Wetterthema des Tages – 27.10.2026
Abendrot und Morgenrot – warum der Himmel seine Farben verändert

Wetterwissen der Wetterstation Brachwitz | Dienstag, 27. Oktober 2026
Wenn die Sonne am Abend langsam hinter dem Horizont verschwindet, verwandelt sich der Himmel manchmal in ein eindrucksvolles Farbenspiel. Gelbe, orangefarbene und tiefrote Lichtstreifen breiten sich über den Horizont aus. Wolken, die wenige Stunden zuvor noch weiß oder grau erschienen, leuchten plötzlich in kräftigen Rot- und Rosatönen.
Besonders über offenen Landschaften, Flusstälern und weiten Feldern lassen sich solche Erscheinungen gut beobachten. Auch über der Saale bei Brachwitz können sich bei geeigneten Bedingungen faszinierende Lichtstimmungen entwickeln, wenn sich die untergehende Sonne in der Wasseroberfläche spiegelt und die Wolken von unten beleuchtet.
Doch hinter diesem Naturschauspiel steckt weit mehr als eine schöne Abendstimmung.
Die Farben des Himmels entstehen durch das Zusammenspiel von Sonnenlicht, Luftmolekülen, winzigen Schwebeteilchen und dem Weg, den das Licht durch die Erdatmosphäre zurücklegen muss.
Interessanterweise erklärt derselbe physikalische Vorgang sowohl das Blau des Tageshimmels als auch das intensive Rot eines Sonnenuntergangs.
Darüber hinaus kann die Färbung des Himmels unter bestimmten Bedingungen Hinweise auf die Verteilung von Wolken und die großräumige Wetterentwicklung geben.
Kernaussagen
Das sichtbare Sonnenlicht besteht aus elektromagnetischer Strahlung unterschiedlicher Wellenlängen. Für das menschliche Auge erscheinen diese gemeinsam überwiegend weiß.
Beim Durchgang durch die Atmosphäre wird ein Teil des Sonnenlichts an Luftmolekülen und anderen Teilchen gestreut. Dabei ändert das Licht seine Ausbreitungsrichtung.
Kürzere Wellenlängen, insbesondere blaues und violettes Licht, werden an den kleinen Luftmolekülen wesentlich stärker gestreut als langwelliges rotes Licht.
Steht die Sonne hoch am Himmel, erreicht uns aus vielen Richtungen überwiegend kurzwelliger gestreutes Licht. Deshalb erscheint der Himmel tagsüber blau.
Bei tief stehender Sonne verlängert sich der Weg des Sonnenlichts durch die Atmosphäre erheblich. Ein großer Teil des blauen Lichts wird aus der direkten Sichtlinie herausgestreut. Orangefarbene und rote Anteile gewinnen dadurch relativ an Bedeutung.
Aerosole, Staub, Rauch und Wolkentröpfchen beeinflussen zusätzlich die Himmelsfarben. Sie können Sonnenauf- und Sonnenuntergänge intensivieren, aber auch abschwächen oder trüben.
Die bekannte Bauernregel „Abendrot – Gutwetterbot, Morgenrot – Schlechtwetter droht“ besitzt unter bestimmten Wetterlagen einen meteorologischen Hintergrund. Sie ist jedoch keine zuverlässige allgemeingültige Wettervorhersage.
Meteorologischer Hintergrund
Um die Entstehung von Morgen- und Abendrot zu verstehen, müssen wir zunächst das Sonnenlicht betrachten.
Obwohl uns das Licht der Sonne gewöhnlich weiß erscheint, setzt es sich aus vielen unterschiedlichen Wellenlängen zusammen.
Der für den Menschen sichtbare Bereich reicht ungefähr von 380 bis 780 Nanometern.
Am kurzwelligen Ende befinden sich violette und blaue Farbtöne, während orangefarbenes und rotes Licht längere Wellenlängen besitzt.
Solange sich Licht ungestört durch den nahezu luftleeren Weltraum bewegt, werden diese Farbanteile nicht auf dieselbe Weise wie in der Atmosphäre auseinander gestreut.
Erst beim Eintritt in die Erdatmosphäre kommt es zu zahlreichen Wechselwirkungen mit Gasen und Schwebeteilchen.
Die Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Stickstoff und Sauerstoff. Ihre Moleküle sind wesentlich kleiner als die Wellenlängen des sichtbaren Lichts.
Trifft Sonnenlicht auf diese Moleküle, wird ein kleiner Teil der elektromagnetischen Strahlung in andere Richtungen gestreut.
Diesen Vorgang bezeichnet man als Rayleigh-Streuung.
Eine entscheidende Eigenschaft dieser Streuung ist ihre starke Abhängigkeit von der Wellenlänge.
Vereinfacht nimmt die Streuintensität mit der vierten Potenz der abnehmenden Wellenlänge zu.
Das bedeutet: Blaues Licht wird wesentlich stärker gestreut als rotes Licht.
Deshalb gelangt bei klarem Himmel aus vielen Richtungen des Himmels besonders viel gestreutes blaues Licht in unsere Augen.
Der Himmel erscheint blau.
