Wetterthema des Tages – 25.09.2026
Altweibersommer – wenn der September noch einmal den Sommer zurückholt

Der astronomische Herbst hat gerade erst begonnen, doch das Wetter hält sich nicht an den Kalender. Zum Ende dieser Septemberwoche zeichnet sich in Deutschland eine Wetterlage ab, die geradezu beispielhaft für einen spätsommerlichen Schönwetterabschnitt ist: Der Hochdruckeinfluss nimmt zu, vielerorts wird es trocken und sonnig und gleichzeitig gelangt zunehmend wärmere Luft nach Mitteleuropa. Besonders am Wochenende können die Temperaturen noch einmal deutlich steigen. Im Süden und Südwesten sind dabei sogar sommerliche Werte möglich. oai_citation:0‡wetter.com
Solche ruhigen und warmen Wetterperioden im Frühherbst werden umgangssprachlich häufig als Altweibersommer bezeichnet. Meteorologisch handelt es sich dabei allerdings nicht um eine exakt definierte Wetterlage. Gemeint ist vielmehr eine Phase mit stabilem Hochdruckwetter, viel Sonnenschein, häufig kühlen Nächten und noch einmal angenehm warmen Nachmittagen.
Gerade dieser große Unterschied zwischen Morgen und Nachmittag gehört zu den typischen Merkmalen solcher Tage. Nachts kann die Temperatur bei klarem Himmel bereits kräftig absinken. Nach Sonnenaufgang erwärmt sich die Luft dagegen rasch, sodass zwischen dem morgendlichen Tiefstwert und dem nachmittäglichen Höchstwert beträchtliche Unterschiede liegen können.
Kernaussagen
Ein Altweibersommer ist kein fest definierter meteorologischer Zeitraum, sondern bezeichnet eine beständige, trockene und häufig ungewöhnlich warme Schönwetterphase im Frühherbst.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist meist ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa oder dessen Umgebung.
Innerhalb eines Hochdruckgebietes sinkt Luft großräumig ab. Beim Absinken gelangt sie in Bereiche höheren Luftdrucks, wird zusammengedrückt und erwärmt sich. Dadurch sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit und vorhandene Wolken können sich auflösen.
Gleichzeitig kann die Lage eines Hochs dafür sorgen, dass mit südlichen oder südwestlichen Luftströmungen warme Luftmassen aus Süd- und Südwesteuropa nach Deutschland gelangen.
Trotz warmer Nachmittage können die Nächte bereits empfindlich kühl werden. Die Sonne steht Ende September deutlich niedriger als im Hochsommer und die Nächte sind wesentlich länger.
Meteorologischer Hintergrund
Hochdruckgebiete gehören zu den wichtigsten Schönwettermachern unserer Breiten.
Dabei ist allerdings nicht allein der hohe Luftdruck am Boden entscheidend. Wichtig sind vielmehr die dreidimensionalen Luftbewegungen innerhalb des Hochdrucksystems.
In höheren Schichten der Atmosphäre strömt Luft in den Bereich des Hochs hinein und beginnt großräumig abzusinken.
Beim Absinken steigt der Umgebungsdruck. Das Luftpaket wird zusammengedrückt und erwärmt sich dabei, ohne dass ihm von außen zusätzliche Wärme zugeführt werden muss. Meteorologen sprechen von adiabatischer Erwärmung.
Dieser Prozess besitzt eine wichtige Folge.
Mit steigender Temperatur kann Luft mehr Wasserdampf aufnehmen, bevor sie gesättigt ist. Die relative Luftfeuchtigkeit sinkt deshalb beim Absinken.
Vorhandene Wolkentröpfchen verdunsten und Wolken lösen sich zunehmend auf.
Aus diesem Grund verbinden wir Hochdruckgebiete häufig mit blauem Himmel und Sonnenschein.
Doch ein Hoch allein garantiert noch keine hohen Temperaturen.
Entscheidend ist zusätzlich, woher die Luft nach Deutschland gelangt.
Liegt das Hoch günstig über Mittel- oder Osteuropa, kann an seiner Westseite Luft aus südlichen und südwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa strömen.
Dann gelangt Luft, die zuvor über Frankreich, der Iberischen Halbinsel oder dem westlichen Mittelmeerraum lag, weiter nach Norden.
