Wetterthema des Tages 06.08.2026
Tau – warum Wiesen am Morgen glitzern, obwohl es nicht geregnet hat
Thema
Wer früh am Morgen unterwegs ist, kennt das Bild: Gräser, Blätter und Spinnennetze sind mit unzähligen glitzernden Wassertröpfchen bedeckt. Dabei hat es in der Nacht oftmals gar nicht geregnet. Verantwortlich dafür ist der Tau – ein alltägliches, aber meteorologisch äußerst interessantes Phänomen.
Besonders in klaren und windschwachen Sommernächten bildet sich Tau häufig auf Wiesen, Feldern und Fahrzeugen. Für die Landwirtschaft ist er von Bedeutung, da er Pflanzen kurzfristig mit Feuchtigkeit versorgen kann. Gleichzeitig liefert Tau Meteorologinnen und Meteorologen wichtige Hinweise auf die nächtliche Abkühlung und den Feuchtegehalt der Luft.
Kernaussagen
- Tau entsteht nicht durch Niederschlag, sondern durch Kondensation.
- Klare, windschwache Nächte begünstigen die Taubildung.
- Entscheidend ist das Erreichen des Taupunkts.
- Pflanzen, Dächer und Autos kühlen nachts oft stärker aus als die Umgebungsluft.
- Tau kann Vorbote von Nebel sein, muss es aber nicht.
Meteorologischer Hintergrund
Tagsüber erwärmt die Sonne den Erdboden. Nach Sonnenuntergang kehrt sich dieser Prozess um: Der Boden gibt seine Wärme als langwellige Wärmestrahlung an die Atmosphäre und den Weltraum ab. Besonders unter wolkenlosem Himmel geschieht diese Abkühlung sehr effektiv, da keine Wolkendecke vorhanden ist, die einen Teil der Wärmestrahlung zurückhält.
Oberflächen wie Gras, Blätter oder Autodächer kühlen dadurch häufig schneller ab als die Luft in wenigen Metern Höhe. Sinkt ihre Temperatur bis auf den sogenannten Taupunkt, kann die Luft den enthaltenen Wasserdampf nicht mehr vollständig speichern. Der überschüssige Wasserdampf schlägt sich als feine Wassertröpfchen nieder – der Tau entsteht.
Ob sich viel oder wenig Tau bildet, hängt von mehreren Faktoren ab. Eine hohe Luftfeuchtigkeit liefert ausreichend Wasserdampf, während Wind die bodennahe Luft ständig austauscht und die Taubildung oft abschwächt. Deshalb entstehen die größten Taumengen meist in ruhigen Hochdrucklagen mit nahezu windstillen Nächten.
Tau erfüllt in der Natur eine wichtige Funktion. Viele Pflanzen und zahlreiche Insekten nutzen ihn als zusätzliche Wasserquelle. In trockenen Regionen der Erde spielt Tau sogar eine bedeutende Rolle im Wasserhaushalt ganzer Ökosysteme.
Nicht zu verwechseln ist Tau mit Reif. Sinkt die Oberflächentemperatur unter 0 °C, gefriert der Wasserdampf nicht erst nach der Kondensation, sondern lagert sich direkt als Eiskristalle an der Oberfläche ab. Dieser Vorgang wird als Resublimation bezeichnet und führt zur Bildung von Reif.
Meteorologisch liefert die Beobachtung von Tau wertvolle Hinweise auf die nächtliche Energiebilanz der Atmosphäre. Eine ausgeprägte Taubildung deutet häufig auf eine starke Ausstrahlung und eine stabile Wetterlage hin.
💡 Schon gewusst?
Spinnennetze werden am Morgen oft besonders gut sichtbar, weil ihre hauchdünnen Fäden schneller auskühlen als die umgebende Luft. An ihnen kondensiert Wasserdampf besonders leicht, sodass sich unzählige winzige Tautropfen bilden, die das erste Sonnenlicht wie kleine Glasperlen reflektieren.


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