Warum sehen wir dann keinen violetten Himmel, obwohl violettes Licht noch stärker gestreut wird?
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Zum einen ist das menschliche Auge im blauen Spektralbereich empfindlicher als im violetten. Zum anderen ist die spektrale Zusammensetzung des Sonnenlichts von Bedeutung.
Zusätzlich wird ein Teil des kurzwelligen Lichts bereits in höheren Atmosphärenschichten beeinflusst.
Aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren ergibt sich die charakteristische blaue Himmelsfarbe.
Wenn sich die Sonne dem Horizont nähert, verändern sich die geometrischen Bedingungen.
Während die Sonnenstrahlen zur Mittagszeit einen vergleichsweise kurzen Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, müssen sie bei tiefem Sonnenstand eine wesentlich längere Strecke durchlaufen.
Das Licht passiert dadurch eine größere Menge an Luftmolekülen und Schwebeteilchen.
Auf diesem verlängerten Weg wird ein erheblicher Teil der kurzwelligen blauen und violetten Strahlung aus dem direkten Sonnenlicht herausgestreut.
Die längerwelligen orangefarbenen und roten Lichtanteile bleiben vergleichsweise stärker erhalten.
Die Sonne erscheint deshalb beim Untergang häufig gelb, orange oder tiefrot.
Die gleiche physikalische Erklärung gilt für den Sonnenaufgang.
Dabei ist wichtig, zwischen der Farbe der Sonnenscheibe und der Farbe des umgebenden Himmels zu unterscheiden.
Die rötliche Sonnenscheibe entsteht vor allem durch die wellenlängenabhängige Abschwächung des direkten Sonnenlichts.
Die farbigen Himmelsbereiche und beleuchteten Wolken entstehen dagegen durch eine Kombination aus Streuung und der Beleuchtung durch das bereits veränderte Sonnenlicht.
Wolken spielen bei besonders eindrucksvollen Sonnenuntergängen eine wichtige Rolle.
Sie bestehen aus winzigen Wassertröpfchen oder Eiskristallen.
Diese Teilchen sind häufig deutlich größer als einzelne Luftmoleküle.
Für ihre Wechselwirkung mit dem Sonnenlicht sind deshalb andere Streumechanismen bedeutsam, insbesondere die Mie-Streuung und weitere optische Effekte.
Wolkentröpfchen streuen die sichtbaren Wellenlängen wesentlich gleichmäßiger als Luftmoleküle.
Deshalb erscheinen viele Wolken tagsüber weiß.
Wenn die tief stehende Sonne jedoch überwiegend orangefarbenes oder rotes Licht liefert, können die Wolken dieses Licht streuen und entsprechend gefärbt erscheinen.
Besonders eindrucksvoll wird das Schauspiel, wenn die Sonne bereits sehr tief steht und die Unterseiten höher gelegener Wolken beleuchtet.
Dann können intensive rote und rosafarbene Wolkenfelder entstehen, während die Landschaft darunter bereits im Schatten liegt.
Die Wolkenhöhe beeinflusst dabei, wie lange eine Wolke nach dem Sonnenuntergang noch direktes Sonnenlicht empfangen kann.
Höhere Wolken bleiben oft länger beleuchtet als tiefere Wolkenschichten.
Deshalb können beispielsweise Cirruswolken noch leuchten, wenn die Sonne für einen Beobachter am Boden bereits untergegangen ist.
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist die Konzentration von Aerosolen.
Als Aerosole bezeichnet man winzige feste oder flüssige Teilchen, die in der Atmosphäre schweben.
Dazu gehören beispielsweise Staub, Meersalz, Rauchpartikel und bestimmte Luftschadstoffe.
Auch natürliche Ereignisse wie Vulkanausbrüche können größere Mengen von Aerosolen in die Atmosphäre einbringen.
Diese Teilchen beeinflussen die Streuung und Abschwächung des Sonnenlichts.
Je nach Größe, Zusammensetzung und Konzentration können sie die Farbwirkung eines Sonnenuntergangs deutlich verändern.
Eine mäßige Aerosolbelastung kann bestimmte Rot- und Orangetöne verstärken.
Bei sehr hoher Teilchenkonzentration kann der Himmel dagegen milchig oder trüb erscheinen. Die Sonne verliert dann an Helligkeit und wirkt manchmal wie eine mattrote Scheibe.
Ein besonders intensives Abendrot ist daher nicht automatisch ein Zeichen außergewöhnlich sauberer Luft.
Die atmosphärischen Bedingungen können sehr unterschiedlich sein.
Auch die Luftfeuchtigkeit spielt indirekt eine Rolle.
Bei hoher Feuchtigkeit können Aerosolteilchen Wasser aufnehmen und wachsen.
Dadurch verändern sich ihre optischen Eigenschaften.
Das kann die Lichtstreuung verstärken und den Himmel in Horizontnähe heller, weißlicher oder dunstiger erscheinen lassen.
Doch lässt sich aus einem roten Himmel tatsächlich das Wetter vorhersagen?
Die bekannte Bauernregel über Morgen- und Abendrot beruht auf Beobachtungen, die unter bestimmten Bedingungen durchaus nachvollziehbar sind.
