Wetterthema des Tages 20.08.2026
Zwischen Sonne und Schauer – warum wechselhaftes Wetter so schwer vorherzusagen ist

Am heutigen Donnerstag, dem 20. August 2026, präsentiert sich Deutschland meteorologisch ausgesprochen abwechslungsreich. Während in Teilen der Mitte längere freundliche und sonnige Abschnitte möglich sind, ziehen im Nordwesten Schauer durch. Im Süden und Südosten ist die Atmosphäre deutlich feuchter und labiler; dort können im Tagesverlauf kräftige Gewitter auftreten. Besonders in Bayern sind Starkregen, Hagel und Sturmböen möglich.
Solche Tage gehören zu den schwierigsten Aufgaben der Wettervorhersage. Ein großflächiges Regengebiet lässt sich meist vergleichsweise gut verfolgen. Einzelne Schauer dagegen können innerhalb weniger Minuten entstehen, wenige Kilometer weiterziehen und ebenso schnell wieder verschwinden. Für einen bestimmten Ort entscheidet deshalb manchmal eine kleine Verschiebung darüber, ob der Nachmittag trocken und sonnig bleibt oder ein kräftiger Regenguss niedergeht.
Kernaussagen
Schauer entstehen überwiegend durch Konvektion. Die Sonne erwärmt den Boden, bodennahe Luft wird wärmer und beginnt aufzusteigen. Ist genügend Feuchtigkeit vorhanden und die Atmosphäre ausreichend labil geschichtet, wachsen Quellwolken.
Ein Schauer ist räumlich wesentlich kleiner als ein klassisches großflächiges Regengebiet. Deshalb kann es an einem Ort kräftig regnen, während wenige Kilometer entfernt die Sonne scheint.
Je größer der Temperaturunterschied zwischen erwärmter bodennaher Luft und vergleichsweise kalter Luft in der Höhe ist, desto leichter kann kräftige Konvektion entstehen.
Genau diese Kleinräumigkeit macht eine exakte Vorhersage von Ort und Zeitpunkt einzelner Schauer selbst mit modernen Wettermodellen schwierig.
Meteorologischer Hintergrund
Die Entstehung eines Sommerschauers beginnt häufig mit einem unscheinbaren Vorgang: Sonnenstrahlung trifft auf die Erdoberfläche.
Felder, Wälder, Häuser und Straßen erwärmen sich unterschiedlich stark. Dunkle und trockene Flächen können besonders viel Wärme aufnehmen. Dadurch entstehen bereits auf wenigen Kilometern Entfernung kleine Temperaturunterschiede.
Die darüberliegende Luft wird ebenfalls erwärmt. Ein wärmeres Luftpaket besitzt eine geringere Dichte als seine Umgebung und beginnt aufzusteigen.
Mit zunehmender Höhe nimmt der Luftdruck ab. Das Luftpaket dehnt sich aus und kühlt dabei ab.
Erreicht seine Temperatur schließlich den Taupunkt, beginnt Wasserdampf zu kondensieren. Eine Quellwolke wird sichtbar.
Damit ist jedoch noch längst nicht entschieden, ob daraus tatsächlich ein Schauer entsteht.
Trifft das aufsteigende Luftpaket auf eine wärmere und stabile Luftschicht, wird seine Bewegung gebremst. Die Wolke bleibt klein oder löst sich sogar wieder auf.
Befindet sich dagegen relativ kalte Luft oberhalb der warmen bodennahen Luft, kann der Auftrieb weitergehen. Die Wolke wächst immer höher.
Bei ausreichender Feuchtigkeit entstehen schließlich Niederschlagsteilchen. Regentropfen fallen aus der Wolke und ein Schauer beginnt.
Dabei entwickelt die Wolke ihr eigenes kleines Windsystem. Aufsteigende warme Luft bildet den Aufwind, während Niederschlag kühlere Luft nach unten transportiert. Dieser Abwind erreicht den Boden und breitet sich seitlich aus.
Dadurch kann ein kräftiger Schauer seine Umgebung sogar selbst verändern.
Genau hier beginnt das Problem für Wettermodelle.
Ein typischer Sommerschauer kann nur wenige Kilometer groß sein. Selbst hochauflösende Vorhersagemodelle können nicht jedes einzelne aufsteigende Luftpaket exakt simulieren.
Meteorologen können deshalb häufig sehr zuverlässig sagen, dass in einer Region Schauer entstehen werden. Wesentlich schwieriger ist die Frage, ob ein bestimmtes Dorf um 15:20 Uhr getroffen wird oder der Schauer fünf Kilometer weiter östlich vorbeizieht.
Die aktuelle Wetterlage zeigt diese Unterschiede besonders deutlich. Im Nordwesten und in der Nordhälfte sind heute wiederholt Schauer und einzelne Gewitter möglich. Im Süden und Südosten können Gewitter deutlich kräftiger ausfallen, während Sachsen-Anhalt nach aktuellen Vorhersagen überwiegend trocken bleibt und lediglich einzelne Schauer möglich sind.
Schon gewusst?
Ein kräftiger Sommerschauer kann seine eigene Lebensdauer teilweise selbst begrenzen.
Der Niederschlag zieht kalte Luft aus der Wolke nach unten. Erreicht diese den Boden, breitet sie sich aus und unterbricht irgendwann die Zufuhr der warmen Luft, von der die Wolke lebt.
Der Schauer nimmt anschließend wieder ab.
Doch damit muss die Geschichte nicht beendet sein.
An der Vorderkante dieser ausströmenden Kaltluft wird die Umgebungsluft angehoben. Dort kann wenige Kilometer entfernt eine neue Quellwolke entstehen – und der nächste Schauer entwickelt sich.
So können an wechselhaften Sommertagen regelrechte Schauerstraßen entstehen.
Wer dann auf das Regenradar schaut, sieht scheinbar ständig neue Niederschlagszellen auftauchen. Das ist kein Fehler der Vorhersage: Die Atmosphäre produziert diese Schauer tatsächlich erst während des Tages – und genau das macht wechselhaftes Wetter meteorologisch so spannend.

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