichert. Diese Energie wird nur langsam wieder abgegeben.
Deshalb folgt die Temperaturentwicklung dem Sonnenstand zeitlich verzögert.
Meteorologen sprechen in diesem Zusammenhang häufig vom jahreszeitlichen Temperaturversatz. Die höchsten Durchschnittstemperaturen treten nicht zur Sommersonnenwende im Juni auf, sondern gewöhnlich einige Wochen später.
Im Herbst funktioniert dieser Effekt umgekehrt.
Obwohl die Sonneneinstrahlung bereits deutlich zurückgeht, befindet sich noch viel Wärme im System. Gelangt zusätzlich warme Luft aus Süd- oder Südwesteuropa nach Deutschland, sind deshalb auch im September noch sommerliche Temperaturen möglich.
Nachts zeigt sich die fortschreitende Jahreszeit jedoch immer deutlicher.
Bei klarem Himmel kann die Erdoberfläche langwellige Wärmestrahlung abgeben. Je länger die Nacht dauert, desto mehr Zeit steht für diese Auskühlung zur Verfügung.
Besonders in windschwachen Nächten können bodennahe Luftschichten dadurch stark abkühlen.
Erreicht die Temperatur den Taupunkt, kondensiert Wasserdampf. Auf Pflanzen und anderen Oberflächen bildet sich Tau. In ausreichend feuchter Luft können gleichzeitig Nebelfelder entstehen.
Flusslandschaften wie das Saaletal besitzen dafür besonders günstige Voraussetzungen.
Damit verändert die kürzer werdende Tageslänge nicht nur unseren Alltag. Sie beeinflusst zunehmend auch die gesamte Wetterküche.
Schon gewusst?
Rund um die Tagundnachtgleiche verändert sich die Tageslänge in unseren Breiten besonders schnell.
Der Grund liegt in der scheinbaren Bewegung der Sonne entlang des Horizonts. Im September verschieben sich Sonnenauf- und Sonnenuntergang von Tag zu Tag besonders deutlich.
Die astronomische Tagundnachtgleiche fällt in diesem Jahr auf den 23. September 2026. Dann überquert die Sonne den Himmelsäquator in südlicher Richtung.
Der Name „Tagundnachtgleiche“ ist allerdings etwas vereinfachend.
Tag und Nacht sind an diesem Datum nicht überall exakt zwölf Stunden lang. Unter anderem durch die Lichtbrechung in der Atmosphäre können wir die Sonne bereits sehen, obwohl sie geometrisch noch knapp unter dem Horizont steht. Auch die Definition von Sonnenauf- und Sonnenuntergang spielt dabei eine Rolle.
Nach der Tagundnachtgleiche geht die Entwicklung unaufhaltsam weiter: Die Nächte werden länger als die Tage.
Erst mit der Wintersonnenwende im Dezember erreicht dieser Prozess seinen Wendepunkt.
Dann beginnt der scheinbare Lauf der Sonne wieder in die andere Richtung – zunächst fast unmerklich, später jedoch von Woche zu Woche deutlicher.
Der Herbst ist deshalb nicht einfach nur eine Zeit sinkender Temperaturen.
Er ist die sichtbare Folge einer gewaltigen astronomischen Veränderung, die sich jeden Tag in wenigen Minuten weniger Tageslicht bemerkbar macht.

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