Wetterthema des Tages 13.08.2026
Föhn – wenn der Wind über die Berge geht
Föhn gehört zu den Wettererscheinungen, bei denen sich die Atmosphäre innerhalb erstaunlich kurzer Entfernungen völlig unterschiedlich präsentieren kann. Auf der einen Seite eines Gebirges hängen Wolken an den Hängen, es regnet und die Luft ist kühl. Nur wenige Kilometer weiter können dagegen Sonnenschein, ungewöhnlich hohe Temperaturen, trockene Luft und kräftiger Wind herrschen.
Der klassische Föhn ist zwar vor allem aus den Alpen bekannt, das zugrunde liegende Prinzip ist jedoch keineswegs auf die Alpen beschränkt. Auch an deutschen Mittelgebirgen können föhnähnliche Effekte auftreten. Gerade deshalb eignet sich dieses Phänomen hervorragend, um zu verstehen, wie stark Geländeformen Temperatur, Feuchtigkeit und Wind beeinflussen können.
Aktuell bestimmt in Deutschland allerdings vor allem eine ausgeprägte sommerliche Hochdruck- und Hitzelage das Wetter. Am heutigen Donnerstag, dem 13. August 2026, steigen die Temperaturen vielerorts weiter an. Auch Trockenheit bleibt ein Thema; eine grundlegende Wetterwende zeichnet sich zunächst nicht ab, wenngleich regional Schauer und Gewitter möglich sind.
Kernaussagen
Föhn entsteht, wenn Luft ein Gebirge überströmt und dabei zum Aufsteigen gezwungen wird. Beim Aufstieg sinkt der Luftdruck, die Luft dehnt sich aus und kühlt ab.
Erreicht sie dabei ihren Taupunkt, kondensiert Wasserdampf. Wolken bilden sich und auf der dem Wind zugewandten Luvseite kann Niederschlag fallen.
Nachdem die Luft einen Teil ihrer Feuchtigkeit verloren hat, strömt sie über den Gebirgskamm und sinkt auf der Leeseite wieder ab. Dabei wird sie komprimiert und erwärmt sich.
Das Ergebnis ist häufig ein warmer, trockener und teilweise stürmischer Fallwind. Gleichzeitig kann sich die Bewölkung auf der Leeseite rasch auflösen.
Meteorologischer Hintergrund
Der entscheidende physikalische Vorgang hinter dem Föhn ist die sogenannte adiabatische Temperaturänderung. Steigt ein Luftpaket in der Atmosphäre auf, gelangt es in Bereiche mit niedrigerem Luftdruck. Es dehnt sich aus und benötigt dafür Energie. Diese Energie stammt aus seiner eigenen Wärme – die Luft kühlt ab.
Solange die Luft noch nicht gesättigt ist, beträgt diese Abkühlung näherungsweise etwa ein Grad pro 100 Höhenmeter.
Irgendwann kann die Temperatur den Taupunkt erreichen. Nun beginnt Wasserdampf zu kondensieren. Wolken entstehen und möglicherweise fällt Niederschlag. Bei der Kondensation wird gleichzeitig Wärme frei. Deshalb kühlt gesättigte Luft beim weiteren Aufstieg langsamer ab als trockene Luft.
Auf der Luvseite eines Gebirges kann deshalb eine mächtige Wolkenwand entstehen. Bei kräftiger Strömung fällt dort teilweise ergiebiger Regen oder Schnee.
Überquert die Luft anschließend den Gebirgskamm, hat sie häufig bereits einen erheblichen Teil ihrer Feuchtigkeit verloren. Auf der Leeseite beginnt sie abzusinken.
Jetzt läuft der Prozess gewissermaßen rückwärts: Mit zunehmendem Luftdruck wird das Luftpaket zusammengedrückt und erwärmt sich. Sobald keine Wolkentröpfchen mehr vorhanden sind, beträgt diese Erwärmung ungefähr ein Grad pro 100 Höhenmeter.
Dadurch kann die Luft im Lee eines Gebirges deutlich wärmer ankommen, als sie auf der gegenüberliegenden Seite auf gleicher Höhe war.
Gleichzeitig sinkt die relative Luftfeuchtigkeit kräftig. Deshalb fühlt sich Föhnluft häufig außergewöhnlich trocken an. Die Sicht kann hervorragend werden und weit entfernte Berge erscheinen ungewöhnlich deutlich.
Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Die Luftströmung kann sich beim Überqueren eines Gebirges erheblich beschleunigen. In Tälern und an Berghängen entstehen dadurch teilweise starke Böen oder sogar Föhnstürme.
Besonders bekannt ist der Alpenföhn. Südlich der Alpen kann es dabei beispielsweise regnen, während nördlich des Alpenhauptkamms trockene, warme Luft in die Täler strömt.
Ähnliche Vorgänge gibt es jedoch auch an kleineren Gebirgen. Selbst Harz, Thüringer Wald oder Erzgebirge können bei geeigneter Windrichtung lokale Lee- und Föhneffekte erzeugen. Die Temperaturunterschiede sind dort meist weniger spektakulär als an den Alpen, meteorologisch funktioniert der Mechanismus jedoch nach denselben physikalischen Grundprinzipien.
Schon gewusst?
Föhn kann die Temperatur innerhalb erstaunlich kurzer Zeit verändern. Bei kräftigen Föhnlagen wurden im Alpenraum Temperaturanstiege von mehr als zehn Grad innerhalb weniger Stunden beobachtet.
Noch beeindruckender ist manchmal die Sichtweite. Weil die absinkende Luft immer trockener wird, verschwinden viele kleine Wassertröpfchen und Aerosole aus der unmittelbaren Umgebung. Berge können dadurch scheinbar näher rücken – ein Effekt, der gelegentlich sogar als „Föhnfenster“ bezeichnet wird.
Und Föhn gibt es weltweit: In Nordamerika heißt ein vergleichbarer warmer Fallwind Chinook, in den Rocky Mountains können solche Winde im Winter innerhalb kurzer Zeit Schnee tauen lassen. Physikalisch steckt dahinter dasselbe Prinzip: Luft steigt auf, verliert Feuchtigkeit und kommt auf der anderen Seite des Gebirges wärmer und trockener wieder herunter.


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