Genau dadurch kann selbst Ende September noch einmal ausgesprochen warme Luft Deutschland erreichen.
Die aktuelle Entwicklung zeigt diesen Mechanismus besonders anschaulich. Nach einem zunächst regional noch wechselhafteren Abschnitt steigt der Hochdruckeinfluss. Gleichzeitig wird für das letzte Septemberwochenende verbreitet sonnigeres und wärmeres Wetter erwartet. Besonders im Süden und Südwesten können die Temperaturen deutlich über 25 Grad steigen, örtlich werden sogar Werte um 30 Grad diskutiert. oai_citation:1‡wetter.com
Trotzdem unterscheidet sich ein solcher Spätsommertag deutlich von einem Hochsommertag im Juli.
Ende September steht die Sonne bereits erheblich niedriger über dem Horizont.
Die Sonnenstrahlen treffen flacher auf die Erdoberfläche. Dadurch verteilt sich dieselbe Strahlungsenergie auf eine größere Fläche und die Erwärmung fällt schwächer aus.
Gleichzeitig hat die Nacht inzwischen wieder deutlich mehr Zeit, den Boden auszukühlen.
Unter einem klaren Hochdruckhimmel kann die Erdoberfläche nachts besonders effektiv langwellige Wärmestrahlung abgeben.
Deshalb sind große Tagesgänge der Temperatur möglich.
Am frühen Morgen kann es beispielsweise nur fünf oder sechs Grad warm sein, während am Nachmittag mehr als 20 Grad erreicht werden.
In ungünstigen Senken können die Temperaturen nachts sogar noch weiter absinken.
Hinzu kommt ein weiteres typisches Herbstphänomen: Nebel.
Hochdruck bedeutet nämlich keineswegs automatisch vom Sonnenaufgang an wolkenlosen Himmel.
Bei schwachem Wind kann sich die bodennahe Luft während der Nacht stark abkühlen. Erreicht sie den Taupunkt, bildet sich Nebel oder Hochnebel.
Deshalb kann ein klassischer Altweibersommertag zunächst grau und kühl beginnen.
Erst wenn die Sonne den Boden ausreichend erwärmt, steigt die Temperatur der unteren Luftschichten. Der Nebel beginnt sich aufzulösen und plötzlich erscheint ein nahezu wolkenloser Himmel.
Je später wir allerdings im Herbst kommen, desto schwieriger wird dieser Prozess.
Die Sonne steht immer niedriger und besitzt weniger Kraft. Dann kann sich aus einem morgendlichen Nebelfeld ein zäher Hochnebel entwickeln, der sich örtlich den ganzen Tag hält.
Nur wenige Kilometer entfernt kann gleichzeitig strahlender Sonnenschein herrschen.
Der Altweibersommer zeigt damit besonders eindrucksvoll, wie stark Jahreszeit, Sonnenstand, Luftströmung und Hochdruckeinfluss miteinander verbunden sind.
Schon gewusst?
Der Begriff „Altweibersommer“ hat wahrscheinlich überhaupt nichts mit älteren Frauen zu tun.
Das Wort „weiben“ wurde früher unter anderem für das Knüpfen beziehungsweise Weben von Spinnfäden verwendet. Im Frühherbst sind bei ruhigem Wetter häufig feine Spinnenfäden in Wiesen, Hecken und zwischen Pflanzen zu beobachten.
Besonders auffällig sind die sogenannten Flugfäden kleiner Spinnen.
Die Tiere produzieren einen feinen Seidenfaden, der von aufsteigender Luft oder schwachem Wind erfasst wird. Auf diese Weise können sich die Spinnen teilweise über erstaunliche Entfernungen transportieren lassen.
Im flachen Sonnenlicht des Septembermorgens werden diese hauchdünnen Fäden besonders gut sichtbar.
Damit verbindet der Altweibersommer gleich mehrere typische Erscheinungen des frühen Herbstes: kühle und teilweise neblige Morgenstunden, glitzernde Tautropfen, lange Spinnenfäden und anschließend noch einmal überraschend warme Nachmittage.
Genau diese Kombination macht solche Wetterphasen so besonders.
Der Kalender sagt bereits Herbst – doch für einige Stunden am Nachmittag fühlt sich die Atmosphäre noch einmal fast wie Sommer an.

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