In den mittleren Breiten Europas verlagern sich viele großräumige Wettersysteme überwiegend von Westen nach Osten.
Wenn am Abend die Sonne im Westen durch einen wolkenarmen Bereich scheint und Wolken im Osten rötlich beleuchtet, kann dies mit einer Wetterbesserung von Westen zusammenhängen.
Ein solches Abendrot kann daher gelegentlich ein Hinweis auf freundlicheres Wetter sein.
Beim Morgenrot befindet sich die Sonne dagegen im Osten.
Wenn ihre Strahlen Wolken im Westen beleuchten, kann sich dort unter Umständen ein herannahendes Wolken- oder Frontensystem befinden.
In einer solchen Situation wäre eine spätere Wetterverschlechterung denkbar.
Diese Erklärung funktioniert allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Die Zugrichtung der Wettersysteme muss passen, und die Wolkenverteilung muss tatsächlich mit der Entwicklung einer Wetterfront zusammenhängen.
Bei stationären Hochdrucklagen, wechselnden Windrichtungen oder komplexen Wolkenfeldern verliert die Regel erheblich an Aussagekraft.
Ein kräftiges Abendrot kann deshalb ebenso vor einem regnerischen Tag auftreten wie ein Morgenrot vor länger anhaltendem Sonnenschein.
Die Himmelsfarbe allein reicht nicht aus, um die weitere Wetterentwicklung zuverlässig vorherzusagen.
Für die Wetterstation Brachwitz wäre die systematische Beobachtung solcher Erscheinungen dennoch interessant.
Werden Sonnenauf- und Sonnenuntergänge regelmäßig fotografiert, lassen sich unterschiedliche Wolkenarten, Aerosolbedingungen und Lichtstimmungen dokumentieren.
In Verbindung mit Luftdruck, Windrichtung und Bewölkungsentwicklung könnten solche Aufnahmen helfen, bestimmte Wetterlagen besser zu verstehen.
Gerade im Herbst entstehen häufig besonders reizvolle Kombinationen aus tiefem Sonnenstand, Wolkenfeldern und Dunstschichten.
Die Sonne steht zu dieser Jahreszeit auch tagsüber niedriger als im Hochsommer.
Dadurch verändert sich der Weg des Sonnenlichts durch die Atmosphäre und damit die Lichtwirkung der Landschaft.
Das warme Licht eines Herbstnachmittags ist somit nicht nur eine subjektive Wahrnehmung, sondern besitzt eine physikalische Grundlage.
Schon gewusst?
Ein besonders interessantes Phänomen ist der sogenannte Purpurlichtbogen.
Nach Sonnenuntergang kann oberhalb des westlichen Horizonts gelegentlich ein rosafarbener bis purpurfarbener Bereich erscheinen.
Seine Entstehung hängt mit komplexen Streuprozessen in der Atmosphäre zusammen.
Auch der sogenannte Erdschatten lässt sich unter geeigneten Bedingungen beobachten.
Kurz nach Sonnenuntergang steigt am östlichen Horizont ein dunkler, bläulich-grauer Bereich auf.
Dabei handelt es sich um den Schatten, den die Erde auf ihre eigene Atmosphäre wirft.
Oberhalb dieses dunklen Bereichs kann ein rosafarbener Streifen sichtbar werden, der als Venusgürtel bezeichnet wird.
Er entsteht durch Sonnenlicht, das noch höhere Atmosphärenschichten erreicht und dort gestreut wird.
Diese Erscheinung lässt sich besonders gut beobachten, wenn der östliche Horizont frei und die Luft ausreichend klar ist.
Auch über dem Saaletal kann sich ein solcher Farbverlauf zeigen.
Während die Sonne im Westen untergeht, färbt sich der gegenüberliegende Himmel zunächst zartrosa und später zunehmend blaugrau.
Wer diese Veränderungen aufmerksam verfolgt, kann innerhalb weniger Minuten mehrere unterschiedliche optische Erscheinungen beobachten.
Ein weiterer bemerkenswerter Zusammenhang betrifft die Jahreszeiten.
Im Herbst und Winter steht die Sonne über Deutschland deutlich niedriger als im Sommer.
Dadurch sind die Lichtwege durch die Atmosphäre bei vergleichbaren Tageszeiten häufig länger, und die Landschaft wird von flacher einfallendem Sonnenlicht beleuchtet.
Das erklärt, warum selbst der Nachmittag im Spätherbst manchmal eine Lichtstimmung besitzt, die im Hochsommer erst kurz vor Sonnenuntergang auftritt.
Die Farben des Himmels sind damit weit mehr als ein dekoratives Naturschauspiel.
Sie machen sichtbar, wie Sonnenlicht mit der Atmosphäre wechselwirkt.
Jeder Sonnenaufgang und jeder Sonnenuntergang ist gewissermaßen ein natürliches Experiment, bei dem Luftmoleküle, Aerosole, Wolken und Sonnenstand gemeinsam das Ergebnis bestimmen.
Wer den Himmel über Brachwitz aufmerksam betrachtet, kann diese physikalischen Vorgänge Tag für Tag mit eigenen Augen beobachten.

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