Wetterthema des Tages – 26.09.2026
Warmluftadvektion – wenn der Südwestwind Ende September noch einmal Wärme nach Deutschland bringt

Der Kalender zeigt längst Herbst, doch die Atmosphäre schaltet an diesem Wochenende noch einmal auf Spätsommer. Am heutigen 26. September zeigt sich Deutschland dabei zweigeteilt: Im Norden ziehen zeitweise dichtere Wolkenfelder durch und örtlich fällt etwas Regen. In der Mitte und im Süden setzt sich nach der Auflösung morgendlicher Nebelfelder dagegen vielfach die Sonne durch. Dort werden verbreitet 22 bis 26 Grad erreicht, am Oberrhein sind sogar Werte um 30 Grad möglich. oai_citation:0‡wetter.com
Hinter dieser ungewöhnlichen Wärme steckt ein grundlegender meteorologischer Vorgang: die Warmluftadvektion. Damit bezeichnen Meteorologen den horizontalen Transport wärmerer Luft in eine Region. Entscheidend ist also nicht nur, wie stark die Sonne einen Ort erwärmt. Ein erheblicher Teil unserer Temperaturentwicklung hängt davon ab, welche Luftmasse der Wind heranführt.
Aktuell arbeiten dabei zwei große Druckgebilde zusammen. Über dem Atlantik befinden sich kräftige Tiefdrucksysteme, während sich über Mitteleuropa und weiter östlich hoher Luftdruck etabliert. Zwischen beiden Systemen stellt sich eine südwestliche Strömung ein, die ungewöhnlich warme Luft weit nach Norden transportiert. Das Blockadehoch verhindert zugleich, dass die atlantischen Tiefs rasch nach Mitteleuropa vorankommen. Für die kommenden Tage wird deshalb verbreitet eine für Ende September außergewöhnlich warme Wetterphase erwartet. oai_citation:1‡Wetterprognose und Wettervorhersage
Kernaussagen
Warmluftadvektion bedeutet, dass der Wind wärmere Luft aus einer anderen Region heranführt. Die Temperatur an einem Ort steigt dabei nicht allein durch Sonneneinstrahlung, sondern auch durch den großräumigen Transport einer bereits warmen Luftmasse.
Für Deutschland ist eine südliche oder südwestliche Strömung besonders häufig mit Warmluftzufuhr verbunden. Luft kann dabei aus Frankreich, von der Iberischen Halbinsel oder sogar aus dem subtropischen Raum in Richtung Mitteleuropa gelangen.
Wie warm es tatsächlich wird, hängt zusätzlich von Bewölkung, Sonnenscheindauer, Bodenfeuchte, Wind und Jahreszeit ab.
Ein Hochdruckgebiet kann die Erwärmung unterstützen. Sinkende Luft erwärmt und trocknet sich, Wolken lösen sich leichter auf und die Sonne kann den Boden zusätzlich erwärmen.
Ende September besitzt die Sonne allerdings deutlich weniger Kraft als im Hochsommer. Besonders hohe Temperaturen zu dieser Jahreszeit sind deshalb ein deutlicher Hinweis darauf, dass neben der Sonneneinstrahlung auch eine ungewöhnlich warme Luftmasse beteiligt ist.
Meteorologischer Hintergrund
Das Wetter unserer Breiten wird wesentlich vom horizontalen Transport unterschiedlicher Luftmassen bestimmt.
Die Atmosphäre versucht ständig, Temperatur- und Druckunterschiede auszugleichen. Dadurch entstehen großräumige Luftströmungen.
Auf Wetterkarten erkennen wir diese Strömungen häufig anhand der Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten.
Auf der Nordhalbkugel bewegt sich die Luft um ein Hochdruckgebiet im Uhrzeigersinn und um ein Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn. Liegt ein Hoch östlich von Deutschland und gleichzeitig ein Tief über dem Atlantik, können beide Systeme gemeinsam eine südliche bis südwestliche Strömung erzeugen.
Damit öffnet sich gewissermaßen eine atmosphärische Transportbahn.
Luft, die zuvor über wesentlich wärmeren Regionen lag, wird nach Norden geführt.
Meteorologen bezeichnen diesen Vorgang als Advektion.
Das Wort unterscheidet sich von der Konvektion. Bei der Konvektion bewegt sich Luft hauptsächlich vertikal – also nach oben oder unten. Advektion beschreibt dagegen vor allem den horizontalen Transport.
Eine Luftmasse kann auf diese Weise innerhalb weniger Tage Tausende Kilometer zurücklegen.
Für die Temperaturentwicklung ist dabei entscheidend, woher sie stammt.
Kommt die Luft aus Nordwesten vom Nordatlantik, fällt sie häufig kühl und feucht aus. Eine nördliche Strömung kann sogar polare Luft nach Mitteleuropa führen.
Dreht die Strömung dagegen auf Südwest, ändern sich die Voraussetzungen grundlegend.
Dann können Luftmassen aus Südwesteuropa oder dem subtropischen Atlantik nach Deutschland gelangen.
Genau das macht die gegenwärtige Wetterlage interessant.
Kräftige Tiefdrucksysteme über dem Atlantik treffen auf ein blockierendes Hoch über Europa. Die Tiefs können deshalb nicht wie gewöhnlich rasch ostwärts ziehen. Zwischen ihnen und dem Hoch wird stattdessen warme Luft weit nach Norden gelenkt. Für das Wochenende und den Beginn der kommenden Woche wird dadurch eine markante positive Temperaturabweichung erwartet. oai_citation:2‡Wetterprognose und Wettervorhersage
Doch warme Luft in etwa 1.500 Metern Höhe bedeutet nicht automatisch die gleiche Erwärmung am Boden.
Damit die Wärme dort ankommt, müssen mehrere Faktoren zusammenspielen.
Sonnenschein ist einer davon.
Bei geringer Bewölkung erwärmt die Sonne die Erdoberfläche. Der Boden wiederum gibt Wärme an die darüberliegende Luft ab.
Trockene Böden können diesen Effekt verstärken. Ist wenig Wasser vorhanden, wird ein geringerer Teil der Sonnenenergie für Verdunstung verbraucht. Mehr Energie steht dann für die direkte Erwärmung des Bodens und der bodennahen Luft zur Verfügung.
Auch absinkende Luft innerhalb eines Hochdruckgebietes trägt zur Erwärmung bei.
Beim Absinken gelangt ein Luftpaket in Bereiche höheren Luftdrucks. Es wird zusammengedrückt und erwärmt sich dabei – ein Prozess, der als adiabatische Erwärmung bezeichnet wird.
Gleichzeitig sinkt die relative Luftfeuchtigkeit.
Wolken können sich dadurch auflösen und der Sonnenschein erhält zusätzlichen Spielraum.
Das Ergebnis kann Ende September verblüffend sommerlich wirken.
Trotzdem unterscheidet sich ein solcher Tag deutlich von einem Julitag.
Die Sonne steht inzwischen wesentlich niedriger am Himmel und die Nächte sind länger.
Deshalb kann es morgens ausgesprochen frisch sein, während die Temperatur am Nachmittag trotzdem auf sommerliche Werte steigt.
Die Temperaturspanne innerhalb eines einzigen Tages kann dadurch beträchtlich werden.
Auch Nebel passt hervorragend in dieses Bild.
Unter Hochdruckeinfluss und bei schwachem Wind kühlt der Boden nachts stark aus. In feuchten Niederungen und Flusstälern kann die Luft den Taupunkt erreichen und Nebel entstehen.
Gerade entlang der Saale sind deshalb am Morgen Nebelfelder möglich, während wenige Stunden später bei Sonnenschein spätsommerliche Temperaturen herrschen können.
Damit treffen Ende September zwei Jahreszeiten beinahe innerhalb eines einzigen Tages aufeinander: morgens feuchter und kühler Frühherbst, nachmittags noch einmal sommerliche Wärme.
Schon gewusst?
Warmluftadvektion kann dafür sorgen, dass es nachts wärmer wird, obwohl die Sonne längst untergegangen ist.
Normalerweise erwarten wir nach Sonnenuntergang sinkende Temperaturen. Dreht jedoch der Wind und führt zunehmend wärmere Luft heran, kann die Temperatur konstant bleiben oder sogar mitten in der Nacht steigen.
Das zeigt eindrucksvoll, dass die Temperatur an einem Ort keineswegs ausschließlich vom Tagesgang der Sonne bestimmt wird.
Die Atmosphäre transportiert ständig riesige Energiemengen rund um unseren Planeten.
Warme Luft wird aus niedrigen Breiten nach Norden geführt, während an anderer Stelle kalte Luft in Richtung Süden strömt.
Unsere derzeitige spätsommerliche Wärme ist damit nicht einfach nur das Ergebnis eines sonnigen Septembertages.
Sie ist Teil eines großräumigen atmosphärischen Wärmetransports, der sich über Tausende Kilometer erstreckt – und dessen Auswirkungen wir schließlich direkt vor unserer Haustür messen können.

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